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Endlager oder DZA: Beides geht nicht

Endlager oder DZA: Beides geht nicht

Das DZA lässt schon seit mehreren Jahren zwischen Kamenz, Bautzen und Wittichenau bohren – und schließt daher ein Endlager in dieser Region aus. Foto: Archiv

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Sollte wegen des Atommüll-Endlagers alles umsonst gewesen sein? Kaum vorstellbar. Foto: Archiv

Hochrangige Politiker halten die Errichtung eines Atommüll-Endlagers aufgrund der Pläne für ein DZA-Forschungszentrum in der Region für ausgeschlossen. Die mit der Suche beauftragte Bundesgesellschaft sieht das anders.

Region. Die Nachricht, dass eine große Fläche innerhalb der Oberlausitz bei der Suche nach einem geeigneten Standort für ein Atommüll-Endlager auch nach der jüngsten Ausschlussrunde noch im Rennen ist, hat für einige Aufregung gesorgt. Insbesondere die Frage, wie sich ein solches Lager mit den Plänen des Deutschen Zentrums für Astrophysik (DZA) für ein Untergrundlabor im Dreieck Bautzen – Kamenz – Wittichenau, also exakt in dem in Rede stehenden Gebiet – verträgt, wird heiß diskutiert. Der Gründungsdirektor des DZA, Günther Hasinger, gibt darauf eine klare Antwort: „Der BGE-Bericht (BGE = Bundesgesellschaft für Endlagerung, Anm. d. Red.)bestätigt uns, dass die Lausitz geologisch ein außergewöhnlicher Standort ist – stabil, ruhig und damit wissenschaftlich höchst spannend. Diese Voraussetzungen sind ideal für das Low Seismic Lab und für die Forschung im Umfeld des Einstein-Teleskops. Diesen geologischen Schatz der Lausitz wollen wir als Katalysator nutzen, um die Region zu einer starken Wissenschafts- und Hightech-Region zu entwickeln“, erklärt er zunächst. Um dann klarzustellen: „Ein Endlagerbetrieb wäre mit den geplanten hochempfindlichen Experimenten unvereinbar; die Forschungseinrichtungen schließen eine solche Nutzung im unmittelbaren Umfeld aus.“ Die Zwischenergebnisse der BGE hätten die Verantwortlichen des DZA nicht überrascht, sondern deckten sich mit deren Erkenntnissen zur geologischen Beschaffenheit des Untergrundes in der Region.
Auch der sächsische Wissenschaftsminister, Sebastian Gemkow (CDU), schlägt in dieselbe Kerbe: „Die Pläne für die Errichtung eines Untergrundlabors des DZA in der Lausitz schließen ein Atomendlager in derselben Region aus“, erklärt er. Ähnlich äußerte sich auch der Bautzener Landrat Udo Witschas. 

Er, so Gemkow, habe sich mit einem Schreiben an die Bundesgesellschaft gewandt und sich dafür ausgesprochen von einer weiteren Betrachtung dieses Gebietes im Zuge der Endlagersuche abzusehen. Der Minister verweist darauf, dass „das Projekt als Teil des Großforschungszentrums mit einem Gesamtfinanzierungsvolumen von etwa 1,2 Milliarden Euro eine der großen Strukturwandelmaßnahmen im Freistaat Sachsen“ darstelle. 

Und weiter: „Die wissenschaftliche Nutzung und die damit verbundenen Investitionen in die Zukunftsfähigkeit der Region Lausitz stehen im eindeutigen Widerspruch zu einer möglichen Nutzung des Gebietes als Endlager. 

Darauf habe ich die Bundesgesellschaft für Endlagerung hingewiesen. Ich gehe davon aus, dass dies im weiteren Prozess auf der Suche nach einem geeigneten Standort für ein Atommüll-Endlager in Deutschland berücksichtigt wird.“ 

Inwieweit dies die BGE letztendlich beeindruckt und ob die Kuh damit vom Eis ist, lässt sich derzeit allerdings noch nicht abschätzen. Deren Sprecherin Dagmar Dehmer sagte gegenüber „Radio Lausitz“: „Das Endlager hat Priorität gegenüber anderen Nutzungen. ... Wir werden in den Flächen, die jetzt türkis eingefärbt sind, weitere Prüfschritte nutzen, um dann zu bewerten, ob dieser Granit geeignet ist oder nicht.“ Und Geschäftsführerin Iris Graffunder sagte dem Sender: „Sie können sich sicher vorstellen, dass eine politische Beeinflussung durch den einen oder anderen Landesfürst versucht wird, aber wir gehen unsere Prüfungen wissenschaftlich durch.“

Uwe Menschner / 29.11.2025

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