Den Bautzenern reicht es. Konkret mit den Nazis. Und das zeigen sie nun auch. Ein Bürgerbündnis hatte den Anstoß im Dezember gegeben. Und obwohl rund 35 Rechte den Versammlungsort in Gesundbrunnen im Dezember blockiert hatten, ließen sie sich nicht einschüchtern.
Vorn am Eingang standen sie, am Hintereingang ebenfalls. Dicht an dicht, schwarz, vermummt und "erstaunlich diszipliniert", wie Ralf meint, ein Aussteiger, der selbst einmal in der Szene war und das Treiben an jenem Tag im Gesundbrunnen beobachtet hatte. "Da konnte einem schon mulmig werden", meint er. Viele Bautzener seien dadurch einfach vor der Tür geblieben. "Die haben die nicht durchgelassen", erzählt der Mann.
Das aber hat die Bautzener nicht abgehalten. "Kampfesmutig, nicht deprimiert", so bezeichnet Michael Ankele sie und freut sich darüber wie ein kleines Kind. "Hier bewegt sich endlich was, hier passiert was", sagt der Mann, der ein Aussteigerprojekt leitet und Ex-Nazis vor Schülern von ihren Erfahrungen erzählen lässt.
Seit Jahren predigt er die braune Gefahr, warnt vor Gewalt. "Da musste erst Zwickau passieren, damit einige aufwachen", sagt er. Die mutigen Bautzener, die den Rechten so offen entgegentreten, begeistern ihn. "Da wurde ein Fanal gesetzt", schwärmt er und fügt hinzu: "Bautzen hat es nicht verdient als Hochburg der Nazis abgestempelt zu werden." Mandy Richter, Sozialarbeiterin und Initiatorin des Bürgerbündnisses, verlangt ihm dabei besonderen Respekt ab. "Die lässt sich nicht unterkriegen", meint Ankele.
Tatsächlich bleibt die junge Frau dran. Nachdem die Teilnehmer bei dem offiziellen Termin im Dezember um Leib und Leben fürchten mussten, sind weitere Beratungen nun nicht öffentlich. Das Ergebnis der jüngsten Sitzung in dieser Woche stellt allerdings klar: "Es wird in jedem Fall weitergehen." Man lasse sich nicht unterkriegen. Mehrere Veranstaltungen sind geplant. Motto unter anderem: Schwarz-Rot-Gold ist bunt nicht braun. Im Dezember hatten die vermummten Nazis nur einen Teilerfolg. Die Bürger ließen sich nicht einschüchtern. Die Polizei war so schnell da, dass die Lage innerhalb kürzester Zeit entspannt war.
Allerdings musste die Veranstaltung selbst verschoben werden. Beim nächsten Mal soll das nicht gelingen. Das Bürgerbündnis hat sich entsprechend vorbereitet. "Die Angst ist natürlich immer da", sagt Manja Richter. "Aber einschüchtern lassen wir uns nicht." So wolle man auf jeden Fall auch mehr mit der Politik zusammenarbeiten. Eine erste Möglichkeit dazu bietet das Einwohnerforum am 31. Januar in Gesundbrunnen. 19.00 Uhr geht es im Kirchgemeindehaus auf der Otto-Nagel-Straße 3 los.
Für Aussteiger Ralf ist wichtig, dass die Bautzener selbst sich gegen die Nazis wenden. "Die wirken ja eigentlich so normal, die Nazis", meint er. "Ich sehe das jeden Tag. Da ist einer, tagsüber der liebe Papi der seine Kinder in den Kindergarten schafft. Abends ist er dann bei der Blockade der Veranstaltung dabei gewesen."
Das sei Alltag, völlig normal. Und er warnt: "Aber in Wirklichkeit sind die einfach hemmungslos."
Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.