Am Montag hat Siegfried Deinege im Sessel des Görlitzer Oberbürgermeisters Platz genommen. Ein Treffen mit seinem Vorgänger Joachim Paulick gab es nicht. Erste Amtshandlung im neuen Job: "Ich habe erstmal gründlich durchgelüftet", so Deinege, um dann vor der versammelten Lokalpresse sein neues Beraterteam vorzustellen.
Als persönliche Referentin steht künftig Claudia Goltz an Deineges Seite. Die junge Frau kommt aus dem Büro des Bundestagsabgeordneten Michael Kretschmer, für den sie mehrere Jahre als wissenschaftliche Mitarbeiterin und Referentin tätig war und sich in dieser Funktion ein breites Netzwerk an Kontakten schuf. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Germanistin soll für Deinege die Fäden in der "Außenpolitik" des Rathauses knüpfen. Für "Inneres" ist ihr Pendant Ronny Blümke zuständig, der als Büroleiter die Termine des neuen Oberbürgermeisters koordinieren wird, sich aber gleichzeitig um die interne sowie externe Kommunikation bemühen soll. In den vergangenen zehn Jahren hat sich Blümke um die städtischen Beteiligungen an verschiedenen Gesellschaften gekümmert und in dieser Funktion viel Erfahrung in der Verwaltung gesammelt. "Das war mir bei der Auswahl besonders wichtig: Ich brauchte jemanden, der sich im Rathaus auskennt und mit mir zusammen strukturelle Veränderungen voran bringen kann", erläutert Deinege eines seiner Kriterien für den Büroleiter-Job. Es sei sehr wichtig, im Vorzimmer des OBs einen kompetenten Fachmann zu wissen, der Ansprechpartner sowohl für Mitarbeiter als auch die Öffentlichkeit ist. Zudem sei die Stelle des Pressereferenten ausgeschrieben worden. Man hoffe, sie schon in Kürze neu besetzen zu können.
Seine erste Handlung im neuen Amt beschreibt Siegfried Deinege so: "Ich habe erstmal gründlich durchgelüftet." Eine Übergabe durch seinen Vorgänger Joachim Paulick sei trotz Nachfrage nicht zustande gekommen. Am Montagnachmittag traf sich der neue Rathauschef mit Bürgermeister Dr. Michael Wieler und den Amtsleitern, um sich über die Art der künftigen Zusammenarbeit auszutauschen. "Mir liegt sehr viel daran, schnellstmöglich jedes Amt und deren Mitarbeiter kennenzulernen", so Deinege, der von den Beschäftigten in der Stadtverwaltung ein hohes Maß an Eigenverantwortung, aber auch Offenheit und Kundenorientierung verlangt. "Ich habe hier bis jetzt nur lächelnde Menschen gesehen. Natürlich weiß ich, dass die Erwartungshaltung an mich riesengroß ist. Dem zu entsprechen wird nicht einfach werden. Aber ich spüre eine Aufbruchstimmung, der ich mich gern stelle." Der OB selbst möchte Spaß haben in seinem neuen Job und will dieses Gefühl auch seinen Mitarbeitern vermitteln.
Als wichtigste Aufgabe in einer Reihe von "A-Themen", wie er sie bezeichnet, sieht Deinege die Umstellung des Haushaltes auf die doppelte Buchführung – auch als Doppik bezeichnet. Damit meinen Fachleute die Einführung des neuen Kommunalen Haushalts- und Rechnungswesens. Was in anderen Städten wie zum Beispiel Niesky schon gelaufen ist, soll nun auch in Görlitz angepackt werden. Zu weiteren "A-Themen" hat Deinege die Stadthalle, den Berzdorfer See und den Handel in der oberen Berliner Straße erklärt. Zur Chefsache macht er außerdem den Bereich Schule/Jugend/Soziales, der in der neuen Verwaltungsstruktur direkt ihm zugeordnet werden soll. "Wir werden ausloten, wo es Risiken gibt, wo unsere Potenziale liegen und wie wir das Gesamtproblem lösen können."
Insgesamt möchte der neue Mann auf dem Chefsessel im Rathaus das Image von Görlitz aufpolieren. "Mir geht es darum, viele notwendige Kontakte zu knüpfen – sowohl zum Landkreis, zum Land, als auch zu Bund und EU. Ich möchte das Erfolgsstreben wieder mehr in den Vordergrund stellen und mich für eine familienfreundliche Stadt der Generationen einsetzen."
Seine erste Stadtratssitzung wird Deinege übrigens am 6. September leiten. Zuvor soll es die offizielle Amtseinführung geben, für die derzeit noch ein passender Termin gesucht wird.
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