Im Team auf Erfolgskurs

Training in der kalten Jahreszeit: Die Mitglieder vom Feuerwehrverein Drauschkowitz nutzen die Herbst- und Wintermonate für Übungen mit ihrer Technik in der Turnhalle Schlungwitz. Rechts im Bild sind Florian, Antonia und dahinter Jonny zu sehen. Foto: Markus Michalk
Nach einer erfolgreichen Saison bei den Ostsachsen-Pokalläufen steht der Feuerwehrverein Drauschkowitz e.V. vor einem Höhepunkt: Während die Männer einen beachtlichen sechsten Platz erreichten, sicherten sich die Frauen den dritten Rang und damit die Teilnahme an der Deutschen Meisterschaft 2027.
Drauschkowitz. Diese Ergebnisse der beiden Wettkampfgruppen haben im Doberschau-Gaußiger Ortsteil für große Freude gesorgt. Besonders die Platzierung der Männer lässt aufhorchen, da die Mannschaft in dieser Form erst seit Anfang 2026 wieder aktiv am Start ist und sich auf Anhieb gegen mehr als 20 eingespielte Teams behaupten musste. Dass am Ende der Wettbewerbsserie sogar die Qualifikation der Frauen für den bundesweiten Ausscheid im September steht, erfüllt das gesamte Dorf mit Stolz und zeigt, wie lebendig die tief verwurzelte Vereinstradition hier ist.
Ein Blick in die Chronik des seit 1924 bestehenden Vereins zeigt den Ursprung: Er wurde einst gegründet, um die Familien der Kameraden finanziell und sozial zu unterstützen. Der sportliche Gedanke zog 1960 mit der ersten Wettkampfgruppe ein. Jonny Bade, im Verein verantwortlich für Marketing und Sponsorensuche, erinnert sich an ein Zitat des Großvaters seiner Frau Antonia: „Es wäre schön, wenn die Familie mit bei der Feuerwehr wäre.“ Dieser Wunsch ist heute Realität: Bades Ehefrau ist stellvertretende Vereinsvorsitzende, sein Schwiegervater Riko bedient als Maschinist die Pumpe und Florian, der Cousin von Jonny Bades Frau, ist der Vereinschef.
Allerdings mussten die Drauschkowitzer in der Vergangenheit auch Rückschläge verkraften. 1995 wurde die eigenständige Ortsfeuerwehr durch die damalige Gemeinde Gaußig geschlossen. Die Gründe dafür waren organisatorischer und struktureller Natur. Doch statt aufzugeben, hielten die Dorfbewohner zusammen und verlagerten ihre Leidenschaft komplett in den Verein und den Feuerwehrsport. Heute zählt die Gemeinschaft 36 Mitglieder, von denen 23 aktiv im Wettkampfbetrieb stehen. Die neun Frauen bilden eine Mannschaft, während die 14 Männer zwei Teams stellen können.
Der sportliche Schwerpunkt liegt auf der Mannschaftsdisziplin Löschangriff „Nass“. Der Ablauf ist schnell erklärt: Nach dem Startsignal baut die Mannschaft eine Wasserversorgung von einer offenen Wasserquelle bis zu zwei Zielbehältern auf. Das Wasser wird über Schlauchleitungen nach vorne gepumpt, um die Ziele präzise zu treffen. Die Zeit stoppt, sobald beide Behälter mit jeweils zehn Litern Wasser gefüllt sind.
Eine eingespielte Mannschaft besteht aus sieben Akteuren, bei denen jeder Handgriff fehlerfrei sitzen muss. Während der Maschinist die Pumpe bedient und zwei Kameraden routiniert die schweren Saugschläuche im Wasserbecken ankuppeln, eilt der Verteiler nach vorne, um die Hauptleitung mit den Angriffsschläuchen zu verbinden. An der fernen Linie angekommen, konzentrieren sich zwei Strahlrohrführer ganz auf das präzise Treffen der Ziele, während ein Läufer darauf achtet, dass die Schläuche nicht einknicken.
Bei den Wettkämpfen kommt es auf das richtige Material an. Für traditionelle Vergleiche auf den Dörfern schwört das Team nach wie vor auf eine alte TS8-Pumpe aus DDR-Zeiten. Für die großen Pokalläufe verfügt der Verein seit Anfang 2026 über eine modernere ZL 1500 Pumpe, die vom FSV Lauba e.V. übernommen wurde. „Mit dieser Pumpe können wir gegen die etablierten Vereine bestehen“, erklärt Jonny Bade.
Hinter den Platzierungen steckt fleißige Arbeit. Da ein eigenes Depot fehlt, ist die Ausrüstung auf Anhänger verteilt in privaten Garagen untergebracht. Auch ein offizieller Trainingsplatz fehlt, doch der Eigentümer des örtlichen Herrenhauses gab die Fläche dahinter für Übungen frei. Und im Herbst und Winter zieht die Truppe in die Sporthalle nach Schlungwitz um, um die Kondition für die kommende Saison fit zu halten.
Nach den Erfolgen ist der Ehrgeiz im Dorf groß. Das Training und der Teamgeist zahlen sich aus. Die anstehenden Monate werden intensiv genutzt, um die Form auszubauen, erzählen Antonia und Jonny. Alle Augen sind jetzt schon auf den Spätsommer 2027 gerichtet, wenn die Frauenmannschaft die sächsischen Farben bei der Deutschen Meisterschaft vertreten wird. Für den Verein ist das Erreichen dieser Bühne bereits ein riesiger Erfolg – und die Mannschaft wird gut vorbereitet die Reise nach Lutherstadt Wittenberg antreten. Um diesen Traum optimal zu realisieren, fügen beide hinzu: „Natürlich sind wir auch noch auf der Suche nach Sponsoren, die uns auf diesem Weg unterstützen möchten.“