02.06.2012
ZITTAU/LÖBAU/BAUTZEN
Dreharbeiten für den Krimi "Hagedorn"
STEFFEN LINKE

Die Maskenbildnerin schminkt Schauspieler Ronald Zehrfeld bei den Dreharbeiten für seine Rolle im Film "Hagedorn". | Steffen Linke

In Teilen der Städte von Bautzen, Löbau und Zittau hat  die Westside-Filmproduktion gmbH  vor wenigen Tagen für einen Kriminalfilm über den Kindermörder Hagedorn gedreht. Der spektakuläre Fall hatte sich in der DDR in den 60er Jahren in Eberswalde ereignet.

Eine DDR-Fahne mit Hammer, Zirkel und Ährenkranz weht an einem Fenster im Wind. Trabis und Wartburgs rollen durch abgesperrte Straßenzüge. Die Kulisse mit der Bausubstanz am Bahnhof Bautzen, im ehemaligen Armeegelände Löbau und an der Uhreninsel in Zittau passt, um authentisches DDR-Flair aus der Zeit von 1969 bis 1972 zu verbreiten.   Mit dem Charme von damals eben. "Denn wir haben hier schöne alte Häuser gefunden", sagt der Produzent Martin Zimmermann. "Durch Locationscouts und Erfahrungen mit anderen Produktionen sind wir auf diese Drehorte gekommen", fügt er hinzu.
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Die Dreharbeiten selbst dauern vom 22. Mai bis Ende Juni – nicht nur hier in der Region, sondern auch in Dresden und in Köln.  Zu den bekannten Hauptdarstellern zählen unter anderem Ronald Zehrfeld (unter anderem "Tatort" und "Schimanski"), Ulrike Tscharre (unter anderem "Tatort", "Pfarrer Braun" und "Soko Köln") und Martin Brambach (unter anderem "Das Wunder von Lengede"). Im  gesamten Film sind über 400 Komparsen im Einsatz.

Der in einer Mitropa-Bahnhofsküche arbeitende Kochlehrling Hagedorn ermordete im Mai 1969 zwei 9-jährige Schüler und im Oktober 1971 einen 12-jährigen Jungen im gleichen Eberswalder Wald an der Drehnitzwiese auf grausame Weise mit einem Messer. Es folgte eine langwierige und zeitweilig eingestellte Fahndung nach dem Täter.

Außerdem ließ die Polizei erstmals in der DDR durch den Berliner Gerichtspsychiater Hans Szewczyk ein Täterprofil anfertigen. Nach dessen Ergebnissen handelte es sich bei dem Mörder aller Wahrscheinlichkeit nach um einen pädophilen Sadisten, der schon früher durch harmlos wirkende Annäherungsversuche an Kinder aufgefallen sein musste. Großangelegte Befragungen in Schulklassen führten die Kripo dann auf die entscheidende Spur.

Nach dem Hinweis eines einst gequälten Jungen, der aus Scham jahrelang geschwiegen hatte, konnte Erwin Hagedorn am 12. November 1971 festgenommen werden und gestand die Sexualmorde sofort. Seine  Hinrichtung war die letzte Vollstreckung einer zivilen Todesstrafe in der DDR. Der erst 20-jährige Hagedorn wurde am 15. September 1972 in der Strafvollzugseinrichtung Leipzig durch einen unerwarteten Nahschuss mit der Pistole in den Hinterkopf hingerichtet.

"Wir erzählen die Geschichte eins zu eins", sagt Martin Zimmermann. Dieser Fall sei damals nie an die "große Glocke gehangen, sondern in aller Ruhe gemanagt worden." Wann die Produktion für den WDR im Fernsehen ausgestrahlt wird, steht momentan noch nicht fest. Voraussichtlich 2013. Die Städte Löbau, Bautzen und Zittau wird der Zuschauer aber im Kriminalfilm "Hagedorn" auf jeden Fall erkennen.

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Kommentare zu

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

Wir Ostsachsen (Bautzen, Löbau, Zittau, Görlitz usw.),
werden den Film aufgrund der Aufnahmen wohl
eher als *Heimatfilm wahrnehmen.

Gesamtdeutsch wird er sicher als ein Film wahr-
genommen werden, der uns den Unterschied
wischen dem Unrechtsstaat DDR und den
Rechtsstaat BRD näher bringt.

Ich finde es gut und richtig, dass dieser Fall
mit diesem Film *unsterblich*
gemacht wird.

Vorallem wird auch hier der Unterschied zwischen
dem Unrechtsstaat DDR und dem Rechtsstaat
BRD deutlich gemacht.

In der DDR wurde der >pädophile Sadist< Hage-
dorn für die Ermordung von 3 Kindern zum
Tode verurteilt. Das Urteil wurde auch IM
NAMEN DES VOLKES vollstreckt.

Im Rechtsstaat BRD wäre das natürlich
ganz anders verlaufen.

Ganz sicher wäre bei ihm eine psychische Krankheit
und somit die Schuldunfähigkeit festgestellt worden.

Oder er wäre nach Jugendstrafrecht verurteilt
worden - Höchststrafe 10 Jahre Haft.

Wenn das Todesurteil nicht vollstreckt worden wäre,
dann wäre er 1990 aufgrund der Amnestie
im besten Alter von 38 Jahren frei
gelassen worden.

Ob durch die Urteilsvollstreckung, Kindern in den
Jahren von 1990 bis 2012 das Leben gerettet
wurde, wissen wir nicht?

Herr Gert W. Knop! Zittau und die ganze Gegend scheint mir ein kulturhistorisch sehr bedeutsames stadt-und landschaftliches Gefüge zu sein,indem zu wohnen manch eine oder einer träumt in einer Welt,die übersättigst ist von absolut gesichts und inhaltsloser Betonbaukultur.Leider macht die Gegend zu wenig auf sich aufmerksam.Was natürlich auch nicht verwunderlich ist bei den vielen weggezogenen Menschen und den leeren Kassen in Stadt und beim Bürger.Und genau das ist es vielleicht auch,was wieder zur Belebung führen wird und muß.Denn Umdenkprozesse dauern langsam.Die Welt muß erst noch erfahren,welch schöner Fleck das ist und dann beginnt auch die Belebung von der Stadt und der Region.Ein Berich in der New York Times oder-Post wäre da schon mal hilfreich.Amerikaner z.B. lieben nicht nur ihre USA,sondern auch Europa und besonders das Old.Germany:Und hier ist es zu finden in Zittau und der Oberlausitz mit super hübschen kleinen Städtchen wie aus dem Bilderbuch.Vielleicht kommt der Mister Präsident of the USA ja mal hier vorbei,spätestens dann weiß die ganze Welt,wo Zittau liegt.Oder ich erwähne es beim nächsten Telefonat mit ihm.Hahaha.........Obama..

Diese Dreharbeiten an Zittaus Uhreninsel zeigen wieder einmal deulich wie wichtig der Erhalt historischer Gebäude fpür die Stadt ist. Sicher wird der Dreh zum Fall Hagedorn nicht er letzte in Ziottau bleiben.


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