09.07.2012
LANDKREIS GÖRLITZ
Millionenschäden durch Sturm und Regen
FRANK-UWE MICHEL

Reißende Fluten auch in Kunnersdorf. Nur kurz nach Beginn des Unwetters schoss schon das Wasser durch den Ort.
Reißende Fluten auch in Kunnersdorf. Nur kurz nach Beginn des Unwetters schoss schon das Wasser durch den Ort.. | Foto: Privat
Unwetter haben Ostsachsen, vor allem aber den Landkreis Görlitz, derzeit fest im Griff. Nicht nur dass in schöner Regelmäßigkeit in den Abend- und Nachtstunden Gewitter im Anmarsch sind. Die zugehörigen Regenfälle sind sehr ergiebig und haben große Flächen unter Wasser gesetzt. In Einzelfällen waren sogar Evakuierungen nötig.

Regenfälle haben zurzeit etwas besonders Bedrohliches. Denn zumeist kommen sie im Einklang mit grauen Gewitterfronten daher und laden beträchtliche Wassermassen, teilweise auch Hagelschauer, über der Region ab. Nichts da von beschaulichem Landregen wie in vergangenen Zeiten. Am vergangenen Wochenende wurde besonders der Landkreis Görlitz heimgesucht.

Land unter in Jänkendorf. Der Schöps hat den Ort zu einer riesigen Seenlandschaft werden lassen. Viele Wohnungen wurden unter Wasser gesetzt. | Foto: Wolfgang Müller

Während der Süden um Zittau fast verschont blieb von negativen Auswirkungen, schlug das Unwetter weiter nördlich und östlich erbarmungslos zu. Samstagvormittag riefen die Verantwortlichen im Landkreis Katastrophenalarm aus, weil in den Stunden zuvor bis zu 120 Liter pro Quadratmeter Regen nieder gegangen waren. Besonders betroffen waren die Gemeinden entlang des Schwarzen und des Weißen Schöps. Vielerorts lief Wasser in die Häuser, wurden Keller überflutet, mussten Autos vor dem heranfließenden Wasser gerettet werden.
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Auf der A4 war zweitweise die Auf- und Abfahrt Nieder Seifersdorf gesperrt, in Rothenburg drückte der Regen so stark gegen Fenster von Gebäuden in der Südstraße, dass es zu Tapeten- und Möbelschäden kam. Im Stausee Quitzdorf drohte das Wasser überzulaufen, wodurch es vor allem in den Orten am Unterlauf – in See, Mücka, Kreba und Boxberg – kritisch wurde. Samstagabend ließ man deshalb kontrolliert Wasser ab.

In Horka musste der bisher nur provisorisch errichtete Hochwasserschutzdamm stabilisiert werden, in Kemnitz drohte das Regenrückhaltebecken durchzuweichen. Unterdessen gingen beim Katastrophenstab des Landkreises verstärkt Anfragen nach Sandsäcken ein, die zu tausenden ausgeliefert und an den Einsatzorten befüllt wurden.

War all dies mit materiellen Schäden verbunden, kamen durch die Unwetter in der Region allerdings auch zwei Menschen zu Schaden. Am Freitagabend forderte die Schlechtwetterfront bei Laußnitz in der Nähe von Kamenz ihr erstes Todesopfer. Ein Autofahrer hatte sein Fahrzeug wegen des starken Regens gestoppt und wollte auf der B 97 auf das Abziehen von Regen, Blitz und Donner warten. Allerdings entwurzelte der Sturm einen im Durchmesser zwei Meter starken Baum, der dann auf das Auto krachte.
Besonders betroffen vom Hochwasser waren die Gemeinden entlang des Schwarzen und Weißen Schöps. | Foto: Privat

Am Samstagnachmittag erwischte es in Neusalza-Spremberg einen 64 Jahre alten Mann, der sich während des Gewitters unter ein Carport geflüchtet hatte. Ein in der Nähe einschlagender Blitz wurde über dessen Blechdach abgeleitet und verletzte den Mann tödlich.

Der Görlitzer Landrat Bernd Lange geht unterdessen von Schäden in zweistelliger Millionenhöhe aus. Gleichzeitig kritisierte er den Ausbau des Mobiltelefonnetzes, da manche Helfer in der Not gar nicht erreichbar gewesen seien. Schließlich regte der Landrat an, über weitere Regenwasserrückhaltebecken nachzudenken und forderte die Installation von Pegelmesspunkten an den hochwassergefährdeten Flüssen. Gleich am Montag wurden die nach dem Hochwasser 2010 erarbeiteten Schadenslisten an die betroffenen Kommunen verschickt, die nun bis zum Wochenende Zeit haben, ihre Schäden an kommunalen Einrichtungen, an der Infrastruktur, privaten Gebäude und der Landwirtschaft aufzuführen.

Wie die Bauern der Region von dem Unwetter betroffen sind, ließ sich Anfang der Woche noch nicht recht abschätzen. Ekkehard Knoenagel, Leiter der Außenstelle Löbau des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie: "Ich halte nichts davon, eine Katastrophe herbeizureden, ehe sie tatsächlich festgestellt worden ist." Die Datenlage sei noch zu dünn, um Schadenshöhen mitzuteilen. Nach bisherigen Erkenntnissen habe das Unwetter vor allem Grünlandbereiche unter Wasser gesetzt. Aber auch einige Getreideschläge seien beschädigt worden. "Insgesamt bin ich aber erstaunt, wie gut sich das Getreide noch auf den Halmen hält", so Knoenagel.

Was aber nichts zu bedeuten haben muss. Denn um es weiter für die menschliche Verwertung einsetzen zu können, darf es nicht überschwemmt worden sein. Eventuell im Wasser enthaltene Schadstoffe würden die Ähren sonst möglicherweise in Mitleidenschaft ziehen. Sollte das Wasser nicht so weit gestiegen sein, würde sich "nur" die Strohqualität verringern.

Für die Landwirte tragisch ist allerdings, dass bis auf wenige abgeerntete Flächen mit Wintergerste fast der gesamte Getreidebestand noch auf den Feldern steht. Und wann die Bauern ihre schweren Mähdrescher dorthin schicken können, ist nach den ergiebigen Regenfällen der letzten Tage ziemlich ungewiss.

Kommentare zu

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

Lars,
welche Bürgermeisterin?

In Bischofswerda gibt es
keine Bürgermeisterin.

Mit dem Wegziehen ist
das so eine Sache.

Heute las ich in der Zeitung, dass wir in Kürze
auf der Erde 11 Milliarden Menschen
sein werden.

Man könnte aber auch sagen,das alles falsch gebaut und baulich falsch plaziert wurde."Millionenschaden" kann es ja nur dort geben,wo etwas fest investiert,aber falsch plaziert wurde.Denn wo nichts finanziell wertvolles,was man versichern kann,dort kann es auch keinen versicherungsrelevanten Schaden geben.Bedeutet langfristig,das sämtliche vom Hochwasser betroffenen Gebäude und Wohngegenden entlang der vom Hochwasser betroffenen Flüsse geräumt und aufgegeben werden müssen.Denn irgendwann zahlt ja auch gar keine Versicherung mehr für entstandenen Schaden durch Hochwasser,da es ein viel zu hohes Haftungsrisiko gibt,das mit den Beiträgen der Einnahmen nicht zu decken ist.
Klingt nicht gut,ist aber zwangsläufig die logischste Konsequenz.Wahrscheinlich hat es früher,als die Städte und Gemeinden an den Flüssen und Bächen entstanden,solche Hochwasser gar nicht gegeben.Die Hochwasser oder das jetzige Hochwasser ist wohl Ergebniss des sich abzeichnenden Klimawandels.Also die Konsequenz aus den bisherigen Hochwasserschäden bedeutet letztendlich die Aufgabe der betroffenen Ortschaften oder Städte.Denn das Wasser sucht sich seinen Weg.Wer will langfristig auf einer schwimmenden Stadt z.B. mitten in der Neiße wohnen ? kKeine Versicherung zahlt dafür und ungesund ist es auch.Besser wäre es für die betroffenen Menschen,sich ein neues Zuhause zu suchen anseits der sie und ihr Hab und Gut gefährdenden Flussläufe und Wasserströme.Dann könnte man dort auch statt Städten und Dörfern lieber große Wasserkraftwerke errichten.Hier ist die Politik gefordert und muß Lösungen anbieten,also Entschädigungen und neue Wohnquartiere in anderen Städten oder Regionen für die betroffenen Personen.Anders gibt es langfristig keine vernünftige und zufriedenstellende Lösung.Vielleicht nach Bischofswerda ? Hier ist genug Platz,Wohnraum,Grün,Ruhe,Geschäfte und kein Hochwasser zu erwarten.Die Stadt steht auf einem Hügel.Die Bürgermeisterin freut sich jedenfalls über jeden Neuzuzug.


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