22.12.2011
GÖRLITZ
Lustig ist das schon lange nicht mehr
FRANK-UWE MICHEL

Schmierereien "zieren" das Gelände am Jugendkulturzentrum Basta! in der Hotherstraße. Auch manche Türen und Wände von Privathäusern mussten sich diese Art der "Verschönerung" schon gefallen lassen. | privat

Lärm in der Hotherstraße, Ärger zwischen den Anwohnern und dem Jugendzentrum Basta! Der Grund: Seit 1999 kämpfen Privatpersonen, Vermieter und Geschäftsleute für ein vertretbares Miteinander, gegen die Auswirkungen der oft bis in die Morgenstunden andauernden Konzert- und Diskoveranstaltungen.

Adventszeit? Für viele Anwohner in der Hotherstraße war und ist der Dezember eine Zeit des Schreckens. Vor allem der Dezember, aber auch sonst ist die Hotherstraße kein Paradies für Leute, die die Ruhe lieben. Oder zumindest ungestört ihr Leben genießen wollen. Acht Mal wird im Dezember zu Partys und Konzerten eingeladen, wobei schon die Anfangszeiten – meist 21.00 Uhr – ein spätes, oder besser: frühmorgendliches Ende vermuten lassen. "Lustig ist das schon lange nicht mehr. Wenn die Bässe dröhnen, dann kannst du den Schlaf getrost vergessen. Da geht nichts mehr. Das geht dir so auf die Nerven, dass du am liebsten das Weite suchen würdest."

Info
Der Vorstand des Holzwurm e.V. – der Verein, der das Basta! betreibt, hat sich zur Situation in der Hotherstraße geäußert.

Seit Jahren sei in diverse Schallschutzmaßnahmen investiert worden, insgesamt in Höhe von rund 32.000 Euro, heißt es in der Antwort auf unsere Fragen. So habe man 2006 eine hochwertige  Lüftungsanlage eingebaut, um nicht mehr über die Fenster lüften zu müssen. "Diese bleiben seither während des  Veranstaltungsbetriebes geschlossen", informiert der Vorstand des Holzwurm e.V. Weiterhin seien in beiden Etagen  Schallschutzfenster und -türen eingebaut worden. Seither würden kaum noch laute Geräusche aus dem Haus auf die Straße dringen. Das Lautstärkeproblem, das sich für die Nachbarn ergibt, resultiere vielmehr aus den Geräuschen von Gästen, die vor dem Haus stehen, weil sie rauchen wollen oder nicht mehr eingelassen werden können. Deshalb habe man vor dem Gebäude  ein Schild mit der Aufschrift "Bitte Ruhe vor dem Haus" aufgestellt. "Weiterhin weisen wir die Gäste mündlich darauf hin, sich möglichst leise zu unterhalten." Zum Dritten habe man im vorigen Jahr eine überdachte und beleuchtete Raucherecke im hinteren Teil  des Grundstücks eingerichtet. "Trotz all dieser Maßnahmen wird es vor dem Haus natürlich nie gänzlich ruhig sein", ist man sich beim Holzwurm e.V. dem Lärmproblem bewusst.
Das Programm des Basta! sowie die kulturelle Arbeit allgemein orientieren sich nach Vereinsangaben "genau an unserer Satzung und umfassen verschiedene Veranstaltungsformate wie Vorträge, Konzerte, Tanzveranstaltungen, Lesungen, Workshops, Filmvorführungen und offene Plena bzw. Abende." Konzerte oder Tanzveranstaltungen seien fast die einzigen  Möglichkeiten, Eigeneinnahmen gegenüber Fördermittelgebern vorzuweisen.
Beschwerden von Anwohnern nehme der Verein "natürlich ernst". In einem erst jüngst aufgetretenen Fall habe sich herausgestellt, dass an den benannten Tagen gar keine Veranstaltungen im Basta! stattgefunden hätten und "somit die Vermutung nahe liegt, dass eine andere Lärmquelle verantwortlich war". Mittlerweile sei dies ein generelles Problem. Da es sich bei der Hotherstraße und den anliegenden Straßen um ein Mischgebiet handele, würden mehrere Quellen infrage kommen. In der Vierradenmühle habe es beispielsweise erst am 12. Dezember ein Konzert gegeben. Im Haus Hotherstraße 31 befinde sich außerdem ein Fitness- und Bewegungsraum, der regelmäßig für Privatpartys genutzt werde. Außerdem wolle man zu bedenken geben, dass "nur wenige Meter weiter das Studentenwohnheim zu finden ist sowie der Studentenclub Maus, der  häufig Beschwerden wegen zu großer Lautstärke bekommt."

Zerstörungen und Schmierereien hat es nach Wissen des Holzwurm-Vorstandes in den vergangenen sechs Jahren jeweils eine gegeben. Beide seien "selbstverständlich nicht durch unsere Vereinsmitglieder verschuldet" worden.  "Weil sich binnen sechs Jahren zwei Gäste gravierend falsch verhalten haben, sehen wir uns nicht veranlasst, das gesamte Veranstaltungskonzept zu ändern."
Ausschlaggebend für die Platzwahl des Basta! sei die Stadt gewesen, die dem Holzwurm e.V. das Haus zur Verfügung gestellt habe. Seit nunmehr 17 Jahren betreibe man das Objekt komplett ehrenamtlich und habe viel Arbeit, Kraft, Zeit und Engagement hinein gesteckt. "Deshalb sind wir nicht bereit, aufgrund von Anwohnerbeschwerden alles aufzugeben." Sämtliche Nachbarn seien in den Jahren danach eingezogen. "Jeder,  der sich für eine Wohnlage entscheidet, sollte sich vorab erkundigen, wie es um die Nachbarschaft bestellt ist."

Nicht nur dieser Anwohner ist vom Lärm der Veranstaltungen im Basta! genervt. Ein anderer hat schon überlegt, hier wegzuziehen. "Es wird ja nicht besser. Zwar hat es immer wieder mal Entschuldigungen gegeben und Beteuerungen der Veranstalter, künftig besser Rücksicht zu nehmen. Doch die Lage ist weiterhin katastrophal." Allein für den Heiligen Abend ist eine "Weihnachtsfeier" angekündigt. Mit einem DJ aus Dresden, der Funk and Soul auflegen will – vielleicht noch erträglich. Der Erste Feiertag allerdings droht richtig laut zu werden: Metal. Vier acts hat man dazu laut Programmzettel verpflichtet. "Weihnachten bin ich weg", sagt einer der Hausbesitzer. "Wenigstens an den Feiertagen will ich meine Ruhe haben." Seinen Namen nennt er nicht. Auch die anderen bleiben lieber anonym. Der Sicherheit wegen. Denn die meisten Anwohner haben viel investiert, aus Ruinen wieder stattliche Häuser gemacht. Da sind Graffitis, zerschlagene Fenster, zerstörte Briefkästen, Müll, Erbrochenes und Uriniertes nicht nur ärgerlich. Die Schadensbeseitigung kostet auch Zeit und Geld.

Für die meisten ist die Schmerzgrenze längst erreicht, bei einigen war sie offenbar überschritten. "Es gab schon Leute, die sind wieder weg. Die hat zwar das historische Ambiente gereizt, die Folgen der Partynächte aber nicht." Genauestens haben die Anwohner Buch geführt. Nur ein kleiner Ausschnitt vom

Ein Anblick, der in der Hotherstraße nach Basta!-Partys keine Seltenheit ist: Erbrochenes vor einer Haustür. | privat

Jahresanfang 2011: "1. Januar – keine angekündigte Veranstaltung, bis 24.00 Uhr war es ruhig. Ab Mitternacht bis 7.47 Uhr Ruhestörung durch Hämmern der Bässe. 9. Januar – ab 1.30 bis 5.35 Uhr Ruhestörung durch Hämmern der Bässe, 2.00 Uhr Anruf bei der Polizei. In der Folge wird die Lautstärke für 30 Minuten reduziert, dann geht es munter weiter. Gegen 5.35 Uhr kehrt langsam Ruhe ein."

Seitdem hat die Konzert- und Partyintensität im Basta! keineswegs nachgelassen. Im Gegenteil: "Am 7. Dezember spielte eine Live-Band. Deathmetal und Metalmosh stand im Programm. Im Haus direkt neben dem Basta! schepperte das Ofenrohr, obwohl das Mauerwerk der beiden Gebäude nicht miteinander verbunden ist. Da wird klar, welche Lautstärke geherrscht haben muss", schimpft einer der Anwohner. Ein anderer hat sich extra ein professionelles Schallschutzmessgerät zugelegt. Und kann den Krach damit dokumentieren. "Bei Veranstaltungen liegen die Werte zwischen 76 und 82 dB, teilweise sogar bei 86 dB. Fachleute haben mir gesagt, dass der zulässige Maximalwert bis 22.00 Uhr bei 60 dB liegt, danach sind nur noch 45 dB erlaubt."

Eingaben, Beschwerden, Anzeigen bei Ordnungsamt und Unterer Bauaufsichtsbehörde haben bisher nichts gebracht. Für die Polizei ist das Basta! laut Pressesprecher Uwe Horbaschk "kein Schwerpunkt". Trotzdem: "So kann es nicht weitergehen. Es gibt hier keine Lebensqualität, solange diese lärmintensiven Konzert- und Diskoveranstaltungen nicht untersagt werden", lautet die einhellige Meinung der Hausbesitzer, Mieter und Geschäftsinhaber in der Hotherstraße. Überdies sei die Infrastruktur für derartige Großveranstaltungen überhaupt nicht ausgelegt.

Am Mittwoch gab es dazu einen von den Anwohnern geforderten Termin mit dem Oberbürgermeister, Vertretern der zuständigen städtischen Ämter und der Polizei. "Wir setzen darauf, dass sich die Zustände zum Positiven ändern werden", hoffte man im Vorfeld der Zusammenkunft.

Mehr zum Thema in Alles-Lausitz.de

Kommentare zu

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

Der Anita schließe ich mich
uneingeschränkt an!

PS:
@ Frank!
Lügner und Betrüger haben dir offensichtlich mit-
geteilt, dass ich in Kamenz wohne. Du solltest
diesen Lügnern und Betrügern
nicht alles glauben.

Ich wohne in der wunderschönen
>Pfefferkuchen-Stadt Pulsnitz

Warum sucht Ihr nicht gemeinsam nach einer Lösung (wie z.B. einem angemessenen Schallschutz), anstatt aufeinander loszugehen, und damit meine ich beide Seiten. Beide Seiten verstehe ich; nächtlicher Lärm, insbesondere jener der Bässe, kann zermürbend sein, ebenso zermürbend ist es aber auch für Jugendliche, in einer "toten" Randstadt zu leben.
Kommunikation ist doch besser als Kleingeisterei via Lokalblättchen, nicht? (Schimpftiraden auf den Autor sind aber ebenso bekloppt!)
Seit mal nicht so feige, sondern setzt Euch zusammen!
Schade um´s Basta wäre es! Um die Lebensqualität im Wohngebiet aber auch...

Anita

@frank:

was für eine milchmädchenrechnung! oh mann muss dein leben kacke sein!

herzlichen glückwunsch frank!
du hast dich geoutet als absoluter nichtbescheidwisser. das basta ist ein ehrenamtliches haus, welches einzig der freien entfaltung der jugendkultur dient und keinerlei profit erwirtschaftet an dem sich ein einzelner bereichert. es ist keine disco, sondern der einzige ort in görlitz, wo jugendliche frei und ohne fremde hilfe (die sie in dieser stadt eh niemals bekommt) selbständig was geschaffen und aufgebaut haben!
du hast davon offensichtlich keine ahnung und dir ist es auch egal. du willst gar nicht irgendwas wissen, sondern nur bissl den knüppel schwingen, wahrscheinlich, weil dein leben sonst ziemlich lame ist, also lass du lieber deine einschätzungen! lächerlich!
und ich habe im übrigen kinder und ja ich möchte, dass sie zu einem ort wie dem basta zugang bekommen auch in zukunft noch, bevor solche hobbyrentner wie du, deren schließung erwirkt haben. so wie ich dein geschreibsel hier entziffer, hast du selber keine kkinder und auch sowieso nicht allzu viel ahnung von ihren bedürfnissen und eigenarten. du bist intolerant und vertrittst lediglich deine einzelinteressen. kein wunder, dass du von dir auf andere zu schließen versuchst. aber das basta ist kein einzelinteresse, sondern eine kulturelle bereicherung für ALLE jugendlichen die in dieser stadt wohnen. und wenn du so sehr auf die kacke hier hauen willst, dann komm doch mal vorbei im basta und sei der große starke hengst, den du hier spielst und sag es allen ins gesicht! falls dir das nicht zu blöde ist!
solange gilt: niemand von uns kennt dich - also bist du für uns ein niemand! und dass du ein anwohner bist, wage ich stark zu bezweifeln! wichtigtuer mehr nicht!

RE: Philipp,

wenn Sie Ihre Kinder in gerne der Umgebung aufwachsen lassen möchten, Alles Gute!

Ausser den Rentnern gibt es aber auch noch Anwohner wie mich, welche Samstag und Sonntags um 4 Uhr zum Dienst müssen und die Nacht vor Dienstantritt nicht schlafen können, die Besoffskis und das BASTA, welches von den Einnahmen der Randalierer profitiert schert das aber nicht, jemehr Krawall und Flecken vor den Türen, umso höher die Einnahmen des BASTA. Von dem Gästeklientel geht ja auch kaum einer arbeiten.
In Hoffnung auf baldige Schließung "Gesundes Neus Jahr" an alle.

PS:
@Erhard Jakob

Bestimmt können Sie das nicht aus Kamenz heraus ganz genau einschätzen was da abgeht, aber reinhängen!



 Seite 1 von 16
weiter >
  >>


Anzeige
Azubi WANTED

Wetter

Für die Wettervorschau benötigen Sie den freien Adoble Flash Player, den Sie hier laden können.

Meistgeklickt


Ein Volkskaufhaus für die Neißestadt
"Wunderschön", meint eine Frau hingerissen und versucht, einen Eindruck davon mit ihrer Digitalkamera festzuhalten. Die Umstehenden nicken. Eine... mehr

Tödlicher Verkehrsunfall - Lkw fährt auf Stauende auf
Zu einem folgenschweren Zwischenfall kam es am vergangenen Samstag. In den Morgenstunden geriet ein Lkw im Tunnel Königshainer Berge in Brand... mehr

Kiteschirm sorgt für Stromausfall
Ein herrenloser Kiteschirm sorgte am frühen Mittwochnachmittag für einen Stromausfall in den meisten Stadtteilen von Görlitz. So waren zum Beispiel... mehr

Kinder suchen Ihre Sportart
Lions Club  Bautzen-Lusatia sammelt Spenden für den MSV  Auch auf dem diesjährigen 1011. Bautzener Frühling werden die Mitglieder des Lions Club... mehr

Abenteuer Neiße nimmt Gestalt an
Das Projekt "Abenteuer Neiße" nimmt zunehmend Gestalt an. In Radmeritz (Radomierzyce) bei Hagenwerder ist jetzt nicht nur ein Radweg auf der... mehr

Einkaufscenter für die Oberlausitz?
mit 9 Kommentaren

In der "Umfrage der Woche" wollen wir wissen, wie Sie über aktuelle Themen denken. In der vergangenen Woche wollten wir von Ihnen wissen... mehr

Lauencenter-Aus: Fluch oder Segen für die Region?
mit 7 Kommentaren

Das ist ein Hammer! Den Bau des circa 10.000 Quadratmeter Verkaufsfläche umfassenden Lauencenters in Bautzen wird es nicht geben. Investor Erik... mehr

Staustufen in Neiße, Parkplatz auf Markt
mit 5 Kommentaren

Bis 2025 sollen wieder 60.000 Görlitzer in der Stadt leben. Das zumindest ist die Vision, die die Macher eines Stadtentwicklungskonzepts bei der... mehr

Jenix mit Konzert in der "Maus"
mit 1 Kommentar

Am Mittwoch, 22. Mai, 22.00 Uhr, spielt die Zittauer Band Jenix im Görlitzer Studentenclub Maus. Die Band aus dem Dreiländereck steht seit zehn Jahren... mehr

Testtour im Regen: OB Erler schnellster Radler
mit 1 Kommentar

Fahrräder kann man seit dieser Woche im Tierpark Bischofswerda leihen. Die Stadt will so ihre Attraktivität für Touristen steigern und ihrem Namen als... mehr


Anzeige
Neue Kommentare
um 22:11 von Bernd Diedler in
Promillegrenze für Radler senken?




um 20:39 von Sim in
Essen wie ein Tier
Webcam Görlitz

Polizeimeldungen

Rietschen, OT Neuliebel:
Verkehrsunfall mit hohem Sachschaden
Ein Verkehrsunfall bei Neuliebel hat Donnerstagabend mit etwa 30.000 Euro Sachschaden geendet. Er hätte noch viel schlimmer ausgehen können. Ein 47

Niesky:
Wilde Sau bei der Polizei
Seltsame Geräusche auf dem Hof der Dienststelle haben am frühen Freitagmorgen die Polizisten des Nieskyer Standortes hellhörig werden lassen. Schnell

Görlitz, OT Schlauroth:
Verkehrsunfall mit schwerverletztem Kradfahrer
Ein schwerer Verkehrsunfall hat sich Donnerstagnachmittag in Schlauroth ereignet. Ein Reisebus befuhr die Dorfstraße aus Richtung Pfaffendorf in

Wilthen:
Nachsitzen für 33-Jährigen: Grundschuleinbrecher auf frischer Tat gestellt
Ein 33-Jähriger wird einen "Besuch" in der Wilthener Grundschule sicher nicht in guter Erinnerung behalten. Er war am späten Donnerstagabend dort

Görlitz, OT Hagenwerder, Radweg an der B 99:
Herrenloser Kiteschirm löste Polizeieinsatz aus
Ein ordentlicher Schreck dürfte einer 27-Jährigen wohl in die Glieder gefahren sein, als sie am frühen Mittwochnachmittag einen vermeintlichen


Anzeige

Beilagen

Web 2.0
Folge uns bei