13.04.2012
GÖRLITZ
Paulick und Deinege mit Argumenten zur OB-Wahl - Teil 3
FRANK-UWE MICHEL

Am Sonntag, 22. April, wird in Görlitz ein neuer Oberbürgermeister gewählt. Dabei haben die Bürger die Wahl zwischen Amtsinhaber Joachim Paulick, der als Einzelbewerber antritt, und Herausforderer Siegfried Deinege, der gemeinsamer Kandidat des Bündnisses aus CDU, FDP, Bündnis 90/Die Grünen und Bürger für Görlitz ist.

Wir haben beiden Kandidaten in drei Themenkomplexen gleichlautende Fragen gestellt. Dabei galt das gleiche Zeilenlimit, das unterschiedlich stark ausgeschöpft wurde. Heute gibt es die dritte Veröffentlichung dazu: Kultur, Tourismus und Sport.



Joachim Paulick. | Privat

Die Diskussionen um das Theater schlagen derzeit hohe Wellen. Wie lässt sich Ihrer Meinung nach hier für Zukunftssicherheit sorgen?

Joachim Paulick: In diese Situation spielen mehrere Ursachen hinein: Zum einen fordern die Theatermitarbeiter auskömmlichere Löhne und Gehälter. Zum anderen werden wegen der Landesbühnen Radebeul die Kulturraummittel knapper. Außerdem übernimmt der Freistaat keinen Inflationsausgleich. Landkreis (1,3 Millionen Euro) und Stadt (2,0 Millionen Euro) haben ihre jährlichen Zuschüsse auf bisherigem Niveau halten können, sehen sich aber nicht in der Lage, Ausfälle des Landes zu kompensieren. Deshalb muss abermals hier vor Ort eine neue Lösung gefunden werden. Die Zukunft unseres Gerhart-Hauptmann-Theaters sehe ich angesichts dieser struk-turellen Finanzprobleme nur im harten Weg der weiteren Konsolidierung. Die Städte Görlitz und Zittau müssen für das, was an qualitätvollen Angeboten erhalten bleibt, gleiche Lastenverteilung erfahren. Der Landkreis wird weiter an Bautzen appellieren. Allerdings wird dessen Theater solange nicht zu Verhandlungen über einen Verbund bereit sein, wie die Häuser in Görlitz und Zittau keine eigene Stabilität aufweisen. Das diesjährige internationale Straßentheaterfestival "viaThea" konnten wir bereits Anfang des Jahres aus eingesparten Aufwendungen der Stadtverwaltung sichern.

Nach wie vor ist die Stadthalle ein kultureller Gigant, der nicht genutzt werden kann. Wann wird er unter Ihrer Regie wieder zur Verfügung stehen?

Paulick: Neben der ehemaligen Synagoge und dem ehemaligen Kaufhaus ist die Stadthalle ein, wenn nicht das Mammutprojekt. Die Planungen zur Komplettsanierung laufen. Fasst der Stadtrat im Herbst 2012 nach dem Planungs- auch den Baubeschluss, fällt der eigentliche Startschuss für die rund 33 Millionen Euro schwere Investition. Die Stadt selbst ist dann mit 6,4 Millionen Euro gefordert. Im Sommer 2015 soll das Traditionshaus wiedereröffnet werden. Damit wir nachher kein Trauerspiel erleben, muss die Halle regelmäßig bis auf den letzten Platz gefüllt sein. Anderenfalls wird der angedachte Zuschuss der Stadt von rund einer halben Million Euro jährlich nicht auskömmlich sein. Darin wird die eigentliche Herausforderung liegen. Aktuell bereitet eine Arbeitsgemeinschaft aus städtischen Gesellschaften das zukünftige Betriebskonzept vor. Auch wenn der Stadtrat sich zunächst zu einer Eigenregie bekannt hat, möchte ich einen privaten Betreiber nicht gänzlich ausschließen. In jedem Falle muss das Jahrhundertbauwerk modernen Ansprüchen gerecht werden und vor allem tagungs- und kongressfähig sein. Damit können wir nicht zuletzt unsere touristischen Betriebe in den Wintermonaten besser auslasten.Die touristische Entwicklung am Berzdorfer See stand in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik. Wie soll dort Besserung eintreten?

Paulick: Sie stand zu Unrecht in der Kritik. Wir haben gemeinsam mit der LMBV, der derzeitigen Eigentümerin des Sees, diesen Rohdiamanten zunächst vollständig an die Adern öffentlichen Lebens anbinden müssen. Die Grundsteine sind nun gelegt: Das Areal ist beplant, Grund- und Bodenverhältnisse sind geordnet, das Gelände ist weitgehend bergbaulich gesichert, öffentlich erschlossen und die Basisinfrastruktur entwickelt. Nach diesen Vorleistungen kann das touristische Angebotsprofil gemeinsam mit privaten Investoren in Angriff genommen werden. An dieser Stelle befinden wir uns jetzt! Das neu entstehende Wassersportzentrum Tauchritz wird ein erstes Signal setzen. Die Verhandlungen mit einem professionellen Hafenbetreiber laufen. Die öffentliche Hand wird die Voraussetzungen für ein Hafenkontor mit -meisterei, Touristeninformation, Bootsverleih sowie einen Stützpunkt für Surfer, Segler und Taucher, kleine Shops, einen Kiosk bzw. Restaurant schaffen. Folgen werden auf der Halbinsel ein Campingplatz, später gegebenenfalls ersetzt durch eine Ferienhaussiedlung sowie ein zentraler Ort zum Grillen, für Sport und Spiel und mehrere Strandbereiche.

2011 war das von den Besucherzahlen her bisher erfolgreichste Jahr in Görlitz. Wie kann dies in den nächsten Jahren noch gesteigert werden?

Paulick: Wir zählten 2011 erstmals über 200.000 Übernachtungen – neuer Rekord! Seit 2005 haben wir 19 Beherbergungsbetriebe hinzugewonnen. Auch die angebotenen Betten verdoppelten sich nahezu von 983 auf 1.793 – und sind gefragt. Sicher hat die Landesausstellung 2011 noch einmal besonderen Schub verliehen, unabhängig davon entwickelt sich der Tourismus aber schon seit Jahren kontinuierlich steigend. Durch gezielte, langfristig angelegte Imagearbeit versuchen wir in regelmäßigen Abständen neue Impulse zu setzen. Der Weg zum Welterbe, aber auch der Ruf als Filmstadt wecken über gut platzierte Öffentlichkeitsarbeit Interesse bei unterschiedlichsten Generationen und Nationen, inzwischen auch interkontinental. Wir generieren damit neben den Gruppenreisen zunehmend hochwertigen Individualfremdenverkehr mit einem Feinsinn für die Architektur alter Meister. Und genau den brauchen wir auch für unseren Einzelhandel, die Immobilienwirtschaft, Gastronomie, Hotellerie und Kulturindustrie. Die vorhandene Bausubstanz bietet genug Raum für zusätzliche Kapazitäten – auch für weiteren Zuzug. Denn nicht wenige Besucher kommen zurück – und bleiben für immer.Sportvereine beklagen zuweilen die angebliche Ungleichbehandlung gegenüber Kultureinrichtungen. Wie lässt sich die Situation der Sportstätten verbessern?

Paulick: Stellt man beide Budgets gegenüber, so ergibt sich tatsächlich ein Ungleichgewicht. Weil auch ich die mitunter einseitige Prioritätensetzung des Stadtrates öffentlich kritisiert habe, werde ich gern als "Kulturbanause" gescholten. Wir haben aber bei den Sportanlagen und -gebäudekomplexen genauso wie bei den Kitas und Schulen begonnen, nach und nach durchzusanieren bzw. ersatzweise neu zu bauen – zum Beispiel Zweifeldhallen in Rauschwalde und Königshufen, diverse Schulsporthallen, Neißebad, Eiswiese, Spielplätze im Stadtpark, Kidrontal, Birkenwäldchen, Kreuzkirchenpark, Sechsstädteplatz und Frauenburgstraße. Nach wie vor steht das Leichtathletik-Stadion in Weinhübel auf meiner Agenda. Insgesamt wird die Moderni-sierung rund sechs Millionen Euro benötigen, 2007 hatten wir bereits ein Zehntel davon für einen ersten Bauabschnitt reserviert. Leider hat der Fördermittelgeber das Vorhaben im ersten Anlauf 2010 abgelehnt. Wir werden uns bei jeder weiteren Antragsrunde wieder beteiligen. In der Innenstadt werden mehr universell nutzbare Sporthallen entstehen, darunter als nächstes ein Ersatzneubau an der Hugo-Keller-Straße. Auch mehrere innerstädtische Schulsporthallen werden nach und nach generalüberholt.



Siegfried Deinege. | Privat

Die Diskussionen um das Theater schlagen derzeit hohe Wellen. Wie lässt sich Ihrer Meinung nach hier für Zukunftssicherheit sorgen?

Siegfried Deinege: Die kürzlich getroffenen Entscheidungen im Stadtrat und im Kreistag halte ich für angemessen. Dennoch ist eine weitere Konsolidierung erforderlich. Dies kann jedoch nur im Ausbau der Kulturlandschaft in unserer Region zu einem Kulturraumtheater geschehen. Die Theatermitarbeiter müssen nach jahrelangem Auf und Ab endlich wieder eine klare Perspektive bekommen. Das Theater ist ein wichtiger Standortfaktor für Görlitz. Auch in dieser Hinsicht bin ich mit dem Landrat einig.

Nach wie vor ist die Stadthalle ein kultureller Gigant, der nicht genutzt werden kann. Wann wird er unter Ihrer Regie wieder zur Verfügung stehen?

Deinege: Der Stadtrat hat seinen Beschluss zur Sanierung der Stadthalle gefasst. Jetzt diktieren unterschiedliche Zwänge das weitere Vorgehen – finanzielle (Fördermittelabruf), technische (Planung, Ausschreibung, Koordinierung), Bauablauf und Abrechnung innerhalb der Fördermittelfristen. Ich gehe davon aus, dass die Terminkette eingehalten wird und die Stadthalle 2015 fertiggestellt ist. Das Defizit an strategischer Arbeit, damit meine ich ein nachfolgendes Nutzungskonzept, werde ich anpacken müssen.Die touristische Entwicklung am Berzdorfer See stand in der Vergangenheit immer wieder in der Kritik. Wie soll dort Besserung eintreten?

Deinege: Ich bin mit der Entwicklung nicht zufrieden. Der Stadtrat hat die Weichen für den Ausbau des Wassersportzentrums durch die WBG gestellt. Leider ist aber in den letzten sieben Jahren zu wenig getan worden, um Planung und Investorensuche voranzutreiben. Ich werde dafür sorgen, dass der längst fällige Zweckverband so schnell wie möglich gegründet wird. Dies ist die Grundlage, um schnell Entscheidungen für die weitere Entwicklung des Berzdorfer Sees zu treffen.

2011 war das von den Besucherzahlen her bisher erfolgreichste Jahr in Görlitz. Wie kann dies in den nächsten Jahren noch gesteigert werden?

Deinege: Es ist anzuerkennen, dass durch das Wirken der Städtischen Gesellschaften EGZ (Wirtschaftsförderungsgesellschaft) und der KulturServiceGesellschaft sowie vieler privater Initiativen die Übernachtungszahlen in Görlitz seit einigen Jahren kontinuierlich steigen. Das Potential ist aber bei weitem noch nicht ausgeschöpft. Görlitz muss als ganzjährige Touristenattraktion unter Einbeziehung des Zittauer Gebirges und der angrenzenden Regionen in Polen und Tschechien weiterentwickelt werden. Private Initiativen müssen stärker gefördert werden. Auch der Ausbau des grenzüberschreitenden Schienennahverkehrs wird den Tourismus stärken.

Sportvereine beklagen zuweilen die angebliche Ungleichbehandlung gegenüber Kultureinrichtungen. Wie lässt sich die Situation der Sportstätten verbessern?

Deinege: Sport und Kultur sind keine Gegensätze. Wir sind unseren Sportlern und Mannschaften, die Görlitz überregional erfolgreich vertreten, verpflichtet. Sie dürfen daher auch in Zukunft gute Rahmenbedingungen für ihren Sport einfordern. Ich werde alle Möglichkeiten prüfen, um das Stadion der Freundschaft zu einer Gesamtsportstätte auszubauen. Dafür brauchen wir neue Wege der Finanzierung, Mut zum Handeln und ein klares Bekenntnis zu unseren erfolgreichen Görlitzer Sportlern.

Mehr zum Thema in Alles-Lausitz.de

Kommentare zu

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

Paulik hat nicht grad Führungsqualität bewiesen,im Statdrat ist immernoch ein einziges Machtgerangel,anstatt gemeinsam was für GR zu tun.Bin sicher,Deinege machts besser.

Horst,
so ähnlich sehe ich das auch.

Dann gibt es auch noch:

*Wasdehast haste - was dekriegst
wesstenich*.

Das soll aber keine Wahlempfehlung sein.
Begründung: Ich kenne keinen
von beiden.

Neue Besen kehren gut - die Alten wissen wo der Dreck liegt !

Marcel,
der eine wählt den einen und
der andere den anderen.

Sicher haben beide gute
Gründe für ihre Wahl.

Wie gesagt, ich kenne beide
Kandidaten nicht.

Und wenn ich einem das Vertrauen aussprechen
sollte, dann würde ich mir im Vorfeld ein per-
sönliches Bild von ihm machen.

Auf keinen Fall würde ich den wählen, welcher
die größeren Plakate aufstellt bzw. die
größeren Wahlversprechen macht.

Erhard wenn du die Artikel gelesen hättest wüsstest du welchen Kandidaten Frank meint! Ich hoffe die Görlitzer Bürger sind schlau genug und lassen sich nicht von großen flächendenkend über Görlitz verkleisterten Wahl Plakaten blenden sondern erkennen die hervorragende Arbeit des OBs der letzten 7 Jahre an! Meine Stimme hat er!



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