26.05.2012
GROSSHENNERSDORF
Protest: Zustände im Kinderhaus unhaltbar
FRANK-UWE MICHEL

"Stadträte, kündigt der AWO bis zum 30.06." war eine der zentralen Botschaften der Protestaktion vor dem Kinderhaus in Großhennersdorf. | Redaktion

Samstagmorgen. Kurz nach halb zehn. Etwa 50 Erwachsene und Kinder drängen sich vor dem Großhennersdorfer Kinderhaus "Pfiffikus". In den Händen halten sie Transparente. Tenor: Ein Trägerwechsel soll her, um die derzeit angespannte Lage zu entschärfen.

Die Stimmung ist aufgeheizt. Durch die Arbeiterwohlfahrt (AWO), den aktuellen Träger der Einrichtung, sei die Situation so eskaliert, erklären Eltern. Der Wohlfahrtsverband habe die Sache nicht mehr im Griff, dringe nicht entschlossen genug auf Veränderungen. Die Leiterin blocke gar jeden Gesprächsversuch ab.
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Auf den Transparenten haben die Protestierer in den vergangenen Tagen das drauf gepinselt, was sie erreichen wollen: "Stadträte, kündigt der AWO bis zum 30.06." steht da geschrieben. Oder: "Demokratie heißt Bürger wahrnehmen!". Auch dies: "Keine Lügen und falschen Versprechen." Initiiert wurde die Aktion, über die nach Aussagen der Teilnehmer auch der Herrnhuter Bürgermeister unterrichtet wurde, um in der Öffentlichkeit endlich Gehör zu finden.

"Wir sahen keinen anderen Ausweg mehr. Denn unsere Argumente prallen ab, ohne aufgenommen zu werden." Nach Gesprächen mit dem Chef der AWO, Dirk Reinke, sowie Bürgermeister Wilhelm Riecke habe sich dieser Eindruck eher noch verstärkt.
Doch was ist der Stein des Anstoßes, den die Eltern nicht mehr unwidersprochen ertragen wollen, um nicht das Wohl ihrer Kinder zu gefährden?

"Die Leitung der Einrichtung zeigt sich für die pädagogische und organisatorische Führung total überfordert. Ihr fehlt jegliche soziale Fachkompetenz", heißt es in einer Mitteilung der Eltern. Auf partnerschaftliches Miteinander werde kein Wert gelegt. Im Laufe des Jahres 2012 seien die Probleme immer größer geworden: Über Monate hinweg habe es in der Einrichtung Läusebefall gegeben, ohne dass Entscheidendes dagegen unternommen worden wäre. Kritisch sei auch der ständige Personalwechsel zu betrachten.

Kein Verständnis habe man für die Abberufung einer Mitarbeiterin, die nach ihrer Bestätigung der Zustände im "Pfiffikus" offenbar innerhalb der AWO zwangsversetzt worden sei.
Schließlich monieren die Eltern den angeblichen Stillstand in der pädagogischen Ausrichtung. Nach dem Wegfall der Weihnachtsfeier habe es auch keine Exkursionen mehr gegeben. Sogar das beliebte Kartoffelfest sei ausgefallen.

Kritik kommt auch bezüglich der Essenversorgung im Kinderhaus. Früher habe man die Mahlzeiten direkt von der benachbarten Diakonie bezogen, jetzt werde es am Morgen in Löbau abgefüllt und stehe dann bis Mittag in Großhennersdorf auf Abruf bereit. "Frische sieht anders aus", lautet der Vorwurf der Eltern.

Die fordern nun, die AWO als Träger des "Pfiffikus" abzulösen, wozu die Stadt Herrnhut bis 30. Juni die Möglichkeit habe. Der Vertrag mit dem Wohlfahrtsverband sei "auf ein Jahr zur Probe" abgeschlossen worden, an dessen Ende man prüfen wolle, welche Probleme es gab und ob es Sinn macht, die Zusammenarbeit fortzusetzen.

Die Absprache, nach einem Jahr Resümee zu ziehen, gebe es tatsächlich, erklärt Bürgermeister Willem Riecke. Von einer Probephase für die Arbeiterwohlfahrt könne aber nicht die Rede sein. "Das ist ein ganz normaler, unbefristeter Vertrag. Natürlich gibt es auch für ihn Kündigungsmöglichkeiten. Eine solche Variante ist aber derzeit nicht in Sicht", betont der Herrnhuter Rathauschef, der seit der Eingemeindung zum Jahresbeginn 2011 auch für Großhennersdorf zuständig ist. Wobei Riecke die Zustände im Kinderhaus nicht beschönigen will. "Sicherlich gibt es dort Dinge, die es zu korrigieren gilt. Der einzig gangbare Weg ist aber der, in Gesprächen miteinander für Verbesserungen einzutreten."

Es sei "viel Bewegung" in der Angelegenheit und er selbst optimistisch für die künftige Entwicklung. "Zu sagen, es würde niemand mit dem anderen sprechen, ist eine glatte Lüge", stellt er deshalb klar. Es gehe jetzt darum, schnell zu Ergebnissen zu kommen.

AWO-Chef Dirk Reinke war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Der Geschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt Oberlausitz befindet sich bis 5. Juni im Urlaub. In Vertretung wollte sich niemand aus der Chefetage äußern. Auch "Pfiffikus"-Leiterin Katja Klose zog es vor zu schweigen. Auskunftsberechtigt sei nur der Träger, erklärte sie auf Anfrage des "Oberlausitzer Kurier".

Das Kinderhaus "Pfiffikus" verfügt nach eigenen Angaben über eine Kapazität von 105 Plätzen, die sich in 15 Krippen-, 34 Kindergarten- und 56 Hortplätze aufteilen. Derzeit ist die Einrichtung bis auf einige freie Plätze im Hort voll belegt.

Kommentare zu

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

Da die Fehler in der pädagogischen (oder eben nicht pädagogischen) Arbeit des Personals zu suchen sind, ist es mir ein Rätsel, was da der Trägerwechsel bringen soll, wenn nicht auch die Leitung ausgetauscht wird. Diese müsste dann aber viel Nerven aufbringen, um die Veränderungen auch in den Gruppen durchzusetzen.


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