Das Wort Lauencenter fiel nicht ein einziges Mal, als Ullrich Kollatz von der BBE Handelsberatung GmbH vor Beginn der jüngsten Stadtratssitzung ein Gutachten zur "Fortschreibung des Einzelhandelsstandort- und Zentrenkonzeptes der Stadt Bautzen" vorstellte. Doch schwebte es deutlich über dem Ganzen.
Ein Leitbild für die Einzelhandelsentwicklung brauche Bautzen, eine städtebauliche Zielvorstellung, die Schaffung von Planungs- und Rechtssicherheit, so Kollatz. Oder einfach ausgedrückt: Die Stadt Bautzen soll festlegen, in welchem Gebiet der Stadt welche Händler in welchem Umfang womit handeln dürfen. Drei Bereiche unterscheidet das Gutachten: die Innenstadt als multifunktionales Zentrum städtischen Lebens, das Stadtteilzentrum Kaufland und das Stadtteilzentrum Husarenhof.
Die Vorstellung: In der Innenstadt sollen Einzelhandel, Gastronomie, Dienstleistungen, Verwaltung, Kultur, Freizeit und Tourismus gefördert werden. Die anderen Bereiche sollen vor allem sicherstellen, dass die Nahversorgung gewährleistet ist, sprich jeder Bautzener zu Fuß das Wichtigste einkaufen kann. Neuansiedlungen von Fachgeschäften soll es in diesem Bereich nicht geben. Mit diesem Leitbild - so das Gutachten - soll die Zentralitäts- und Versorgungsfunktion der Stadt Bautzen gestärkt, der prägende Charakter erhalten und die Innenstadt attraktiv gestaltet werden. Vorrang habe dabei die Innenstadt als Erlebnisraum.
Eine Vorstellung, die nicht explizit das Lauencenter ein- oder ausschließt. Je nachdem, wie man den Begriff Erlebnisraum interpretiert. Die Initiative PRO Lauencenter, die von der Jungen Union ins Leben gerufen wurde, sieht jedenfalls das Lauencenter eindeutig als Erlebnis. Gerade vor der Diskussion um den Denkmalschutz - die Landesdirektion prüft derzeit, ob es legitim ist, zwei unter Denkmalschutz stehende Gebäude abzureißen - drängt sie auf eine schnelle Entscheidung. Natürlich für den Abriss.
Die Integration des Gebäudes Goschwitzstraße 8 sei wünschenswert, aber dürfe das Gesamtprojekt nicht in Frage stellen, heißt es in einer Mitteilung. Das Lauencenter sei ein wichtiger Baustein für die Zukunft, die Vorteile würden überwiegen, die zentrale Stellung Bautzens werde gestärkt. Der Denkmalschutz dürfe wichtige Entwicklungen in der Stadt nicht behindern. Und abschließend heißt es: "Hätte man in der Vergangenheit ähnlich strenge Maßstäbe an die Konservierung des Status Quo gelegt, dann würde es heute weder Friedensbrücke noch Spreebad und auch kein Kornmarkt-Center geben."Gerade letzterer Punkt ist einer, den nach wie vor viele Bautzener nicht bedauern würden. Einige haben sich in der Bürgerinitiative LauenPark zusammengeschlossen. Ihr Ziel ist es, ein generationsübergreifendes Wohnprojekt in einer parkähnlichen Anlage zu schaffen, statt eines Einkaufstempels. Zudem fordert die Bürgerinitiative die Ausschreibung eines Ideenwettbewerbs für das Areal am Lauengraben.
Die Zahl derer, die Unbehagen angesichts der Pläne spüren, wächst weiter. So unterstützt der Verein Altstadt Bautzen e.V. das geplante Lauencenter nicht. Gerade unter dem Aspekt des Denkmalschutzes sehe man die Planungen sehr kritisch. "Mitglieder des Vereins haben in der Vergangenheit das kleinste Stadttor Bautzens, das Mühltor, mit viel Engagement und Fleiß saniert", schreiben Stephanie Queißer und Frank Herzog in einer Stellungnahme.
Regelmäßig berichteten Touristen, wie schön die Stadt Bautzen und wie wichtig es sei, dass gerade die historische Bebauung weitestgehend erhalten und gepflegt werde. Und weiter: "Als Bautzen 1989 in einem baulich äußerst schlechten Zustand war und Pläne bestanden, historisch wertvolle Gebäude abzureißen, hatten wir kluge Stadtväter und Visionäre, die den Abriss verhinderten und hofften, dass es wieder eine Möglichkeit gibt, diese alten Gebäude weiterhin zu erhalten; ohne diese Idealisten hätten wir heute keine historisch schönen Straßen wie die Schlossstraße, die Heringstraße, die Siebergasse u.a."
Dass im Zusammenhang mit dem Bau des Lauencenters nun historisch wertvolle Bausubstanz im Bereich der Äußeren Lauenstraße und der Goschwitzstraße unwiederbringlich zerstört werde, sei unverantwortlich. "Die Gesamtheit der Gebäude stellt ein ganzes Stadtquartier dar, welches nun beseitigt werden soll. Es ist notwendig, diese Gesamtheit aus historischen Gründen zu erhalten", so der Verein.
Sollte das Lauencenter tatsächlich gebaut werden, dann gehe man davon aus, dass die wertvolle Bausubstand erhalten bleibe. "Wir appellieren daher an die Bürger unserer Stadt, eine öffentliche Diskussion einzufordern und drängen die Verantwortlichen, an den Visionen unserer Vorfahren anzuknüpfen, Erhaltenswertes, Einzigartiges und Unverwechselbares zu schützen und das Machbare anzustreben."
Die Landesdirektion in Dresden hat angekündigt, in dem Fall schnell entscheiden zu wollen. Allerdings brauche man dazu die konkreten Pläne, die derzeit nicht vorliegen würden.
Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.
wen meinst du mit *Oben*.
Sicher nicht die Politiker, denn die sind unten.
Zumindest sind es die Marionetten von
denen, die oben sind und die Fäden
(das Geld) in der Hand haben.
Lars,
die Häuser kann man doch gar nicht verkaufen,
weil sie bereits einen Besitzer haben. Aber
dieser kann sie doch gar nicht sanieren,
weil ihm das Wichtigste fehlt
- das Geld!