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„Die Tiere werden einfach rausgesetzt“

„Die Tiere werden einfach rausgesetzt“

„Strobel“ ist nur eine der unzähligen Katzen, denen der Tierschutzverein Bischofswerda über die Jahre geholfen hat. Damit er das weiter tun kann, brauchen die Tierfreunde Spenden, praktische Unterstützung und das Verantwortungsbewusstsein der Bevölkerung. Foto: Manja Gumpert

Der Tierschutzverein Bischofswerda hilft Katzen in Not, indem er sie in Pflegestellen oder an Futterplätzen betreut. Die Ehrenamtler finanzieren das über Fördermittel und Spenden. „In diesem Jahr ist die Zahl der bedürftigen Tiere aber explodiert und unsere Kasse ist leer“, sagt Manja Gumpert, die Vorsitzende. Helfen kann man mit Geld, mit Einsatz – und mit Verantwortungsbewusstsein.

Bischofswerda. Kater „Strobel“ war ein Bild des Jammers. Das schwarz-weiße Tier, das Manja Gumpert auf acht bis zehn Jahre schätzt, irrte auf dem Hof einer Pulsnitzerin herum. „Sie rief uns an und beschrieb uns seinen Zustand: Sabber lief ihm aus dem Mäulchen, seine Zähne waren schlecht, seine Augen verklebt“, berichtet die Vorsitzende des Tierschutzvereins Bischofswerda e.V. Manja Gumpert kümmerte sich darum, dass die Pulsnitzerin den Kater sofort beim Tierarzt versorgen lassen konnte. Die Kosten für die Behandlung sind in den letzten Jahren enorm gestiegen. „Strobel“ wurde an Augen und Zähnen operiert – für rund 3.000 Euro. „Das haben wir über Spenden bezahlt“, sagt Manja Gumpert. Ein Auge konnte leider nicht gerettet werden. Seit einem halben Jahr erholt sich der Vierbeiner, der seinen Namen wegen seines strubbeligen Fells bekam, nun bei der Pulsnitzer Tierfreundin in einer Pflegestelle. „Jetzt ist er soweit, dass er in liebevolle Hände vermittelt werden kann. Freigang sollte er wegen seines Handicaps eher nicht bekommen. Aber über einen großen Balkon würde er sich sicher freuen“, betont die Vereinsvorsitzende.

„Strobels“ Schicksal ist individuell wie jedes der 90 bis 100 Katzen, denen der Tierschutzverein Bischofswerda pro Jahr hilft. Doch die Tiere eint, dass sie Leid erdulden mussten – körperlich und seelisch. Manja Gumpert und ihr rund dreißigköpfiges Team von Ehrenamtlern versuchen es zu lindern. „Wenn die Leute wüssten, wie wir hier arbeiten und was wir alles sehen“, sagt die Bischofswerdaerin. Momentan versorgen die Mitglieder, von denen etwa zehn tatsächlich aktiv sind, rund zehn Futterstellen mit je fünf bis zwölf herrenlosen Katzen. Sie füllen die Näpfe, kümmern sich um kranke Tiere – und lassen die Vierbeiner kastrieren, damit sie sich nicht unkontrolliert vermehren. In sechs Pflegestellen leben erwachsene und junge Tiere, viele Welpen, mit dem englischen Begriff „Kitten“ genannt, mit oder ohne Mutter. Auch Manja Gumpert, die seit etwa zwölf Jahren den 1992 gegründeten Verein leitet, betreut gerade ein Grüppchen Jungkatzen. Diese Arbeit wird über Fördermittel vom Freistaat und Spenden finanziert. Manja Gumpert schaut in ihre Buchhaltung und zählt auf: 15.000 Euro zahlte das Land Sachsen dieses Jahr für Kastrationen, 5.000 Euro für Futter und 1.000 Euro für Ausstattung – darunter laufen unter anderem die Fallen, mit denen man die Tiere an den Futterstellen für die ärztliche Behandlung einfängt. 30.000 Euro sind an Spenden eingegangen. Das klingt nach viel. „Aber wir mussten alles gleich wieder ausgeben. Nun ist unsere Kasse leer“, sagt die Vereinsvorsitzende. Das ist besonders problematisch, weil die Tierfreunde die Kosten für den Veterinär zunächst vorfinanzieren müssen und das Geld erst später wiederbekommen.

Dass dieses Tierschutzjahr für die Bischofswerdaer so teuer wurde, hat vor allem damit zu tun, dass die Zahl der bedürftigen Katzen „explodiert“ ist, wie Manja Gumpert es formuliert. „Das spüren nicht nur wir, sondern auch die Tierheime in der Region. Die Tiere werden in Größenordnungen einfach ausgesetzt!“ Natürlich seien manche Tierhalter aufgrund der steigenden Lebenshaltungskosten und der hohen Tierarztgebühren auch finanziell überfordert. Aber nach den Erfahrungen der Ehrenamtler ist oft mangelndes Verantwortungsbewusstsein der Grund für das Tierleid: Ältere und kranke Katzen oder ganze Würfe junger Tiere landen so auf der Straße. „Die Leute haben keine Lust mehr auf die Vierbeiner – also weg damit“, bringt es Manja Gumpert deutlich auf den Punkt. Wenn sie und ihr Team die Katzen bekommen, sind sie oft total verwahrlost. Sie päppeln sie dann liebevoll auf – neben ihren regulären Jobs. Kleine mutterlose Katzen beispielsweise brauchen aller paar Stunden die Flasche – auch nachts. Zum Schlafen kommt man da kaum.

Was können die Menschen aus der Region tun, um dieses Leid zu lindern – auch langfristig? Geld- und Futterspenden sind immer gefragt. Wer den Verein finanziell unterstützen möchte, kann Spenden auf das Konto bei der Kreissparkasse Bautzen überweisen (IBAN: DE17 8555 0000 1000 5131 10). Der Verein freut sich, wenn Tierfreunde bereit sind, Katzen in einer Pflegestelle aufzunehmen, bis sie vielleicht vermittelt werden können. Zudem appelliert Manja Gumpert an den Verantwortungssinn: Bevor man sich ein Tier anschafft, sollte man sich klar werden, was das bedeutet: dass man über Jahre Zeit, Geld und Liebe investieren muss. Freilaufende Katzen sollten unbedingt kastriert werden, betont die Vereinsvorsitzende. Unterstützung wünscht sie sich auch von der Politik: „Eine Kastrationspflicht für Katzen wäre hilfreich!“ ⋌

BW / 24.10.2026

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