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Dalís Traumwelten und Sportambitionen

Dalís Traumwelten und Sportambitionen

Museumsleiter Dr. Jasper von Richthofen schaut bereits über die Dalí-Ausstellung hinaus auf den Sport in Görlitz, dem ab Mai eine Ausstellung gewidmet sein wird. Foto: Till Scholtz-Knobloch

Zwei Ausstellungen in den beiden Kulturhistorischen Museen in Görlitz und Zittau gewähren vom 1. Februar bis 31. März einen Einblick in druckgrafische Werke Salvador Dalís und können mit einer Eintrittskarte besucht werden. Auch die anschließende Ausstellung im Kaisertrutz ist bereits in Vorbereitung. Der Görlitzer Sport wird sich dann mit seinen Vereinen vorstellen.

 

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„Pantagruel blau“ von Dalí Quelle: Museum

Görlitz. In einer gemeinsamen Sonderausstellung zeigen das Kulturhistorische Museum Görlitz 250 und das Museum in Zittau vom 1. Februar bis 31. März 100 druckgrafische Werke des berühmten Künstlers Salvador Dalí (1904–1989) und präsentieren die Region damit quasi auch kulturhauptstadtwürdig. Die Arbeiten werden einen Überblick über das gesamte druckgrafische Werk des Künstlers geben.

Der Katalne Dalí lernte in Paris Pablo Picasso, Joan Miró und Max Ernst kennen und schloss sich dem Kreis der surrealistischen Künstler an. In Paris traf er auch auf die russische Immigrantin Helena Djakonowa, die später unter dem Namen Gala Dalís Muse und Ehefrau wurde.
Über Jahrzehnte organisierte sie seine Ausstellungen und Kunstverkäufe, die seit den 30er Jahren immer erfolgreicher wurden. So entstand bereits 1931 sein vermutlich bekanntestes Gemälde mit dem Titel „Die Beständigkeit der Erinnerung (La persistencia de la memoria)“, das herabfließende Uhren in der kargen Landschaft Kataloniens zeigt und heute im Museum of Modern Art in New York zu sehen ist.

Als in der Gruppe der Pariser Surrealisten in den 1930er Jahren die politischen Richtungskämpfe zwischen Kommunismus und Faschismus immer schärfer wurden, kam es zum Zerwürfnis. Dalí und Gala reisten nun für einige Jahre durch Europa. Im Sommer 1938 traf Dalí den Psychoanalytiker Sigmund Freud, der zu dieser Zeit bereits in London im Exil lebte.
Der junge Künstler hinterließ offenbar einen tiefen Eindruck, denn Freud schrieb in einem Brief an Stefan Zweig „Wirklich, ich darf Ihnen für die Fügung danken, die die gestrigen Besucher zu mir gebracht hat. Denn bis dahin war ich geneigt, die Surrealisten, die mich scheinbar zum Schutzpatron gewählt haben, für absolute (sagen wir zu fünfundneunzig Prozent wie beim Alkohol) Narren zu halten.“

Seit 1948 lebten Dalí und seine Frau wieder in Spanien. Hier begann er sich mit dem Medium der Druckgrafik intensiver zu beschäftigen. In den 1950er bis 1970er Jahren entstanden zahlreiche Einzelblätter und umfangreiche Illustrationszyklen. Dalí beherrschte nicht nur alle wichtigen druckgrafischen Techniken, sondern begann auch, deren Möglichkeiten experimentell zu erweitern.

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So entstand eine seiner Druckgrafiken, in dem Dalí eine in Druckerschwärze getauchte Gewehrkugel auf einen Lithografie-Stein abfeuerte, die auf diesem „einen wunderbaren Spritzfleck erzeugte. Ich erkannte augenblicklich einen Engelsflügel von vollkommener Dynamik, der den Gipfel der Vollendung darstellte. Damit hatte ich den ‚Bouletismus‘ erfunden.“ Dieser radikale Umgang ließ den Entstehungsprozess einer Grafik zum Happening werden und trug gleichermaßen zum Mythos des Künstlers bei.
Die Sammlung Rebmann umfasst heute wesentliche Teile des druckgrafischen Werkes, von denen die bedeutendsten Blätter in den Sonderausstellungen in Görlitz und Zittau zu sehen sein werden.

Die Görlitzer Schau wird mit etwa 250 Blättern einen Überblick über das gesamte druckgrafische Werk Dalís aus den Jahren 1934 bis 1977 geben. Einen Schwerpunkt bildet dabei Dalís künstlerische Auseinandersetzung mit dem spanischen Maler Francisco de Goya (1746–1828).Dessen wegweisenden Grafikzyklus „Los Caprichos“ hat Dalí in einer eigenen Serie verarbeitet. Er wird zusammen mit Goyas Blättern in Görlitz zu sehen sein. Die Caprichos gelten als ein Meilenstein der grafischen Künste am Vorabend der Moderne. Inspiriert vom Geist der französischen Revolution, thematisieren sie gesellschaftliche Probleme.
Ein weiterer wichtiger Zyklus, der in Görlitz zu sehen sein ist, ist die Serie „Pantagruels drollige Träume“. Dalí griff dafür Motive aus einer bereits im 16. Jahrhundert entstandenen Romanfolge des französischen Autors François Rabelais auf.
In der Zittauer Ausstellung wird ein großer Teil einer der umfangreichsten Grafikzyklen Dalís zu sehen sein: die aus 100 Holzstichen bestehenden Illustrationen zu Dantes „Göttlicher Komödie“.

Der zweite in Zittau ausgestellte Werkkomplex beschäftigt sich mit der Offenbarung des Evangelisten Johannes, der Apokalypse. Die Zittauer Schau wird überdies durch Grafiken von Zeitgenossen Dalís wie Marc Chagall, Ernst Fuchs und Otto Dix aus der Museumssammlung bereichert. Außerdem werden auch surrealistische Werke von Künstlern aus der Oberlausitz gezeigt, u.a. von Peter Israel, Ludwig Böhme oder Dirk Pradel.
Till Scholtz-Knobloch befragte den Görlitzer Museumsleiter Jasper von Richthofen nach Inhalten und Konzepten

Freiherr von Richthofen, Dalí und Görlitz. Gibt es da überhaupt einen Zusammenhang?

 Jasper von Richthofen: Es ist nicht die normale Art und Weise, wie wir hier arbeiten. Wir suchen bei unseren Ausstellungen immer auch einen Bezug zur Region Oberlausitz-Niederschlesien. In diesem Fall ist der nicht gegeben. Es handelt sich um eine private Grafiksammlung, die uns Helmut Rebmann zur Verfügung stellt. In Ausschnitten ist diese Sammlung schon einmal gezeigt worden, in dem Umfang, wie wir es jetzt in Görlitz und in Zittau machen, ist dies bislang jedoch nicht erfolgt.

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Vom Mai bis Oktober wird sich Ihr Museum dann mit dem Sport in Görlitz beschäftigen. Welche Idee liegt einer solchen Ausstellung zugrunde?

Jasper von Richthofen: Die Philosophie ist dabei, dass Sport und Kultur generell keinen Gegensatz darstellen und dass wir gesellschaftlich viel intensiver wahrnehmen müssen, welch große Bedeutung der Sport und die ehrenamtliche Leistung von Sportlern als Kit der Gesellschaft haben. Ich glaube, dies ist ein Aspekt, der bislang so kaum herausgearbeitet wurde.
Wir konzentrieren uns dabei auf Görlitz, denn wir haben gemerkt, dass wird ein uferloses Thema hätten, wenn wir uns mit dem ganzen Landkreis beschäftigen würden. Allein in der Stadt Görlitz gibt es 60 Sportvereine und wir möchten diese dazu bewegen mitzuarbeiten, sich selber darzustellen.
Wir wollen dabei auch etwas in die Geschichte blicken. Seit wann betreiben wir überhaupt Sport? Was gibt es an historischen Stätten, die man heute noch erlaufen kann? Komplett verschwunden ist beispielsweise mit der Grenzziehung eine Anzahl an Neißebädern, von denen sich heute gar keine Spuren erhalten haben. Wir möchten große Sportler herausstellen, die aus Görlitz stammen. Da gibt es einen Jens Jeremies oder einen Michael Balack, auch wenn dieser lediglich den Klinikumskreisaal von innen gesehen hat und sich nicht als Görlitzer fühlt. Bein Jens Jeremies ist das ganz anders.

Nun führt das Kulturhistorische Museum das Adjektiv „historisch“ im Namen...

Jasper von Richthofen: Der historische Blick ist hier tatsächlich etwas untergeordnet, gleichwohl sind wir natürlich auch ein Geschichtsmuseum und so kann der Aspekt natürlich nicht Außen vor bleiben. Ich glaube tatsächlich, um die heutige Struktur in Sportvereinen zu verstehen, müssen wir tatsächlich auch etwas zurück in die Geschichte blicken.
Die Militär- und die Sportgeschichte sind zum Beispiel eng verwoben. Sport hat über Jahrhunderte einen militärischen Hintergrund gehabt. Zu DDR-Zeiten ist es dann etwas anderes, da geht es um die Diplomaten im Trainingsanzug, die also im Kontext von Nationalstaaten und aus Prestigegründen von Nationalstaaten ihre Bedeutung haben. Das alles betrachten wir schon, aber tatsächlich steht hier nun der Blick in die Gegenwart einmal im Vordergrund und vielleicht sogar der Blick in die Zukunft.

Die Dalí-Ausstellung wird am 1. Februar um 19.00 Uhr mit einer Vernissage im Görlitzer Kaisertrutz eröffnet, die Zittauer Parallelausstellung um 16.00 Uhr im Franziskanerkloster, Klosterstraße 3.

 

Till Scholtz-Knobloch / 31.01.2019

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