Es scheint schon etwas grotesk zu sein. Mitten in der Badesaison rollen Lastkraftwagen und Bagger am Olbersdorfer See, um das Erholungsgebiet touristisch aufzuwerten.
Was konnte sich Ralph Grohmann in den vergangenen Tagen nicht schon von einigen entrüsteten Laufkunden anhören. "Das kann doch wohl nicht wahr sein. Ihr müsst doch wirklich spinnen. Jetzt, mitten in der Saison, wenn wir baden wollen, wird hier gebaut." Laut dem Pressesprecher des Vereins "Freizeit-Oase–Olbersdorfer See" e.V. "wollen wir damit aber weder jemanden verärgern, noch ist das böser Wille von uns."
Denn im Februar erhielt die Gemeinde Olbersdorf den Zuwendungsbescheid dafür. "Dann ging alles ganz schnell", wie Michael Noack vom örtlichen Sachgebiet Bau-/Ordnungswesen erklärt. Von der Ausschreibung über die Vergabe der Bauleistungen bis hin zum Startschuss der Bauarbeiten am 3. Mai. In diesem Zuge werden unter anderem Teile des Wegenetzes und das Holzdeck saniert sowie der Strandbereich aufgewertet. So verschwindet der alte Sand komplett von der Bildfläche.
Das Gelände wird reguliert und mit qualitativ hochwertigem, feinen weißen Sand versehen. Auch der Zugang zur Flachwasserzone verbessert sich damit ganz erheblich, weil dann dort zum Beispiel auch keine Steine oder scharfkantigen Muscheln mehr herumliegen. In dem neuen "Teppich" können kleine Wasserratten auch mal richtige Burgen bauen, so tief sei dann der neue Sand am Strand, sagt Ralph Grohmann.
Der gesamte Strandbereich wird aber vom bisher bekannten Ausmaß um circa ein Viertel verkleinert. Dafür entstehen Liegewiesen. Die Badegäste können künftig somit zwischen Wiese und Sand wählen. Ralph Grohmann bittet die Wasserratten, zurzeit vorsichtig zu sein, denn der Olbersdorfer See ist momentan eine Baustelle. So mancher Zeitgenosse hat aber trotzdem schon neben dem Bagger seine "Zelte" aufgeschlagen, um zu baden. Der Pressesprecher kann darüber nur mit dem Kopf schütteln. Die Badegäste sollten sich neben dem abgesperrten Bereich niederlassen.
In den nächsten Tagen müssen sich die Anwohner der Südstraße auf starke Verkehrsbelastungen einstellen, weil die Laster über diese Straße den alten Sand abtransportieren und neuen Sand ankarren. "Es soll dabei keine Leerfahrten geben", versichert Michael Noack. Am 13. Juli soll der Strandbereich und das Holzdeck zur Nutzung freigegeben werden. Einige neu angelegte Rasenflächen bleiben aber noch abgesperrt, damit das Grün sprießen kann. Im Herbst sollen noch zahlreiche Bäume, Hecken- und Bodenpflanzen sowie Sträucher gepflanzt werden.
Die Gesamtkosten für die Maßnahmen Holzdeck und Strand belaufen sich auf circa 270.000 Euro. Das Vorhaben wird aus Mitteln der Gemeinschaftsaufgabe "Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur" durch den Freistaat Sachsen mit 80 Prozent gefördert. Die Macher der Gemeinde Olbersdorf und des Vereins "Freizeit-Oase–Olbersdorfer See" e.V. sind sich jedenfalls einig, dass mit dieser Investition die Qualität des Erholungsgebietes ganz erheblich verbessert wird.