Ein Videoclip für Cunewaldes Zukunft

Ricarda Gehrmann, Dirk Kahlert, Paul Richter und Christiane Thomas (v.l.n.r.) vom Cunewalde 800 e.V. griffen zu einem eher ungewöhnlichen Mittel für die Suche nach Bürgermeisterkandidaten.⋌ Foto: Markus Michalk
Nach 33 Jahren im Amt tritt Thomas Martolock im nächsten Jahr nicht wieder für den Bürgermeisterposten an. Mit einem Video wirbt der Verein Cunewalde 800 e. V. nun um Kandidatinnen und Kandidaten, die das Dorf mit Herzblut in die Zukunft führen wollen.
Cunewalde. Cunewalde hat einiges zu bieten. Davon sind Dirk Kahlert, Christiane Thomas, Paul Richter und Ricarda Gehrmann überzeugt. Doch wer soll das Waldhufendorf im Tal zwischen Bieleboh und Czorneboh künftig als Bürgermeister vertreten und die Entwicklung der Gemeinde gestalten? Weil Amtsinhaber Thomas Martolock nach 33 Dienstjahren nicht erneut kandidiert, macht sich der Verein Cunewalde 800 e.V. auf die Suche nach möglichen Nachfolgern – und setzt dabei auf bewegte Bilder.
Unter dem Titel „Cunewalde – Ein Dorf sucht Kandidatinnen und Kandidaten für das Bürgermeisteramt“ ist am 29. September auf YouTube ein rund neun Minuten langes Video veröffentlicht worden. Es soll nicht nur potenzielle Bewerber auf das Amt aufmerksam machen, sondern vor allem zeigen, was Cunewalde ausmacht. Bürger, Unternehmer, Ärzte, Vereine sowie Vertreter von Kitas und Schulen kommen darin zu Wort. Sie geben Einblicke in das Leben vor Ort und machen deutlich, welche Möglichkeiten sich bieten, die Zukunft der Gemeinde aktiv mitzugestalten. „Wir haben hier ja alles“, sagt Dirk Kahlert. Der Vereinsvorsitzende möchte zeigen, wie schön und lebenswert Cunewalde ist. Schließlich gehe es um mehr als die Besetzung eines politischen Amtes: Es gehe darum, jemanden zu finden, der sich für die Gemeinde begeistern könne und etwas bewegen wolle.
Große Fußstapfen, aber kein Anfang bei null
Dass auf den neuen Bürgermeister eine anspruchsvolle Aufgabe wartet, ist den Initiatoren bewusst. Thomas Martolock, für den 2027 die fünfte Amtsperiode, davon die vierte für Cunewalde, zu Ende geht, hat die Geschicke der Gemeinde über mehr als drei Jahrzehnte geprägt. „Der neue Bürgermeister tritt in große Fußstapfen“, sagt Ricarda Gehrmann. Man wolle allerdings nicht den Eindruck erwecken, dass diese Aufgabe kaum zu bewältigen sei. „Ein neuer Bürgermeister fängt ja nicht bei null an“, betont sie. Gesucht werde deshalb jemand, der Lust auf Gestaltung habe, Engagement mitbringe und vor allem eine enge Verbindung zum Ort besitze. „Er oder sie muss Herzblut für Cunewalde haben“, lautet eine der Erwartungen aus der Runde. Die Motivation müsse stimmen – schließlich gehe es darum, Verantwortung zu übernehmen und die Gemeinde gemeinsam mit ihren Einwohnern weiterzuentwickeln.
Die Aufnahmen für das Video entstanden an zwei Samstagen im Juni. Während der 13. Juni wechselhaft und verregnet war, zeigte sich das Wetter am 20. Juni von seiner heißen Seite. „Das waren zwei schöne, interessante Tage“, sind sich die vier Vereinsmitglieder einig. Auch die Zusammenarbeit mit Videofilmer Clemens Preiser habe gut funktioniert.
Bei der Auswahl der Mitwirkenden sei es den Organisatoren wichtig gewesen, möglichst unterschiedliche Menschen aus Cunewalde abzubilden. Neben Einheimischen kommen deshalb auch Zugezogene, Unternehmer und Ärzte zu Wort. Sie alle sollten widerspiegeln, wie vielfältig das Leben im Ort ist. Und offenbar brauchte es wenig Überzeugungsarbeit: Die angesprochenen Personen seien von der Idee sofort begeistert gewesen.
Dass das Video tatsächlich Aufmerksamkeit erzeugt, zeigen die bisherigen Aufrufzahlen. „Das Video bei YouTube hat inzwischen mehr als 15.000 Klicks“, berichtet Paul Richter. Rund 6.000 Zuschauer hätten den Film bis zum Ende angesehen. Das entspreche dem üblichen Durchschnitt auf der Plattform, ergänzt er.
Idee funktionierte schon einmal
Ganz neu ist die ungewöhnliche Form der Kandidatensuche in Cunewalde nicht. Bereits bei der Suche nach einem neuen Pfarrer hatte ein ähnliches Video geholfen, eine vakante Stelle erfolgreich neu zu besetzen. Damals wollte man potenziellen Bewerbern zeigen, dass auch das Leben in der sächsischen Provinz einiges zu bieten hat. „Da neue Pfarrer meist aus Leipzig oder anderen Städten kommen, wollten wir zeigen, dass wir hier in der Provinz schon Festnetz haben“, erinnert sich die Runde augenzwinkernd. Die Idee kam an – und die Suche war erfolgreich.
Warum also nicht einen ähnlichen Weg für das Bürgermeisteramt einschlagen? Der parteiunabhängige Verein Cunewalde 800 e.V. entstand aus den Aktivitäten rund um die 800-Jahr-Feier der Gemeinde im Jahr 2022. Seither setzt er sich für Bürgerbeteiligung, Dorfprojekte und die Stärkung der lokalen Identität ein. Mit dem Video wollen die Vereinsmitglieder nun erneut zeigen, dass sich der Einsatz für Cunewalde lohnt.
Wer übernimmt Verantwortung?
Die Bürgermeisterwahl ist voraussichtlich für Juni 2027 geplant. Der genaue Wahltermin soll in der Gemeinderatssitzung am 21. Oktober festgelegt werden. Interessierte können sich bis Januar 2027 im Gemeindeamt bewerben. Die Initiatoren hoffen, dass sich Menschen angesprochen fühlen, die bislang vielleicht noch gar nicht über eine Kandidatur nachgedacht haben. Es müsse nicht darum gehen, alles anders zu machen. Vielmehr brauche es jemanden, der Bewährtes fortführe, neue Ideen einbringe und gemeinsam mit den Menschen vor Ort etwas bewegen wolle.
Die Botschaft des Videos ist deshalb ebenso einfach wie einladend: Cunewalde hat viel zu bieten – und wer sich für das Waldhufendorf engagieren möchte, kann seine Zukunft aktiv mitgestalten. Jetzt fehlt nur noch jemand, der diese Chance ergreift.