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Streit ums Essen köchelt weiter

Streit ums Essen köchelt weiter

Für die Frühstücksversorgung gibt es jetzt in der Mückaer Schulküche verschiedene Sorten Müsli, dazu Obst, Milch und Joghurt. Tina Bruchmann, Köchin Carla Thiele und Inhaberin Eva-Maria Ertel hoffen in Zukunft auf viele zufriedene Esser. | Foto: fu

Mücka. Die Wogen haben sich nach dem Engagement von Starkoch Frank Rosin in Mücka noch längst nicht geglättet. Vor allem in der Schulküche fühlt man sich ungerecht behandelt. Und die Art des gegenseitigen Umgangs wird kritisiert.

In dem kleinen Ort nahe Niesky ist nach dem Besuch von Frank Rosin eigentlich nichts mehr wie es war. Zwar geht es „nur“ um die Qualität des Essens, das in der Schulküche der Comenius-Oberschule angeboten wird. Doch gerade dieser Fakt scheint nicht nur die Schülerschaft, sondern den ganzen Ort zu spalten. „Einer redet über den anderen, statt miteinander ins Gespräch zu kommen“, kritisiert Betreiberin Eva-Maria Ertel. Sie ist sehr traurig darüber, wie sich die Dinge entwickelt haben. Wobei vieles, meint sie, anders hätte laufen können, wenn man sie und ihr Küchenteam besser und eher mit einbezogen hätte.

„Natürlich“, sagt Tina Bruchmann, „gab es in den vergangenen Monaten immer wieder mal Beschwerden. Das ist in einer Kantinenversorgung aber nichts Unnormales. Mit einer begrenzten Zahl von Menüs kann man es nun einmal nicht allen recht machen.“ Das aber die Unzufriedenheit derart groß gewesen sei, um gleich Fernsehkoch Frank Rosin zu engagieren, „das war uns in dieser Deutlichkeit nicht bekannt“, erzählt die junge Frau, die ihrer Schwiegermutter bei den Büroarbeiten den Rücken frei hält. „Vor über einem Jahr gab es schon mal eine Zusammenkunft, bei der sich die Schüler eine gesündere Frühstücksversorgung wünschten.

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Und sie zählten das Beispiel Subway auf. Als wir uns daran orientierten, war das Interesse aber gar nicht da.“ Um den Beschwerden nachzugehen, habe man ein so genanntes Verkostebuch geführt. „Konkrete Dinge wurden hier nie eingetragen“, moniert Eva-Maria Ertel. Und das bei täglich zwei Menüs, dazu mittags zusätzlichen Imbissangeboten wie Bockwurst, Hamburger und Pommes. Zum Frühstück gab es belegte Brötchen.

Gerade das Fast Food-Sortiment aber war es wohl, was den Verfechtern der gesunden Ernährung ein Dorn im Auge war. Deshalb rückte Frank Rosin auf Einladung von Schuldirektor Torsten Weiß an und versuchte, frischen Wind in die Küche zu bringen. Sichtbar wurde das in den Veränderungen an der Theke, spürbar sollte es durch frisch zubereitete Gerichte werden. Einen Essenplan für vier Wochen habe man hinterlassen, hieß es beim Abzug der Rosin-Crew.henchefin und ihre Schwiegertochter. „Wobei sich diese Gerichte sehr an den Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) orientieren, die jeder im Internet nachlesen kann.“ Unabhängig davon habe man auch schon vor dem Engagement des Fernsehkochs mit frischen Zutaten gearbeitet.

20 Prozent Frischgemüse seien – je nach Jahreszeit – immer dabei gewesen. „Wobei ja auch Tiefkühlprodukte qualitativ hochwertig sind“, ergänzen die beiden Frauen. „Wir haben uns gegen die angedachten Veränderungen nicht quer gestellt, sondern versucht, die Dinge auf Nachhaltigkeit und Realisierungsfähigkeit zu prüfen. Das braucht aber Zeit und ist nicht in einer Hauruck-Aktion zu machen.“

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Schon gar nicht, da Eva-Maria Ertel dauerhaft herzkrank ist und gerade an bewusstem Freitag, als es darum ging, die Küche nach den Umbauarbeiten wieder kochfein zu machen, eine schwere Attacke überstehen musste. „Mir ging es auch die nächsten beiden Tage noch nicht so gut, dass ich in der Küche ein Coaching-Wochenende hätte absolvieren können.“

Was aber zu verschmerzen gewesen sei, denn ihre gut ausgebildeten Köche könnten die Vorgaben der DGE auch so umsetzen. Demnach gibt es jetzt nicht mehr zwei gleich preiswerte Gerichte pro Tag, die nach der Mischkalkulation 2,80 Euro kosteten, sondern ein günstiges und ein preisintensiveres Essen in einer Spanne von 2,00 bis 4,60 Euro. „Gebracht hat uns das bisher aber nichts.

Im Gegenteil: Die Zahl der Mittagsschüler ist um etwa 20 zurückgegangen“, resümiert Tina Bruchmann. Insgesamt bereite das Unternehmen täglich rund 280 Essen zu – nicht nur für die Comenius-Oberschule Mücka, sondern auch für die Grundschule Kreba, die Kindertagesstätten in Mücka, Sproitz und Kreba sowie für Betriebe, Senioren und andere Interessenten. „Bei dieser Vielzahl ist es klar, dass man über den Vormittag verteilt kochen muss. Der erste Schwung für die Kitas geht um 9.00 Uhr raus, danach werden die Portionen zeitnah für die beiden Schulen zubereitet.“

Am Stammsitz in Mücka – dort, wo die Oberschüler versorgt werden – wurde inzwischen das komplette Imbiss-Sortiment gestrichen. Bockwurst, Hamburger oder Pommes gibt es hier nicht mehr. Wer selbst kein Mittagessen bestellt hat oder es sich nicht leisten kann, muss entweder durchhalten oder weicht auf einen Asia-Stand um die Ecke aus. Den wird man wahrscheinlich nicht zum gesunden Kochen bekehren können.

Trotzdem: „Die Sache hat auch etwas Gutes mit sich gebracht – wir haben viele neue Gerichte kennen gelernt. Außerdem arbeiten wir jetzt mit einer Ernährungsberaterin zusammen“, gewinnt Eva-Maria Ertel dem Rosin-Gastspiel etwas Positives ab. Das vom Starkoch wegen der unterschiedlichen Menüpreise angeregte neue Bezahlsystem wird es vorerst aber nicht geben. „Für diese Investition brauchen wir Planungssicherheit. Da sich meine Schwiegermuter zum 1. Januar 2017 aus der Firma zurückziehen wird, müssen wir erst die Entscheidung der Gemeinde abwarten, ob sie das Objekt danach an mich und meinen Mann verpachtet“, stellt Tina Bruchmann klar.

Die beiden Frauen wünschen sich, dass in Zukunft wieder mehr mit- als übereinander geredet wird. Auch weil sie wissen, dass mit der Ausstrahlung des Mückaer Beitrages von „Rosins Kantinen“ am Dienstag, 1. Dezember, 20.15 Uhr, auf Kabel eins, das Thema noch einmal neue Nahrung bekommen wird.

Frank-Uwe Michel / 15.11.2015

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Kommentare zum Artikel "Streit ums Essen köchelt weiter"

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

  1. Erhard Jakob schrieb am

    Es gibt immer welche, die am Essen was zu meckern haben! Insbesondere Menschen, die gar nichts mit
    der Essenverpflegung zu tun haben!

  2. Eva schrieb am

    Bei aller Liebe, die Damen haben sich im Beruf verwählt.

  3. susi sorglos schrieb am

    Die Damen hätten alle ausgetauscht werden müssen.
    Das war Arbeitsverweigerung...

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