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„Sie haben nicht nur Krieg geführt“

„Sie haben nicht nur Krieg geführt“

Die Ausstellungstafel, auf die Susanne Schöne hier weist, zeigt den Burgwall Ostro (bei Panschwitz-Kuckau). Die Archäologin ist sicher: Da muss es noch mehr geben!

Die 1000-jährige Geschichte der Oberlausitz ist bei weitem noch nicht vollständig erforscht. Ein deutsch-polnisches Projekt will jetzt einige der Lücken schließen.

Region. Wer glaubt, dass die Geschichte der Oberlausitz weitgehend erforscht ist, der irrt. Auf die zahlreichen Lücken, die es in der Geschichtsschreibung der so bezeichneten Region gibt, will ein vom Sächsischen Landesamt für Archäologie initiiertes Projekt unter der Bezeichnung „1000 Jahre Oberlausitz – Menschen, Burgen, Städte“ hinweisen. Das beginnt schon beim Titel des Projektes, denn natürlich sind die 1000 Jahre eine sehr willkürlich gewählte Zeitangabe. Die Stadt Bautzen, ihres Zeichens ja Teil und inoffizielle Hauptstadt der Oberlausitz, feierte schon im Jahre 2002 ihr 1000-jähriges Bestehen. Wann der Begriff „Oberlausitz“ zum ersten Mal in einem offiziellen Dokument auftauchte, lässt sich zumindest auf die Schnelle im Internet nicht recherchieren.

Burgwälle sind nur ein Teil der Geschichte

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„Einen Schwerpunkt unseres Projektes bildet die slawische Besiedlung der Oberlausitz, zu der es noch viele offene Fragen gibt“, erklärt Susanne Schöne vom Landesamt für Archäologie, die als stellvertretende Projektleiterin fungiert. Bislang stützt sich die Geschichtsschreibung dieser Periode, die etwa im 7. Jahrhundert begann, auf die zahlreichen gut erhaltenen Burgwallanlagen, die sich unter anderem in Ostro, Kopschin oder auch Bautzen finden. Jedoch: Dabei handelt es sich um Befestigungsanlagen, die vorwiegend in kriegerischen Zeiten Bedeutung hatten. „Kein Volk kann nur Krieg geführt haben. Wir verfügen kaum über Fundstellen, die das Alltagsleben oder auch die Bestattungskultur der slawischen Besiedler dokumentieren“, wie Susanne Schöne erläutert. Warum das so ist?

„Die Wallanlagen wurden zumeist auf Felsen errichtet, die fest und kompakt in der Landschaft stehen und sich so bis heute als markante Punkte erhalten haben. Die Dörfer und Grabanlagen hingegen sind im Laufe der Zeit verfallen und kaum noch auffindbar.“ Anders als beispielsweise in Polen darf in Sachsen nicht „aufs Geratewohl“ gegraben werden, auch nicht vonseiten der offiziellen Archäologie. Grabungen erfolgen in der Regel nur im Vorfeld von Baumaßnahmen. Das so gewonnene Bild enthält zwar viele interessante Einzelstücke, ist aber sehr lückenhaft. Doch wie lässt sich dieses Dilemma auflösen?

Bodenerkundung aus der Luft

Ein Ansatz besteht in der Erkundung aus der Luft: „Die im Zuge der Besiedlung oder ihrer Aufgabe erfolgten Bodenbewegungen führen bis in die heutige Zeit zu Veränderungen in der Bodenstruktur und nachfolgend zu Veränderungen im Bewuchs“, so Susanne Schöne. Diese lassen sich von der Erde aus in der Regel nicht feststellen, wohl aber aus der Luft – schließlich hat Maria Reiche die Linien von Nazca auch erst durch Befliegungen entdecken können. Genau solche führt auch das Landesamt durch und hat dadurch bereits interessante Befunde erhalten: „An einigen Stellen zeichnen sich sogar deutliche Gebäudegrundrisse ab.“ Diese Stellen genauer unter die Lupe zu nehmen, dürfte einen wichtigen Beitrag zum Verständnis der slawischen Besiedlung leisten.
Einen weiteren Aspekt der Forschungen stellt Peter Knüvener, Leiter des Stadtmuseums Zittau, dar: „Es gibt noch viele offene Fragen zum Oberlausitzer Sechsstädtebund. Außer der Hanse gibt es in Deutschland kein weiteres Bündnis, das sich so wie er im regionalen Bewusstsein erhalten hat.“

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Sechsstädtebund gibt noch Rätsel auf

Die derzeitigen Lehrmeinungen über den Bund, dem auch Kamenz angehörte, entstanden bereits in früheren Jahrhunderten, neuere Forschungen gibt es kaum. Das will Peter Knüvener gern ändern: „Uns interessiert vor allem, warum der Sechsstädtebund – anders als fast alle anderen mittelalterlichen Städtebündnisse – so lange (von 1346 bis 1815, d.Red.) gehalten hat. Vielleicht kann man ja daraus auch etwas für die heutige Zeit lernen.“ Das Projekt „1000 Jahre Oberlausitz – Menschen, Burgen, Städte“ wird von der Europäischen Union aus Mitteln des Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung im Rahmen des Kooperationsprogramms „IINTERREG Polen-Sachsen 2014-2020“ finanziert.

Uwe Menschner / 27.07.2020

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