Jugend soll sich ausprobieren

Lara-Sophie Berger betreut in ihrem Freiwilligen Sozialen Jahr beim Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit Bischofswerda ältere Menschen in einem Bischofswerdaer Pflegeheim. Mit ihren Aufgaben und den Bewohnern ist sie schon sehr vertraut. Foto: Beate Diederichs
Das Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit e. V. in Bischofswerda fungiert seit vielen Jahren als Träger für Freiwilligendienste im sozialen Bereich. Auch in diesem Jahr betreuen die Mitarbeiter wieder zahlreiche junge Erwachsene, die bei diesem Dienst ihre berufliche Orientierung finden oder überprüfen wollen. Lara-Sophie Berger und Lisa Heiß sind zwei davon.
Bischofswerda. Menschen zu pflegen, ist anspruchsvoll. Diese Arbeit fordert körperlich und psychisch, verlangt einem viel Verantwortungsgefühl ab, ist oft mit Schichteinsatz verbunden und steht unter ständigem Kostendruck. Gleichzeitig kann es sehr sinnstiftend sein, sich um ältere oder bedürftige Leute zu kümmern. „Nach meinem Realschulabschluss vor einigen Monaten war ich mir daher nicht sicher, ob ich wirklich in diesen Bereich gehen will“, berichtet Lara-Sophie Berger aus Bischofswerda. Sie wünschte sich eine längere Praxisphase, in der sie ausprobieren kann, ob die Pflege und sie zusammenpassen.
Daher war es ein Glücksfall, dass ihre Mutti eines Tages einen Werbeflyer für die Freiwilligendienste des Netzwerks Kinder- und Jugendarbeit e. V. mitbrachte. Lara-Sophie bewarb sich einen Tag später für ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ), absolvierte ein Vorstellungsgespräch und erhielt im Sommer die Zusage. Anfang September startete sie in ihre erste Praxiswoche im Bischofswerdaer Pflegeheim „Zur Heimat“. Die Kollegen dort hätten sie nett aufgenommen und gut eingearbeitet, erzählt die 17-jährige. Zunächst begleitete sie das Pflegepersonal in der Frühschicht: half dabei, die Bewohner zu waschen, anzuziehen, mit Essen zu versorgen.... „Seit vier Wochen mache ich das alles alleine. Nur die Aufgaben mit medizinischem Bezug, wie Medikamentengabe oder Blutdruckmessung, sind den ausgebildeten Mitarbeitern vorbehalten.“ Nach dem Mittag geht sie mit den Bewohnern ins Freie, bastelt oder liest mit ihnen. „Es ist schön zu erleben, wie sie sich darüber freuen“, sagt sie. Der Küchendienst dagegen gefällt Lara-Sophie weniger – zu viel Routine. „Da bin ich immer froh, wenn ich das geschafft habe.“
Der Praxiseinsatz während des Freiwilligendienstes wechselt sich über das Jahr mit insgesamt sechs Seminarwochen ab, die der Träger organisiert, das Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit. Dabei kommen alle Freiwilligen zusammen und beschäftigen sich mit dem allgemeinen theoretischen Hintergrund ihrer Arbeit. Die erste Woche ist zugleich die Kennenlernwoche. „Einige Tage davon verbrachten wir im Abenteuercamp Deutschbaselitz und unternahmen unter anderem eine Höhlentour. Ich musste mich dabei ganz schön überwinden, weil ich Höhenangst habe“, erzählt Lara-Sophie. Bei der Veranstaltung tauschten sich die jungen Erwachsenen natürlich auch über ihre Einsatzorte aus: Die meisten sind in Kindereinrichtungen, Krankenhäusern oder in der Altenpflege in der Region tätig.
Lisa Heiß, 19, aus Frankenthal bei Bischofswerda arbeitet in der evangelischen Grundschule in ihrem Heimatort. Im Unterschied zu Lara-Sophie hat sie sich für den Bundesfreiwilligendienst, kurz BFD, entschieden. „Ich möchte ihn nutzen, um mich nach meiner Schulzeit beruflich zu orientieren und wertvolle Praxiserfahrung zu sammeln“, begründet sie. Lisa unterstützt die Lehrer und Erzieher im Schulalltag, aber natürlich auch die Kinder. Sie verfolgt mit großem Interesse, wie deren Tag in der Einrichtung abläuft. Die junge Frau ist sehr zufrieden damit, wie der Träger ihr zur Seite steht: „Die Mitarbeiter sind immer für einen da – egal ob man konkrete Hilfe braucht oder einfach nur eine Frage hat.“ Hier zeigt sich, dass das Netzwerk für Kinder- und Jugendarbeit umfangreiche Erfahrung in puncto Freiwilligendienst hat: „Seit über 20 Jahren fungieren wir als Träger für das FSJ, seit über zehn Jahren als Träger für den BFD“, erläutert Birgit Pietrobelli, Leiterin Freiwilligendienst beim Netzwerk. Derzeit betreut man knapp 100 Freiwillige im Landkreis Bautzen und darüber hinaus. Sie sind in der Kinder- und Jugendarbeit, in Kitas, Horten, Schulen, Kliniken, Verwaltungen und Kultureinrichtungen tätig, arbeiten mit alten Menschen und mit Menschen mit Behinderungen. „Junge Erwachsene sollen sich dabei ausprobieren, ihre berufliche Orientierung finden oder überprüfen“, betont Birgit Pietrobelli.
Bei Lara-Sophie hat es funktioniert: Schon einige Wochen nach Beginn des freiwilligen Jahres beschloss sie: Sie will auf jeden Fall in die Pflege! „Ich möchte eine Ausbildung zur Pflegefachkraft absolvieren und dann vielleicht bei einem mobilen Pflegedienst oder in einem Krankenhaus arbeiten – dort, wo es abwechslungsreich ist.“ Lisa hat bis jetzt noch keinen genauen Plan, was sie nach dem BFD machen will. „Doch ich bin sicher: Was ich beim Freiwilligendienst gelernt habe, wie Teamfähigkeit, Belastbarkeit und Verantwortung zu übernehmen, wird mir bei jeder zukünftigen Ausbildung ein stabiles Fundament bieten.“