Schon bei der Wiederholungssendung "Bauer sucht Frau" auf RTL am vergangenen Samstag flimmerte Fritz L. aus Schlegel nicht mehr über den Bildschirm. Dabei hatte der Landwirt bei der ersten Vorstellung vor Millionen Zuschauern an den Fernsehern am Pfingstmontag in der TV-Show noch seine Ziegen ganz zärtlich gestreichelt und gesagt: "Ich bin der Fritz. Ich bin 28 Jahre. Ich komme aus der Oberlausitz und suche eine Frau, die mir genauso wie die Ziegen aus der Hand fressen."
Daraus wird aber nun nichts mehr. "Fritz hat uns nichts von seiner politischen Vergangenheit erzählt, weil es für ihn, was die NPD betrifft, schon sieben Jahre her ist", sagt Maren Mossig von der zuständigen Kölner Agentur "diepressetanten". Das sei bisher ein Einzelfall gewesen. "Das haben wir so noch nicht im Casting erlebt", fügt sie hinzu.
Der Bauer war nach vorliegenden Informationen bis 2005 Mitglied der rechtsextremen NPD, wechselte dann zur DSU. Am Tag nach der ersten Ausstrahlung hatte die Agentur aus dem entfernten Umfeld des Bauern aus der Oberlausitz davon erfahren. RTL reagierte nach den Hinweisen von Zuschauern sofort darauf. "Er findet nicht mehr statt in der Sendung ,Bauer sucht Frau''", sagte ein Mitarbeiter von RTL. In Schlegel selbst waren einige Einwohner überrascht, "dass er bei so einer Sendung mitmacht." Laut Ortsvorsteher Frank Sieber ist der junge Mann sehr unauffällig und schüchtern.
"Es tut uns auch irgendwie leid für Fritz, weil wir ihn sehr sympathisch fanden. Der politische Hintergrund von ihm hat aber einfach nichts mit der Sendung ,Bauer sucht Frau' zu tun", so Maren Mossig. "Eigentlich schade", meint eine 48-jährige Stammzuschauerin aus Olbersdorf. "Denn er sah gar nicht einmal schlecht aus im Vergleich zu manchen anderen Kandidaten." Doch das äußere Outfit ist bekanntlich reine Geschmackssache.
"Wir schicken ihm die Post von allen Frauen, die sich jetzt noch für ihn bewerben, zu", sagt Maren Mossig. Manche Bauern würden dabei nur 30, andere hunderte Zuschriften bekommen. "Wir wollen keinen Wettbewerb unter den Bauern machen. Deshalb geben wir keine Zahlen an", sagt sie. Für Fritz L. rückt in der Sendung "Bauer sucht Frau" jedenfalls kein anderer Kandidat nach. Der Bauer aus Schlegel war für eine Stellungnahme bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht zu erreichen.
Fritz L. sei laut Maren Mossig sehr traurig über das "Aus" gewesen. Er hätte wohl gern die Chance genutzt, bei RTL die große Liebe zu finden.









Andersherum ist in Görlitz vor kurzem ein erhemaliger SED-Funktionär (APO-Sekretär) und hochdekorierter Kampfgruppenkämpfer zum Oberbürgermeister gewählt worden. Der gesamten Journallie, aber auch allen politischen Parteien war die vom Kandidaten bewußt verschwiedgene Vergangenheit bekannt und keiner hat es gewagt, dieses öffentlich zu machen, wohl aus Angst, auch gleich als Rechter verschrien zu werden. Wo sind wir hingekommen, Gesinnungsschnüffelei ist an der Tagesordnung und andere Meinungen werden nicht toleriert. Damit haben in Deutschland schon zwei verheerende Systeme begonnen. Demokratie lebt von der Pluralität und der Freiheit des Einzelnen, so verstehe ich jedenfalls unser Grundgesetz.