Der Görlitzer Stadtrat hat auf seiner jüngsten Sitzung ein neues "Einzelhandels- und Zentrenkonzept" beschlossen. Es löst das im Dezember 2000 beschlossene Zentrenkonzept ab, das "aufgrund der zwischenzeitlich eingetretenen Änderungen in den ökonomischen und demografischen Rahmenbedingungen" überarbeitet werden musste, wie Oberbürgermeister Joachim Paulick (Zur Sache e.V.) erläutert.
"Der Gesetzgeber räumt den Kommunen die Möglichkeit ein, Regelungen für die Stabilisierung ihrer Zentren zu treffen", so Dr. Eddy Donat von dem mit der Erstellung des Konzeptes beauftragten Fachbüro CIMA mit Sitz in Leipzig: "Insbesondere betrifft dies in Görlitz die Innenstadt, die nach unseren Feststellungen gestärkt werden muss." So lägen in Görlitz nur 29 Prozent der vorhandenen Verkaufsflächen in der Innenstadt, 52 Prozent hingegen am Stadtrand.
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"Um die Görlitzer Innenstadt attraktiv und wettbewerbsfähig zu machen, bräuchten wir hier mindestens zusätzlich 20.000 Quadratmeter", so der Einzelhandelsexperte. Und dies auch angesichts der Tatsache, dass Görlitz insgesamt gesehen mit Verkaufsfläche durchaus reichlich gesegnet ist – auf einen Einwohner kommen hier 2,4 Quadratmeter (Bundesdurchschnitt: 1,5).
Deshalb hat die CIMA vorgeschlagen, einen "zentralen Versorgungsbereich Innenstadt" auszuweisen, der vom Bahnhof bis zum Obermarkt reichen soll. Verkaufsflächen für "zentrumsrelevante" Sortimente – dazu zählen unter anderem Nahrungs- und Genussmittel, Drogerieartikel, Bekleidung und Schuhe sowie Schreibwaren – sollen außerhalb dieses und der anderen ausgewiesenen Einzelhandelszentren nur in Handelseinrichtungen mit maximal 100 Quadratmetern Verkaufsfläche zulässig sein.
Einen besonderen Stärkungsbedarf sieht das Konzept für die obere Berliner Straße zwischen Salomonstraße und Bahnhof, wo der Leerstand vorherrsche und nur eine geringe Branchenvielfalt existiert. Wer jetzt allerdings erwartet hatte, dass diese Analyse in ein Plädoyer für das geplante Einkaufszentrum "B40" zwischen Berliner und Salomonstraße mündet, sah sich getäuscht. "Dieses Zentrum ist in seiner vorgesehenen Form zu groß; es würde die Besucher aus der Stadt herausziehen und als separater Magnet keine Impulse setzen", schätzt Eddy Donat ein.
Deshalb sollten für diesen Bereich "zentrumsrelevante" Sortimente ausgeschlossen werden. Das CIMA-Konzept schlägt alternativ einen kleineren Bau oder einen "Freizeit- und Spielemarkt" mit integrierten Kulturangeboten vor. Weitere zentrale Versorgungsbereiche sieht das Konzept in den Stadtteilen Rauschwalde, Königshufen und Weinhübel vor. Diese sollen insbesondere der Nahversorgung und den wohnortnahen Dienstleistungen zur Verfügung stehen.
In Weinhübel umfasst dieser Bereich eine bislang noch nicht für Handelszwecke genutzte Fläche, was zu Irritationen hinsichtlich der bereits bestehenden Einrichtungen gesorgt hatte. "Diese können trotzdem Bestand haben, sind aber als Stadtteilzentrum ungeeignet", so Eddy Donat mit Blick insbesondere auf den Weinhübeler Aldi-Markt und die in seinem Umfeld angesiedelten Einrichtungen.









