07.07.2012
OLBERSDORF
Mit der Grubenbahn in den ehemaligen Braunkohlentagebau
REDAKTION

Die Vergangenheit lebt: Die Arbeitsgruppe "Grubenbahn" unternahm am vergangenen Sonntag mit den Besuchern einen Ausflug in den ehemaligen Braunkohlentagebau Olbersdorf. | Redaktion

 "Darauf hab ich schon eine ganze Weile gewartet", erklärt Hans Müller. Gerade erglimmt der 61-jährige Zittauer mit seiner Frau Helga den Führerstand der E-Lok Nr. 4-98 vom Typ EL-3. Oben angekommen, zeigt sich das "Kind im Manne", denn als erstes betätigt er das Signalhorn. "Ich fühle mich hier oben noch immer wie zu Hause", bekennt er.

Kein Wunder, hat er doch nach seiner Umschulung zum Stellwerksarbeiter und späteren Triebfahrzeugführer seit 1986 genau so ein Monstrum durch die Olberdorfer Grube kutschiert. Vier Jahre später verschlug es ihn dann allerdings in den Bereich Vorkippe des Tagebaus Hagenwerder.
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Müllers sind hier auf der Ausstellungsfläche gegenüber dem Hotel "Haus am See" am vergangenen Sonntag in guter Gesellschaft gewesen, denn die Anzahl derer, welche der Einladung der Arbeitsgruppe Grubenbahn in der Interessengemeinschaft Zittauer Schmalspurbahn zum alljährlichen "Tag des Bergmanns" gefolgt sind, ist groß. Natürlich ist naheliegend, dass es sich sowohl bei den Besuchern als auch bei den Vereinsmitgliedern vorwiegend um Leute handelt, deren eigenes Leben oder das eines Verwandten eng mit dem Bergbau im Olbersdorfer Revier verknüpft ist.

Während am Werkstattwagen, zwischen E-Lok EL 3, der aus dem Jahre 1973 stammenden Diesellok vom Typ V 10 C und im Bierzelt noch gefachsimpelt wird, hat für interessierte Besucher eine Führung begonnen. Viele bestimmt nicht jedem bekannte Details sind dabei zu erfahren – sicher nur ein Bruchteil dessen, was man hier an Ort und Stelle über die Geschichte des Bergbaus in der Region hätte sagen können. In mühevoller Kleinarbeit haben die Mitglieder der AG wichtige Zeitzeugen retten und an den einzelnen Stationen des Rundgangs wieder aufstellen können.

Dabei wollen sie neben der reinen Information auch das weitverbreitete negative Image des Oberlausitzer Bergbaus, auch hier im Olbersdorfer Revier, etwas aufhellen. Entscheidender Anlass für das Entstehen des heutigen Ausstellungsgeländes war wohl die zweite Sächsische Landesgartenschau 1999, die unter dem Motto "Landschaft nach dem Bergbau" stand. Unmittelbar nach deren Ende gründeten zwei ehemalige Bergleute die damalige AG "Grubenbahn EL 3".

Die beiden seien damals wohl ein bisschen verrückt gewesen, mit ihren vielen guten Ideen, aber ohne Geld, sagt man heute. Doch hier bewahrheitete sich ein weiteres Mal, dass fester Wille und unerschütterlicher Glaube Berge versetzen können. Gegenwärtig schwankt die Anzahl der Mitglieder zwischen zehn und 15. Sie vertreten die unterschiedlichsten Bereiche des ehemaligen Tagebaus – vom Heizer, Schlossermeister, Dispatcher, Baggerfahrer, Lokführer, Bergbauingenieur bis hin zum letzten Tagebauleiter.

Sie verbindet der Spaß an der Sache, der Bergmannsberuf und der Wille, etwas für die Nachwelt sowie den Tourismus in der Region geleistet zu haben. Doch etwas macht ihnen zunehmend Sorgen – der Vandalismus. Fahrzeuge werden mit unschönem Graffiti besprüht, an der Diesellok wurden Fensterscheiben beschädigt. Und Kabeldiebe waren auch schon mehrfach aktiv.

Trotz allem geben die Mitglieder der AG Grubenbahn nicht auf. Und die Besucher am Sonntag bestätigen ihnen erneut: Was sie bis heute erreicht haben, kann sich durchaus schon sehen lassen. Doch sie haben sich noch viel vorgenommen.
Na dann, "Glück auf!"  

Kommentare zu

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

So eine Grubenbahn mit dieser geringen Spurbreite wäre doch ideal,um in Bischofswerda eine Strassenbahn zu errichten.Diese Strassenbahn würde dort den Altmarkt und umliegende Strassen beleben.Natürlich baulich anders gestaltet mit geschlossenen Kabinen als Strassenbahnzug gestaltet wie in Großstädten wäre eine inteessante und nicht zu verachtende Marktlücke für die Hersteller von Strassenbahnen.Einsetzbar in jeder Kleinstadt auf dem Globus.Geringe Masse für geringeres Fahrgastaufkommen bei engen Strassenverhältnissen.Wäre jedenfalls eine Möglichkeit,die Innenstadt von Bischofswerda zumindest als Protoprojekt attraktiver und lebendiger zu gstalten.Kann man sicherlich auch in Bautzen oder Pulsnitz oder Wilthen errichten.Es müssen ja nicht immer große Busse sein.Und Arbeitsplätze plus Steuereinnahmen würde so eine innerstädtische Kleinstrassenbahnlinie auch bringen.So käme man jedenfalls besser von den Märkten auf der "Grünen Wiese" am Stadtrand in die Innenstadt.Also eine Art Bürgershuttle für die Einkäufe.


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