Der Sanierung der katholischen Kirche in Niesky steht – fast – nichts mehr im Wege. Nur die Sächsische Aufbaubank muss noch ihr Okay geben. Das aber, so hofft man im Nieskyer Rathaus, soll bis Ende Februar vorliegen. Nach Ostern könnte dann mit den Bauarbeiten an dem aus Holz bestehenden Gotteshaus begonnen werden.
Die Verjüngungskur der kleinen katholischen Kirche in Niesky ist überfällig. Lange Zeit war darüber diskutiert und gerungen worden, seit 2010 wurde die Sanierung schließlich vorbereitet. Ein Jahr später änderten sich die Förderbedingungen und so zählt das 1935 von der Nieskyer Traditionsfirma Christoph & Unmack errichtete Gotteshaus nun zum Sanierungsgebiet der Stadt. "Ohne Fördermittel wäre es völlig unmöglich, mit den Arbeiten zu beginnen", weiß Pfarrer Krystian Burczek um die Notwendigkeit staatlicher Hilfe.
In ihrer jüngsten Sitzung beschäftigten sich auch die Stadträte mit dem Projekt und gaben ihre Zustimmung zu einer "Modernisierungs- und Instandsetzungsvereinbarung" mit der katholischen Kirchgemeinde. Danach ist die Finanzierung des Projektes mit insgesamt rund 300.000 Euro gesichert – vorbehaltlich der Genehmigung durch die Sächsische Aufbaubank (SAB), die laut Enrico Bachmann, dem Leiter Technische Dienste im Rathaus, bis Ende Februar eintreffen soll.
Außer den öffentlichen Zuschüssen werden für die Rekonstruktion der Kirche aber auch noch andere Mittel eingesetzt. So hat das Bonifatiuswerk der deutschen Katholiken ebenso einen Zuschuss erteilt wie das bischöfliche Ordinariat in Görlitz. Die Kirchgemeinde selbst bittet ihre etwa 1.000 Mitglieder zwischen Niesky und Rothenburg, Podrosche und Neißeaue in den Gottesdiensten um Baukollekten.
Zwar zählt das Gebäude noch zu den jüngeren Kirchen der Region, steht aber trotzdem unter Denkmalschutz. Denn Experten interessiert vor allem, wie es von Christoph & Unmack errichtet wurde. "Das Unternehmen hat hier vormontierte Elemente verwendet und für die äußere Verschalung Holzbretter eingesetzt. Insgesamt kann es sicher als Prestigebau gelten, der in der damaligen Zeit einige Vorteile auf sich vereinen konnte", erläutert Burczek.
"Zum Einen war ein Holzbau deutlich preiswerter als einer aus Stein. Zum Anderen konnte man ihn viel schneller errichten. Von der Grundsteinlegung bis zur Einweihung vergingen nur vier Monate." Immer wieder kommen Studenten der Technischen Universitäten Dresden und Berlin, die den besonderen Baustil in Augenschein nehmen. Eine Studentin aus der Bundeshauptstadt hat sich sogar noch intensiver eingebracht: Maria Odintsova vom Fachgebiet Bau- und Stadtgeschichte schrieb ihre Masterarbeit über die St. Joseph Kirche.
"Bauwerksanalyse und Sanierungskonzept" hieß ihr Thema. "Darauf können wir jetzt in der Planung aufbauen. Denn hier wurden Grundlagen gelegt, auf die das Ingenieurbüro sicherlich zurückgreifen wird", erklärt der Pfarrer. In den nächsten Wochen soll konkret erarbeitet werden, was wie gemacht werden muss. Eine Woche nach Ostern will man mit den Bauarbeiten beginnen.
Im Einzelnen geht es um das undichte Dach, das bisher nur notdürftig repariert werden konnte. Bei der "Außenhaut" müssen verfaulte Bretter gewechselt und allesamt imprägniert werden.
Im Innern des Gebäudes wird die Elektrik erneuert, das Heizungssystem muss überarbeitet werden. Denn momentan ist noch nicht ganz klar, ob man weiter mit einer Öl betriebenen Umluftheizung oder aber – heute vielfach eingesetzten – Elektroheizung unter den Sitzbänken arbeiten will. Überdies wird der Altarraum umgebaut, die in den 1980er Jahren angebrachte Tapete muss überstrichen werden.
An Gottesdienste ist während der bis Oktober dauernden Bauphase nicht zu denken. Deshalb werden in den nächsten Wochen mehrere Ausweichvarianten geprüft. Eine Möglichkeit wäre ein Pavillon, den man auf dem Kirchengelände aufbauen könnte. Pfarrer Burczek bringt aber noch zwei andere Gedanken mit ins Spiel: Er könnte mit der Brüdergemeine und der Evangelischen Landeskirche reden, ob man dort übergangsweise unterkäme. Oder es gibt ein Gespräch mit der Bundeswehr, die man um den Aufbau eines großen Mannschaftszeltes bitten würde.
"Wie wir das machen, ist noch nicht entschieden. Bis zum Info-Abend am 23. März muss es aber geregelt sein." An diesem Tag soll es ab 18.30 Uhr eine Zusammenkunft mit dem Planungsbüro, der Bauabteilung des bischöflichen Ordinariats und dem Kirchenvorstand geben. Auch Maria Odintsova wird dann zugegen sein, um mit ihren im Laufe der Masterarbeit erworbenen Fachkenntnissen zu helfen.
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