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Verein legt Kinderfest in neue Hände

Verein legt Kinderfest in neue Hände

Die Kinderfeste im Stadtteil Gesundbrunnen stießen einst bei Jung und Alt auf große Resonanz. Foto: Leuchtturm-Majak e. V.

Im Bautzener Rathaus rauchen die Köpfe. Wo und in welchem Umfang soll künftig das alljährliche Kinderfest, das bereits zu einer festen Hausnummer im Stadtteil Gesundbrunnen geworden war, über die Bühne gehen? Der Verein Leuchtturm-Majak hatte bekanntermaßen angekündigt, die Organisation der Veranstaltung in andere Hände legen zu wollen. Im Oberlausitzer Kurier spricht der stellvertretende Vereinschef Diethold Tietz über die Gründe dafür, die mit dem Schritt verbundenen Reaktionen und die Chancen für einen Neuanfang.

Die Stadt will als künftiger Ausrichter eines Kinderfestes in Ihre Fußstapfen treten. Welches Konzept verfolgt die Kommune und wie bewerten Sie diese Bemühungen?

Diethold Tietz: Zur Vorgeschichte muss man wissen: Am 16. September 2001 wurde das „1. Gesundbrunnenfest der Neuzeit“ aus der Taufe gehoben. Organisator war damals der ein Jahr zuvor gegründete Gesundbrunnenverein. Unterstützung erhielt er vom Großvermieter Gaia. Das im Folgejahr von der Stadtverwaltung beauftragte Stadtteilmanagement bewirkte, dass dieses zarte Pflänzchen bürgerlichen Gemeinsinns verblühte. Engagierte Stadträte organisierten daraufhin ein Kinderfest in Gesundbrunnen, das sich zunehmender Beliebtheit erfreute. Übrigens war dieses von Anfang an ein Fest für die gesamte Stadt, das zugleich dem oft zu Unrecht geschmähten Stadtteil Gesundbrunnen ein verdientes Ansehen verlieh. In der Bürgerfragestunde des Stadtrates im Januar diesen Jahres beklagte ich das drohende Ende des Bautzener Kinderfestes in Gesundbrunnen . Ich appellierte an den Ältestenrat, in dem alle Fraktionen vertreten sind, die Veranstaltung am Leben zu erhalten. Der Oberbürgermeister versicherte uns, es nicht sterben zu lassen. Inzwischen liegen Informationen vor, wonach die Bautzener Polizei mit weiteren Partnern ein Bürgerfest veranstalten möchte, in welches das Kinderfest integriert werden soll. Das kann ich nur begrüßen.

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Auch wir haben davon gehört, dass es am 1. September 2018 auf dem Gelände der Polizeihochschule soweit sein könnte, vorausgesetzt, die Bürgervertreter geben ihren Segen dafür. Doch warum hat das Kinderfest eigentlich eine derartige Entwicklung genommen?

Diethold Tietz: Wir erkannten, dass das Engagement der Stadträte gebündelt werden muss. Auch steuerrechtliche Gründe geboten es, einen gemeinnützigen Verein mit der Gesamtverantwortung zu betrauen. Deshalb haben wir uns für die vergangenen zwei Jahre den Hut aufgesetzt. Außerdem sind wir mehr als andere in Gesundbrunnen verankert und konnten effektiv die Erfahrungen des ehemaligen Gesundbrunnenvereins nutzen. Nach dem Kinderfest 2017 mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass die aktivsten Stadträte nicht mehr zur Verfügung stehen werden, insbesondere aus gesundheitlichen und beruflichen Gründen. Unsere Bitte um Nachrücker erwies sich leider als Ruf in die Wüste, insbesondere bei der größten Stadtratsfraktion, der einer der bisher Aktivsten angehörte. Somit fehlte uns die Basis zur weiteren Zusammenarbeit.

Welche Reaktionen rief das in Ihrem Umfeld und in der Bautzener Einwohnerschaft hervor, nachdem bekannt wurde, dass Sie als Ausrichter nicht mehr in Frage kommen?

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Diethold Tietz: Ich berief am Jahresende die bisher überaus aktive Organisationstruppe ein. Es gab bereits Lücken bei der Anwesenheit, mancherlei Liebesschwüre, aber auch unüberhörbare Resignation. Ein Vorschlag lautete, das Kinderfest künftig aller zwei Jahre durchzuführen. Geschenkt, denn bis zum Juni wäre der organisatorische Vorlauf ohnehin zu kurz gewesen. Meine Mitstreiter hatten schließlich Verständnis dafür, dass ich aufgrund der aktuellen Situation als Strippenzieher nicht mehr zur Verfügung stehen werde.

Wie werden Sie sich beziehungsweise wie wird sich Ihr Verein dennoch in das neue Kinderfest einbringen?

Diethold Tietz: Ich stehe jedem Neuorganisator mit meinen umfangreichen Erfahrungen, Kontakten und peniblen Fortschrittstabellen zur Verfügung, falls es gewünscht wird – alles fein gebündelt in dicken Aktenbergen.

Inwieweit werden Sie „Ihr“ Kinderfest vermissen und gibt es eventuell doch die Chance für eine Neuauflage?

Diethold Tietz: Es wäre ganz schlimm, würde dieses Fest sterben. Das Besondere daran ist und war: Wir setzen auch ein Zeichen gegen Fremdenhass und Ausländerfeindlichkeit. Es gab eine wunderbare Mischung von Einheimischen und Migrantenfamilien, voller Harmonie und gegenseitiger Achtung. Alle Angebote für Kinder waren kostenlos. Dafür gab es auch manches herzliches Dankeswort von Bürgern unserer Stadt, die mitunter unverschuldet nicht auf der Wurstsuppe schwimmen. Ich wünsche mir, dass das Kinderfest als generationsübergreifendes und völkerverständigendes Ereignis fortbesteht und nicht zum kommerziellen Rummel verkommt. Ganz am Rande: Davon könnte auch die Politik in Dresden und Berlin etwas lernen.

Wie viel Zeit, Kraft und Geld musste der Verein alljährlich in die Ausrichtung der Veranstaltung investieren?

Diethold Tietz: Wir haben nicht nach Zeit, Kraft und Geld geschaut, sondern auf glückliche Kinderaugen. Die meiste Zeit benötigte die etwa sechsmonatige Vorbereitungsarbeit. Das waren hochgerechnet auf alle Mitglieder der Organisationsgruppe mindestens 800 bis 1.000 Stunden. Hinzu kommt der Veranstaltungstag selbst und dessen Vor- und Nachbereitung. Vom Verein Leuchtturm-Majak waren weit mehr Helfer im Einsatz, als wir Mitglieder in unseren Reihen haben. Zählt man die fleißigen Stadträte und die vielen weiteren unbezahlten Helfer hinzu, nähern wir uns knapp 1.500 Stunden. Und die Kraft? Viele von uns haben den zweiten Lebensabschnitt erreicht, da gehen sechs Stunden im glühenden Sonnenschein schon derb an die Reserven. Das war Ehrenamt in Reinkultur.

Wofür wird der Verein nunmehr seine Energie aufbringen?

Diethold Tietz: Wie gesagt, das Kinderfest wollen und werden wir nach besten Kräften weiterhin unterstützen. Wir werden uns auch bei künftigen Kinderfesten aktiv einbringen. Unabhängig davon ist unser Verein mit zahlreichen Angeboten unterwegs: Von Jung bis Alt, von mopsfidel bis demenzkrank, von Tanz bis Malkunst, von unterschiedlichsten Beratungsangeboten bis hin zum Kochen internationaler Gerichte, von Sprachkursen bis zu… Aber das würde jetzt den Rahmen sprengen (schmunzelt).

Wie viele Besucher zählten Sie im Schnitt bei den früheren Kinderfesten?

Diethold Tietz: In den vergangenen beiden Jahren registrierten wir jeweils knapp 1.000 glückliche Besucher. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um mich im Namen des gesamten Vereins für den Zuspruch zu bedanken, genauso wie für die Unterstützung der zahlreichen ungenannten Helfer, Sponsoren, Spendern und Freiwilligen. Ohne sie hätte es die vorigen beiden Kinderfeste in dieser Form nicht gegeben. Unseren Nachfolgern wünschen wir eine ähnlich gute Resonanz.

Roland Kaiser / 01.04.2018

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