29.06.2012
GÖRLITZ
Weiteres Gotteshaus soll saniert werden
UWE MENSCHNER

Die Görlitzer Lutherkirche gehört einer eher ungewöhnlichen Bauform an. | Uwe Menschner

Die Görlitzer Gotteshäuser werden reihum saniert: Kaum sind die Arbeiten an der Frauenkirche in der Innenstadt beendet steht die Lutherkirche im Gründerzeitviertel im Blickpunkt der Bemühungen.

"Diese Kirche ist etwas ganz besonderes", erklärt Oberkonsistorialrätin Margrit Kempgen von der Kirchlichen Stiftung evangelisches Schlesien. Gotteshäuser in dieser speziellen Bauform als "Zentralbau" – ähnlich einer orthodoxen Basilika mit dem Turm in der Mitte eines kreuzförmigen Schiffes – wurden im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts vor allem in Berlin und in größeren Städten des Ruhrgebietes errichtet. Die Einweihung der Görlitzer Lutherkirche erfolgte im Jahre 1901. "Die meisten dieser Kirchen hat man später dem Zeitgeist entsprechend umgestaltet; die Görlitzer Lutherkirche jedoch besteht noch in ihrer ursprünglichen Einheit von innerer und äußerer Gestaltung", weiß die Oberkonsistorialrätin.
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Doch auch dies bewahrt die Kirche im Görlitzer Gründerzeitviertel nicht vor dem Zahn der Zeit. Margrit Kempgen kann viele Stellen zeigen, an denen dieser bereits kräftig genagt hat und ständig weiter nagt. "Der Baukörper der Kirche besteht aus einer harten äußeren und einer weicheren inneren Schale", erklärt sie. Durch Fugen in der äußeren Schale dringt Wasser in die innere Hülle, wo es sich relativ rasch ausbreiten und in den Innenraum gelangen kann. Die verheerenden Folgen zeigen sich an vielen Stellen: Innen durch Auswaschungen an den Wandbildern, die sich immer schneller ausbreiten. An der Außenhülle platzen ständig Ziegelteile ab, losgelöst durch die im Mauerwerk wurzelnden Pflanzen oder (im Winter) durch den Frost. "Fast jeden Tag findet man am Fuße der Kirche neue Fragmente", so Margrit Kempgen. "Man dürfte hier eigentlich gar niemanden mehr herlassen." Als weiteres Schadbild kommen durch Salzauswaschungen verursachte großflächige weiße Flecken hinzu.

Fast täglich fallen sie - die Ziegel von der Außenfassade der Lutherkirche. Margrit Kempgen präsentiert hier ein typisches Exemplar. | Uwe Menschner

Höchste Zeit also, dass etwas passiert – doch die Gesamtsumme der erforderlichen Maßnahmen liegt bei circa Drei Millionen Euro. Zuviel für eine kleine Kirchgemeinde – und auch Fördermittel in dieser Größenordnung gibt es kaum noch. "Also mussten wir sehen, wie wir in kleineren Schritten voran kommen und erst einmal das Notwendigste machen", so Margrit Kempgen. Gemeinsam mit dem Bundestagsabgeordneten Michael Kretschmer und seinem Landtagskollegen Volker Bandmann (beide CDU) fand man schließlich ein Förderprogramm für Denkmalschutzsanierungen, das für die Lutherkirche in Frage kommt.

Mittlerweile wurden daraus tatsächlich 170.000 Euro zugesagt, der Freistaat Sachsen kofinanziert mit 220.000 Euro. Der Eigenanteil des Bauherren liegt bei gerade einmal 5.000 Euro - "ein sehr günstiges Verhältnis", wie sich die Oberkonsistorialrätin freut. Mit diesem Geld sollen jetzt sechs der acht Strebepfeiler (mit den anderen beiden geschah dies bereits in der Vergangenheit) sowie der Westeingang saniert werden. "Dies wäre ein richtig großer Brocken und selbst dann sinnvoll, wenn wir die Sanierung an diesem Punkt beenden müssten", so Margrit Kempgen.

Wie es nämlich nach diesem ersten Teilabschnitt mit der weiteren Förderung aussieht, steht derzeit noch völlig in den Sternen.  
Uwe Menschner


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