18.08.2012
KAMENZ
Prächtige Hirsche am Flugplatz beobachten?
KATRIN KUNIPATZ

Niedlich ist dieses kleine Damwildkalb. Es ist erst einige Wochen alt. Insgesamt leben rund 100 Tiere – Dam- und Rotwild – im Wildgehege am Flugplatz Kamenz. | Foto: Katrin Kunipatz

Rot- und Damwild auf einem Verkehrslandeplatz – für Geschäftsführer Arnold Bock noch vor Jahren undenkbar. Heute unterstützt er Jörg Mietz bei der Entwicklung eines neuen Projektes.

Ein gewaltiger Hirsch mit beeindruckendem Geweih schaut zuerst nach den Besuchern im Wildgehege. Bobbel nennt Jörg Mietz den 16-Ender liebevoll. Den Namen erhielt der Hirsch, wie einige andere Tiere im Gehege von den Kindern. So hört eine fast zwanzigjährige Rotwilddame auf den Namen Sonne. "Meine Tochter hat sie so zahm gemacht, dass sie sogar aus der Hand frist", erzählt der 47-Jährige.
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Als er weiterfährt, macht es sich der Hirsch am Tor gemütlich. Hier gibt es für ihn immer wieder Leckerbissen, die Spaziergänger zwischen Kamenz und Zschornau für Rot- und Damwild mitbringen. "Gerade Eltern oder Großeltern mit Kindern kommen oft hierher", sagt Mietz. Er ist Jäger, Büchsenmacher und Jagdausstatter und seit fünf Jahren Pächter auf dem Kamenzer Flugplatz. Auf einer Fläche von rund 16 Hektar leben seitdem rund 100 Tiere – schwarzes und naturfarbenes Damwild sowie Rotwild. "Die Tiere werden an andere Züchter in Deutschland verkauft oder selbst vermarktet", erklärt Jörg Mietz.

Noch immer freut er sich über das ideale Gelände, auf dem er sein Wildgehege einrichten konnte, und dankt OB Roland Dantz und der damaligen Landrätin Petra Kockert, die sein Vorhaben damals zügig genehmigten. Die sogenannte "Stellung" diente Jahrzehnte der Offiziersausbildung an Radar- und Raketenanlagen, berichtet Arnold Bock. Er ist Geschäftsführer der Flugplatz Kamenz GmbH und leidenschaftlicher Flieger.

Nach der Munitionsbergung Anfang der 90er Jahre blieben Wälle und Bunkeranlagen sich selbst überlassen. Das Resultat ist für die Wildtiere ideal. Es gibt Schatten spendende Bäume und Kuhlen, in denen sich Wasser sammelt. Überall bedeckt Gras – die Hauptnahrung von Rot- und Damwild – den zum Teil hügligen Boden. Zusätzliches Wasser holt Jörg Mietz aus einem Brunnen, der sich ebenfalls mitten im Gehege befindet. Ein Zaun umgibt das Wildgehege. Dies ist ganz besonders für die Piloten wichtig, betont Arnold Bock. Seine große Sorge, dass Wildtiere der umliegenden Wälder zum neuen Wildgehege laufen würden, ist dagegen nicht eingetreten.

Dafür begrüßt er die neue Idee von Jörg Mietz, das Wildgehege für Besucher zu öffnen und einen erhöhten Beobachtungsstand zu errichten. Diese Traverse könnte an dem der ehemaligen Polizeischule zugewandten Teil des Wildgeheges entstehen. "Hier gibt es Parkplätze und von hier könnte auch die Fahrt durchs Wildgehege starten", berichtet Jörg Mietz von seinen Vorstellungen. Auch kann er sich einen Tag der offenen Tür – vielleicht zum Kindertag – vorstellen.

Unterstützt vom Kreisjagdverband würde es möglich sein, Kindern Interessantes über Natur, Wald und Wild zu vermitteln. Hundeführer und Falkner würden genauso dabei sein wie ein Büchsenmacher, der über Fundmunition spricht. Auf Barfußwegen ließen sich verschiedene Oberflächen erlaufen. Hühner, Gänse und Imker mit Bienen würden das Angebot ergänzen. An Präparaten könnten beispielhaft die verschiedenen heimischen Wildtiere gezeigt werden. Ein Problem sei es nämlich, dass es vielen schwerfällt, die verschiedenen Wildarten auseinanderzuhalten, so Mietz.

Einen konkreten Zeitplan hat er noch nicht entwickelt. Schließlich hängt die Umsetzung von der Zustimmung der Eigentümer des Verkehrslandeplatzes – der Stadt Kamenz und dem Landkreis Bautzen ab. Übereinstimmend teilen diese mit, dass von diesen Pläne bisher noch nichts bekannt sei und entsprechend in Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung der Flugplatz Kamenz GmbH noch nicht behandelt werden konnte. Stadt und Landkreis sehen die Verpachtung der für den Flugbetrieb nicht notwendigen Flächen für den Betrieb eines Wildgeheges als Zwischennutzung an. "Sie sollen für eine künftige hochwertige Nutzung nicht verbaut werden", heißt es auf Nachfrage des Oberlausitzer Kuriers. Stadt und Landkreis sehen hier Potenzial für eine wirtschaftliche Entwicklung des Gebietes. Die endgültige Entscheidung dazu liegt bei der Stadt Kamenz, die Mehrheitsgesellschaft und Planungsgewaltiger in Fragen des Flugplatzes Kamenz ist.


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