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Update: Die Zaunbauer vom THW - gemeinsam gegen die Schweinepest

Update: Die Zaunbauer vom THW - gemeinsam gegen die Schweinepest

Christian Meyer (l.) und Kay Wack (M.) vom THW-Ortsverband Pirna greifen zur Rohrzange: So werden die Spannschlösser zwischen den einzelnen Zaunfeldern befestigt. Foto: RK

Niesky. Im Kampf gegen eine mögliche Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest (ASP) im nördlichen Teil des Landkreises Görlitz haben derzeit mehr als 60 Kameraden des Technischen Hilfswerkes alle Hände voll zu tun. Seit Wochenbeginn spannen die aus ganz Sachsen angereisten Frauen und Männer – darunter auch Mitglieder der Ortsverbände Bautzen, Kamenz, Zittau und Görlitz - entlang der Bundesstraße B 115 und weiter bis an den Stadtrand von Niesky einen Schutzzaun. Dieser soll dafür sorgen, dass infizierte Tiere den Erreger nicht in Gegenden tragen, die aktuell noch als virenfrei gelten. Auch Hausschweinbestände will der Freistaat auf diese Weise vor einer Ansteckung bewahren.

Bis zum Freitag konnte nach Angaben des Gruppenführers des Ortsverbandes Pirna, Ralf Steuber, etwa die Hälfte der geplanten Zaunstrecke verwirklicht werden. Insgesamt haben die Spezialeinsatzkräfte in THW-Uniform auf einem etwa 30 Kilometer langen Abschnitt die mit einem Unterwühlschutz ausgestatten, 1,20 Meter hohen Zaunfelder aufzustellen. Diese würden jeweils mit Erdankern am Boden befestigt und per Spannschlösser miteinander verbunden. Zufahrten sichern die Kameraden durch die Verwendung von Bauzäunen, wie vor Ort zu erfahren war. „Entlang von Gewässern stellen wir keine Wildzäune auf“, erklärte Ralf Steuber. Dort sollen die Tiere mit Hilfe eines speziellen Duftstoffes von Wanderungen abgehalten werden. „Wildschweine sind sehr schlau“, betonte der Gruppenführer in dem Zusammenhang. „Sie testen aus, wo sie am besten entlangkommen. Die Tiere suchen sich ihren Weg.“

Neuer Todesfall: Restriktionszonen werden erweitert

„Schnelles Handeln ist nötig, um eine Ausbreitung der Tierseuche zu verhindern“, betonte indes Sachsens Sozialministerin Petra Köpping. „Die Behörden des Freistaates und des Landkreises Görlitz harmonieren bei der Bekämpfung dieser Tierseuche sehr gut. Es geht jetzt wieder darum, die nötigen Einzäunungen der neuen Gebiete vorzunehmen, diese auf infiziertes Fallwild abzusuchen und die tierseuchenrechtliche Entnahme zu beginnen.“ Als Sofortmaßnahme werde der Fundort eines infizierten Tieres mit einem mobilen Zaun abgegrenzt, um ein mögliches Versprengen weiterer Vierbeiner, die den Erreger in sich tragen, zu vermeiden. Petra Köpping dankte in dem Zusammenhang dem Technischen Hilfswerk für die rasche Hilfe. „Unser Fokus liegt jetzt darauf, näheres über das konkrete Infektionsgeschehen im neuen Teil des gefährdeten Gebiets herauszufinden. Davon werden die weiteren Maßnahmen abhängen. Die Zäune schaffen eine wichtige Voraussetzung für alles Weitere. Ich danke allen Beteiligten, die sich so engagiert gegen eine weitere Ausbreitung der Tierseuche stemmen. Dies ist ein Kraftakt, der zusätzlich durch die Herausforderungen, die die Pandemie stellt, erschwert wird. Wir wollen die Ausbreitung der Tierseuche weiter hinein nach Sachsen verhindern. Aber es bleibt dabei: Dies wird ein langer Weg.“

Grund für die jüngsten Maßnahmen ist der Fund eines infizierten Wildschweinkadavers außerhalb des bisherigen gefährdeten Gebietes im Landkreis Görlitz. Sowohl dessen Zone als auch der Pufferbereich werden deshalb vergrößert. Die dafür notwendigen Allgemeinverfügungen der Landesdirektion Sachsen legen die neuen Gebiete als auch die Maßnahmen innerhalb der Zonen fest. Das gefährdete Gebiet wird nach Süden bis zur Höhe der Gemeinde Horka ausgeweitet. Seine Fläche vergrößert sich von bisher 157 auf nun 322 Quadratkilometer. Im Osten wird es vom bereits bestehenden festen Wildschweinabwehrzaun an der Neiße begrenzt. Die Pufferzone dehnt sich nunmehr auf den gesamten Landkreis Görlitz nördlich der Autobahn A 4 aus. Das Gebiet der Pufferzone erweitert sich von 605 auf 826 Quadratkilometer.

Das gilt in ASP-Restriktionszonen

Innerhalb der jetzt räumlich in die Restriktionszonen neu einbezogenen Gebiete gelten die bekannten Vorschriften, die bei Neuausweisung eines gefährdeten Gebiets erforderlich sind. Dort herrscht bis auf Weiteres ein Jagdverbot für Schwarzwild. Auch die Ausübung der Jagd auf anderes Wild als Schwarzwild sei im neu hinzugekommen Teil zunächst untersagt, so eine Sprecherin des Sozialministeriums. Auslauf und Freilaufhaltung von Hausschweinen werde ebenfalls nicht gestattet. „Diese dürfen nicht mit Wildschweinen in Berührung kommen. Schweinehalter müssen in ihren Betrieben strenge Biosicherheitsmaßnahmen einhalten. Dazu gehören geeignete Desinfektionsmöglichkeiten an den Ein- und Ausgängen der Ställe. Für Hunde gilt in dieser Zone Leinenzwang. Verendete und erkrankte Wildschweine sind sowohl im gesamten gefährdeten Gebiet als auch in der Pufferzone unverzüglich gegenüber dem Veterinäramt anzuzeigen und auf Afrikanische Schweinepest zu untersuchen.“

So wird die Viruskrankheit übertragen

Mit Stand Ende Januar gab es in Sachsen 19 bestätigte Fälle von Afrikanischer Schweinepest. Der erste war am 31. Oktober vergangenen Jahres bestätigt worden. Nunmehr wurden  weitere Infektionen bekannt. Wie das Sozialministerium am Samstag mitteilte, sind innerhalb des gefährdeten Gebietes im Rahmen der Fallwildsuche insgesamt zwölf verendete Wildschweine positiv auf das ASP-Virus getestet worden.

Die Afrikanische Schweinepest ist eine ansteckende Allgemeinerkrankung der Schweine (Haus- und Wildschweine), die fast immer tödlich verläuft und unheilbar ist. Es gibt keine Möglichkeit, die Schweine durch eine vorbeugende Impfung zu schützen. Die Erkrankung kann direkt von Tier zu Tier oder indirekt über vom Schwein stammende Lebensmittel – also Fleisch und Wurst - sowie über kontaminierte Gegenstände - Kleidung, Schuhe, Fahrzeuge - und Futter in andere Gebiete durch den Menschen übertragen werden. Für den Menschen und andere Tierarten ist die ASP nicht ansteckend oder gefährlich.

Für das THW geht die Arbeit weiter. Wie zu erfahren war, werden die Kameraden der angeforderten Ortsverbände auch in der kommenden Woche zwischen Weißkeißel und Niesky im Einsatz sein.

Roland Kaiser / 06.02.2021

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