In Teilen der Städte von Bautzen, Löbau und Zittau hat die Westside-Filmproduktion gmbH vor wenigen Tagen für einen Kriminalfilm über den Kindermörder Hagedorn gedreht. Der spektakuläre Fall hatte sich in der DDR in den 60er Jahren in Eberswalde ereignet.
Eine DDR-Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz weht an einem Fenster im Wind. Trabis und Wartburgs rollen durch abgesperrte Straßenzüge. Die Kulisse mit der Bausubstanz am Bahnhof Bautzen, im ehemaligen Armeegelände Löbau und an der Uhreninsel in Zittau passt, um authentisches DDR-Flair aus der Zeit von 1969 bis 1972 zu verbreiten. Mit dem Charme von damals eben. "Denn wir haben hier schöne alte Häuser gefunden", sagt der Produzent Martin Zimmermann. "Durch Locationscouts und Erfahrungen mit anderen Produktionen sind wir auf diese Drehorte gekommen", fügt er hinzu.
Die Dreharbeiten selbst dauern vom 22. Mai bis Ende Juni – nicht nur hier in der Region, sondern auch in Dresden und in Köln. Zu den bekannten Hauptdarstellern zählen unter anderem Ronald Zehrfeld (unter anderem "Tatort" und "Schimanski"), Ulrike Tscharre (unter anderem "Tatort", "Pfarrer Braun" und "Soko Köln") und Martin Brambach (unter anderem "Das Wunder von Lengede"). Im gesamten Film sind über 400 Komparsen im Einsatz.
Der in einer Mitropa-Bahnhofsküche arbeitende Kochlehrling Hagedorn ermordete im Mai 1969 zwei 9-jährige Schüler und im Oktober 1971 einen 12-jährigen Jungen im gleichen Eberswalder Wald an der Drehnitzwiese auf grausame Weise mit einem Messer. Es folgte eine langwierige und zeitweilig eingestellte Fahndung nach dem Täter.
Außerdem ließ die Polizei erstmals in der DDR durch den Berliner Gerichtspsychiater Hans Szewczyk ein Täterprofil anfertigen. Nach dessen Ergebnissen handelte es sich bei dem Mörder aller Wahrscheinlichkeit nach um einen pädophilen Sadisten, der schon früher durch harmlos wirkende Annäherungsversuche an Kinder aufgefallen sein musste. Großangelegte Befragungen in Schulklassen führten die Kripo dann auf die entscheidende Spur.
Nach dem Hinweis eines einst gequälten Jungen, der aus Scham jahrelang geschwiegen hatte, konnte Erwin Hagedorn am 12. November 1971 festgenommen werden und gestand die Sexualmorde sofort. Seine Hinrichtung war die letzte Vollstreckung einer zivilen Todesstrafe in der DDR. Der erst 20-jährige Hagedorn wurde am 15. September 1972 in der Strafvollzugseinrichtung Leipzig durch einen unerwarteten Nahschuss mit der Pistole in den Hinterkopf hingerichtet.
"Wir erzählen die Geschichte eins zu eins", sagt Martin Zimmermann. Dieser Fall sei damals nie an die "große Glocke gehangen, sondern in aller Ruhe gemanagt worden." Wann die Produktion für den WDR im Fernsehen ausgestrahlt wird, steht momentan noch nicht fest. Voraussichtlich 2013. Die Städte Löbau, Bautzen und Zittau wird der Zuschauer aber im Kriminalfilm "Hagedorn" auf jeden Fall erkennen.
Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.
werden den Film aufgrund der Aufnahmen wohl
eher als *Heimatfilm wahrnehmen.
Gesamtdeutsch wird er sicher als ein Film wahr-
genommen werden, der uns den Unterschied
wischen dem Unrechtsstaat DDR und den
Rechtsstaat BRD näher bringt.