10.02.2012
BAUTZEN
Polizei trainiert Einsatz bei Amokläufen
UWE MENSCHNER

Wenn die Beamten zum Einsatz gerufen werden, wissen sie zumeist noch nicht, was sie am Ort des Geschehens erwartet. | Archiv

Erfurt, Emsdetten, Winnenden: Immer wieder schockierten in den vergangenen Jahren Nachrichten über Amokläufe an deutschen Schulen die Öffentlichkeit. Die Landkreise Bautzen und Görlitz blieb bislang von solch gravierenden Ereignissen verschont; "dennoch müssen wir darauf vorbereitet sein, falls es doch einmal passieren sollte", wie Conny Stiehl betont. 

Der Leiter der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien will seine Beamten für solche Extremsituationen schulen und hat lange nach einem geeigneten Objekt für diesen Zweck gesucht. In Bautzen wurde er fündig: "Das ehemalige Albert-Einstein-Gymnasium im Stadtteil Gesundbrunnen ist mir sofort ins Auge gefallen; es eignet sich ideal für unsere Zwecke."
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Das zu DDR-Zeiten in der damals typischen Bauweise errichtete Schulgebäude steht seit 2002 leer und hat sich in dieser Zeit nicht gerade zum Positiven entwickelt, nicht zuletzt da es immer wieder Randalierer anzog.

Laut Conny Stiehl soll jeder Streifenbeamte die Amok-Ausbildung durchlaufen, die "so realitätsnah wie möglich" gestaltet wird. Dabei kommt Farbmunition zum Einsatz, wie man sie von Paintball-Anlagen kennt. "Dies alles spielt sich ausschließlich im Inneren des Gebäudes ab, von außen bekommt man überhaupt nichts mit", versichert der Polizeidirektor und tritt damit Befürchtungen entgegen, die Übungen könnten für "Unruhe" im Wohngebiet sorgen. Das Training findet voraussichtlich an vier Tagen in der Woche mit jeweils etwa zehn Beamten statt. "Das einzige, was man von ihnen vielleicht merkt, ist, dass sie sich zum Frühstück beim Bäcker ein Brötchen holen", meint Stiehl.

Im früheren Einstein-Gymnasium im Stadtteil Gesundbrunnen sollen die Trainings stattfinden.

Der Bautzener Oberbürgermeister Christian Schramm (CDU) freut sich über diese Nutzung des früheren Schulgebäudes, für das die Stadt keine Verwendung mehr hat: "Wenn die Polizei dort ein und aus geht, werden sich wohl auch die Randalierer fern halten." Allerdings, so macht Conny Stiehl klar, handelt es sich nur um eine Übergangslösung.

"Die Bautzener Polizeischule soll unter dem Dach der in Rothenburg ansässigen Fachhochschule als Aus- und Fortbildungsinstitut der sächsischen Polizei weiter entwickelt werden. Dazu zählt auch die Errichtung eines Einsatztrainingszentrums, in dem die verschiedensten Taktiken und Lagen geübt werden können." Bislang fanden die Trainings in der früheren Polizeischule in Kamenz statt.
Doch auch unabhängig von der Ausbildung sieht der Chef der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien – die ihre Bezeichnung übrigens ab dem 1. Januar 2013 ganz offiziell in "Polizeidirektion Görlitz" ändern wird – die Polizei am Standort Bautzen auch künftig gut aufgestellt. "Zwar werden wir im Jahre 2020 in der gesamten Direktion nur noch 1243 Mitarbeiter – das sind etwa 200 weniger als jetzt – haben. An der Präsenz der Polizei im öffentlichen Raum soll es aber keine Abstriche geben."

Die Kriminalpolizei wird künftig mit einer Außenstelle in Bautzen vertreten sein – "bislang tun hier nur einzelne Kollegen ihren Dienst." Auf eine neues Domizil hofft das Autobahnpolizeirevier, dessen barackenartige Unterkunft "in die Jahre gekommen" ist. "In der Perspektive wollen wir es zur zentralen Verkehrspolizei-Dienststelle unserer Direktion aufwerten", so Conny Stiehl.


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