Die Wesenitz fließt jetzt durch das erste fischfreundliche Wehr in Sachsen. Die Pilotanlage wurde jüngst in Betrieb genommen. Nachdem die Turbinenschaufel eingebaut ist, soll die Fischwanderung durch die Anlage wissenschaftlich untersucht werden.
Seit vielen Jahren macht sich Bürgermeister Jens Krauße in der Gemeinde für den Einsatz erneuerbare Energien stark. Auf den Dächern gemeindlicher Immobilien wurden Fotovoltaik-Solaranlagen installiert. Windräder produzieren im Ortsteil Schmiedefeld Strom. Die Wärmeversorgung der Grundschule und des Altersheims übernimmt eine moderne Pelletheizanlage.
Klaus Petrasch stieß deshalb im Gemeinderat vor zweieinhalb Jahren auf offene Ohren, als er einen Standort für sein fischfreundliches Wehr suchte. Zuvor hatte er bereits ein Jahr am Modell getüftelt und probiert. Sein Ziel ist es, eine Wanderhilfe für Fische und andere Wassertiere zu entwickeln, die nicht nur Geld kostet, sondern deren Einsatz sich auch rentiert. Hintergrund ist die Forderung der Europäischen Union Wehre und andere Querbauwerke an Flüssen und Bächen entweder zurückzubauen oder für wandernde Fische durchgängig zu gestalten.
Ausgangspunkt waren Wasserwirbelkraftwerke, wie sie bereits in Österreich und der Schweiz zur Energieerzeugung genutzt werden. Der Schmöllner Petrasch hat die Idee weiterentwickelt und eine Möglichkeit gefunden, den Strudel mittels der Turbinenschaufeln so langsam zu machen, dass die Fische unbeschadet gegen die Strömung den Höhenunterschied am Wehr überwinden und im Oberlauf des Baches weiterschwimmen können.
An einem Modell bewies der 56-Jährige, die Wirksamkeit des Prinzips. Forellensetzlinge tummelten sich in der Anlage ohne Schaden zu nehmen und schwammen munter hinauf und herunter. Daraufhin genehmigte die sächsische Fischereibehörde den Bau der Pilotanlage.
Errichtet wurde diese im zurückliegenden halben Jahr am alten Wehr an der Scheibenmühle in Bühlau – einem Ortsteil von Großharthau. Früher nutzte man das Wehr, um mit dem angestauten Wasser eine Mühle anzutreiben. Heute steht die Anlage unter Denkmalschutz und darf deshalb nicht abgerissen werden.
Also muss eine andere Lösung her, damit die Wassertiere in der Wesenitz aufwärts schwimmen können. Innerhalb eines halben Jahres entstand neben dem alten Wehr ein neues frischfreundliches Wehr. In ein rundes Becken, Durchmesser 2,10 Meter, strömt das Wasser der Wesenitz. Darin bildet sich ein beeindruckender Strudel. Am Boden des Beckens fließt das Wasser ab und weiter durch einen kleinen Stichkanal zum ursprünglichen Bett der Wesenitz. Außerdem ist neben dem großen Becken ein 50 Zentimeter dickes Rohr eingegraben, durch das am Boden lebende Organismen wandern können.
Im Strudel wird sich bald ein Turbinenrad drehen, das schließlich einen Generator antreibt, der an einer Stahlkonstruktion über dem Becken befestigt ist. "Rund 30.000 Kilowatt-Stunden elektrischer Strom lassen sich damit im Jahr erzeugen", rechnet Klaus Petrasch vor. Genug, um 12 bis 14 Familien ein Jahr lang mit elektrischer Energie zu versorgen.
Bis es so weit ist, muss noch viel gemessen und gerechnet werden, denn der Strudel entsteht nicht genau in der Mitte des Beckens. Und vorhandene Formeln waren zu ungenau, als dass man damit hätte, die Turbine konstruieren können. Deshalb wird die Größe des Strudels nun bei verschiedenen Wasserständen vermessen, um so die Turbine berechnen zu können.
Petrasch geht davon aus, in den nächsten beiden Monaten bei Käppler und Pausch in Neukirch den passenden Rotor herstellen zu können und die komplette Anlage in Betrieb zu nehmen. Danach ist Paul Lippitsch am Zug. Der 23-jährige Student für Ökologie und Umweltschutz an der Fachhochschule Zittau wird im Rahmen seiner Diplomarbeit überprüfen, ob die Fische die Wanderhilfe tatsächlich nutzen. Da es in diesem Teil der Wesenitz nur sehr wenig Fische gibt, werden wohl für eine Test Forellen ausgesetzt, beobachtet und wieder eingefangen werden.
Fördermittel von rund 96.000 Euro hat der Freistaat Sachsen bisher in die Anlage investiert. Und auch die Gemeinde Großharthau hat Klaus Petrasch unterstützt. Die Baugenehmigung ließ nicht lange auf sich warten und als im Februar ein Hochwasser drohte, half der Bauhof die Baustelle mit Sandsäcken zu sichern.