17.02.2012
GÖRLITZ
Bei zehn Grad wird am neuen Landratsamt rangeklotzt
UWE MENSCHNER

Auf einem Teil des alten Packhofes entstand ein neues Dachgeschoss, das Bauamtsleiter Dieter Peschel hier präsentiert. | Uwe Menschner

Das neue Landratsamt nimmt Gestalt an. Gegenwärtig wird mit Hochdruck am Innenausbau gearbeitet. Aber auch von außen kann man den Baufortschritt schon deutlich erkennen.

Schnee bedeckt das Dach des alten Packhofes an der Görlitzer Bahnhofstraße. Fast könnte man meinen, dass das Gebäude in Winterstarre liegt. Doch weit gefehlt: Im Inneren herrscht rege Betriebsamkeit. Zahlreiche Handwerker sind mit dem Innenausbau des Gebäudes, das einmal zum Komplex des Landratsamtes gehören soll, beschäftigt. Schließlich wollen Landrat Bernd Lange und 300 Mitarbeiter der Kreisverwaltung im März 2013 ihre neuen Büros beziehen.
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Wohlige Wärme schlägt dem von draußen kommenden Besucher entgegen, sobald er die Tür zur Baustelle passiert hat. "Wir halten konstant eine Temperatur von zehn Grad, denn sonst könnte hier drinnen nicht gearbeitet werden", erklärt Dieter Peschel.
Als Bauamtsleiter der Kreisverwaltung hat er den Hut für die Arbeiten auf, die bis zum Ende des Jahres abgeschlossen sein sollen. Und so stellen die Mitarbeiter zahlreicher Firmen, die allesamt aus dem Freistaat Sachsen kommen (die überwiegende Mehrzahl aus den Landkreisen Görlitz und Bautzen) Trockenbauwände auf, legen Stromleitungen, installieren Rohre für die Wasserversorgung oder bessern das Mauerwerk aus. "Letzteres beschäftigt uns stark, denn es hat sich als weitaus maroder erwiesen, als ursprünglich angenommen", erklärt Dieter Peschel.

Der beim Bau des Packhofes verwendete Mörtel sei von minderer Qualität. "Die zwei Mauerschalen bewegen sich voneinander weg, durch Injektionen und Klammern sorgen wir für die nötige Tragfestigkeit", ergänzt Knuth Zange von der NYLA Baugesellschaft mbH aus Niesky, die mit dieser diffizilen Aufgabe betraut wurde.
Doch nicht nur das Mauerwerk bereitete unliebsame Überraschungen, sondern auch das Fundament – das an manchen Stellen gar nicht vorhanden war und völlig neu errichtet werden musste.

Dass sich die Arbeiten dennoch innerhalb des veranschlagten Kostenrahmens von 17 Millionen Euro bewegen (hinzu kommen 500.000 Euro für die Ausstattung) – "plusminus 300.000 Euro" – darf daher als bemerkenswert gelten. Für eine exakte Abrechnung ist es derzeit allerdings noch zu früh, "genaue Zahlen liegen voraussichtlich erst im März vor", wie der Bauamtsleiter betont.

Immerhin sind bereits 75 von 96 Baulosen vergeben, die einen Anteil von 87 Prozent an der Bausumme ausmachen. Von einer der Firmen musste sich der Bauherr zwischenzeitlich trennen, "da sie anderes Material verwendete, als vorgegeben." Dies habe die Abläufe durcheinandergebracht und zu einem zwischenzeitlichen Verzug von circa drei Monaten geführt, "den wir aufgrund der guten Witterungsbedingungen von November bis Januar wieder aufholen konnten", wie Dieter Peschel versichert.

Die besondere Herausforderung besteht nach seinen Worten darin, die historische Bausubstanz mit den Anforderungen  einer modernen Nutzung zu verbinden, wobei der Denkmalschutz ein gehöriges Wörtchen mitzureden hat. "So müssen die alten Tragbalken aus Holz erhalten bleiben, ebenso eins der beiden historischen Treppenhäuser", wie der Amtsleiter erklärt. Die Aufstockung auf einem Teil des Packhofes musste niedriger bleiben als das bereits vorhandene Dachgeschoss, damit der Giebel sichtbar bleibt: "Andererseits erhalten wir aufgrund des denkmalgeschützten Charakters wesentlich mehr Fördermittel, und auch ein Teil der diesjährigen Altstadtmillion fließt in  den Ausbau."

Neben dem Landrat und den ihm zugeordneten Verwaltungsbereichen ziehen das Kreisentwicklungsamt, das Rechts- und Kommunalamt, das Hoch- und Tiefbau- sowie die bisher in der Jägerkaserne untergebrachten Mitarbeiter des Sozial- und des Jugendamtes in das neue Landratsamt. Doch auch nach der Indienstnahme werden vier Fünftel der Beschäftigten ihre Büros in den Außenstellen haben, "wobei Möglichkeiten für eine Erweiterung bestehen", wie Dieter Peschel betont. Auf alle Fälle soll das Landratsamt auch künftig "in der Fläche" angemessen präsent bleiben, versichert er.


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