20.07.2012
BAUTZEN
Junge Frau startet fast ganz allein durch
MONIKA LENZ

Corina Metzner hat ihren Optimismus nicht verloren. Am 1. August will sie den neuen Lebensmittelmarkt in Schirgiswalde auf der Hauptstraße 5 eröffnen. | Monika Lenz

Wenn Corina Metzner am 1. August ihren Lebensmittelmarkt in Schirgiswalde eröffnet tut sie das trotz der Unternehmenspolitik der sächsischen Regierung und  nicht wegen. Denn die Steine, die ihr in den Weg gerollt wurden, hätten sich im Nochtener Findlingspark nicht verstecken müssen.

Dass sie es tut, daran lässt sie keinen Zweifel. "Der 1. August steht", sagt sie und lächelt. Das war alles andere als sicher, als sie begann, sich mit diesem Gedanken zu tragen. Im März erfuhr sie, dass der Betreiber des derzeitigen Lebensmittelmarktes in den Ruhestand gehen wolle. Eine gute Ausgangsposition für sie, aus der Arbeitslosigkeit heraus zu kommen, dachte sich Corina Metzner und entschied sich, selbständig zu werden.
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Die nötige Starthilfe dafür wollte sie gern über einen Existenzgründerzuschuss des Arbeitsamtes erhalten.
Doch die Sachbearbeiterin sagte nein. "Das gehe gar nicht, dass ich ein Geschäft aufmache, meinte sie zu mir, und war total dagegen", erinnert sich Corina Metzner. Grundsätzliche Ablehnung sei ihr entgegen geschlagen, Informationen zu Fördermöglichkeiten habe sie gar keine erhalten. "Ich musste mich mühsam selbst durchfragen und telefonieren", erzählt sie.

Ihr nächster Versuch war das Programm "Gründungsberatung" aus der Mittelstandsrichtlinie. Das Problem: Die Beratung musste sie komplett vorfinanzieren. Geld, das sie dringend für das Geschäft benötigt hätte. Schließlich kam Corina Metzner auf die Idee, eine Förderung für die 52-jährige Verkäuferin zu beantragen, die andernfalls arbeitslos geworden wäre. Ein offenbar verwegener Gedanke. Denn auch hier lehnte die Agentur für Arbeit ab. Die Frau sei problemlos vermittelbar, Förderung gebe es darum nicht.

Wo andere aufgegeben hätten, suchte die junge Frau weiter nach einer Lösung. Und schließlich fand sie sie - in ihrer Familie und einer regionalen Bank, die bereit war, den nötigen Kredit zu gewähren. "Meine Mutter hat ihr Haus als Sicherheit gegeben, meine Schwiegereltern haben ganz viel unterstützt", erzählt Corina Metzner.

"Ohne diese Hilfe hätte sie ihre Pläne wohl vergessen können", bestätigt ihr Berater Torsten Menzel. Für die Eröffnung am 1. August hat Corina Metzner bereits den "Kaffeesachsen" engagiert und eine Weinverkostung organisiert. Ab zehn Uhr wird gefeiert. "Die Leute sollen auch sehen, dass da was los geht", meint sie und lacht.
Zuvor allerdings muss noch das Geschäft im ehemaligen Schleckermarkt eingerichtet werden. "Ich werde zusätzlich zu den Lebensmitteln Drogerieartikel anbieten. Denn da gibt es ja nun gar nichts mehr im Ort", sagt sie.

Was sie außerdem tun wird: den Service ihres Vorgängers fortführen. Dort konnten die Kunden einkaufen, bezahlen und bekamen später die vollen Taschen nach Hause geliefert. Corina Metzner geht sogar einen Schritt weiter. Bei ihr kann man telefonisch bestellen und bekommt die Ware ins Haus. Innerhalb der umliegenden Orte, bis Neukirch, Sohland und Weifa. "Alles, was auf dem Weg liegt", verspricht sie und lacht. Denn das Lachen konnte ihr keiner nehmen. Nicht einmal die Förderpraxis im Freistaat.

Kommentare zu

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

Gücklicherweise hat Frau Menzel aber eine Monopolstellung mit ihrem kleinen "Kolonialwarenhandel" abseits der großen sich gegenseitig die Kunden wegschnappenden Großeinkaufszentren der Städte.Die Großeinkaufszentren kriegen dadurch weniger Kunden,da hier bei Frau Menzel zukünftig dieselbe Ware zum fast gleichen Preis oder sogar darunter angeboten wird wie in den Mega-Shops.Wieso kann denn die "ARGE" und der Staat so ein Zukunftshandelsmodell nicht fördern ?

Liebe User, wir möchten an dieser Stelle um etwas mehr Sachlichkeit bitten. Im Artikel geht es zunächst um den Mut einer jungen Frau, etwas auf die Beine zustellen. Dabei gab es auch Probleme. Allerdings werden wir weitere Kommentare zu weltweiten Untergangstheorien nicht freischalten.

Weiterhin bitten wir unsere User nicht stündlich neue Kommentare mit gleichem Inhalt zu einem Thema abzusenden. Besser wäre ein Kommentar mit allen wichtigen Fakten.

Kommentare werden dann am häufigsten angeklickt, wenn diese kurz und würzig sind. Viel Text und wenig Aussage bringt hier keinem was.

Vielen Dank

BRAVO @Lars Michel ! Ihr Statement kann ich voll und ganz unterschreiben. Der Beamten- und Bürokratenstaat Deutschland zeigt seine Fratze bis in die inkompetente, bzw. unqualifizierte ALG.Amtsstuben, wo Leute sitzen, welche von unternehmerischem Denken, Wirtschaft, etc. null Ahnung haben. Und die werden dann auf die Geselllschaft losgelassen, finanziert ebenfalls mit unseren Steuergeldern - tragisch!

also RESPEKT für Frau Metzner...durfte ähnliche erfahrungen mit der arge machen, hab eine dienstaufsichtsbeschwerde eingereicht und siehe da auf einmal wurde vieles möglich, die arge sollte mal kompetente bearbeiter, also keine oberflächigen u. voreingenommene zicken auf die los lassen, die alles in kauf nehmen um endlich wieder arbeit zu haben!!! zieh den hut vor den frauen die sich nichts gefallen und einschüchtern lassen, die von der arge sind auch nicht vor arbeitslosigeit geschützt, das blatt kann sich so schnell wenden, also corina, viel erfolg, komm sicher mal einkaufen :-)

Warum eigentlich wird Selbständdigkeit in den grenznahen Bereichen sowenig gefördert und wieso ist der Raum in Richtung Ostgrenzen so wenig mit größerer Wirtschaftsansiedlung positioniert ? Sind das Urängste vor eventuellen Veränderungen ? Wird hier diese Grenzregion bewußt entvölkert ? Denn normalerweise müßte doch seit über 20 Jahren massiv gegengesteuert werden.Wird aber nicht.Griechenland,Italien,Spanien,Portugal etc kriegen anständig Geld,aber nach Ostsachsen,Ostbrandenburg und Ostmecklenburg fließt im Gegenzug keine solche Wirtschaftshilfe.Liegt das daran,weil hier keine Südfrüchte wachsen,kein Öl und Ergas und sonstige Bodenschätze vorhanden sind ? Wird dieses Land bewuß in diesem Zustand gehalten ?
Soll die Region nur als Reservoir von "nachwachsenden" Arbeitskräften für die Wirtschaft und Industrie in westdeutschen Bundesländern bewußt wirtschaftlich am Boden gehalten werden ? Damit die Menschen in die Industriegebiete nach Westdeutschland "freiwillig" abwandern ? Denn wer würde in diese Wirtschftsgebiete hinwandern,wenn sie oder er hier vor Ort das gleiche Geld für gleiche Arbeit erhielte.Dann hätten die westdeutschen starken Wirtschaftsländer ja gewaltige Probleme.
Also muß in der Niederhaltung des wirtschaftlichen Aufschwunges in den genannten Ostregionen wie auch der Lausitz doch ein System stecken.Wenn alles nach Westen drängt,holt sich doch die Natur irgendwann hier alles zurück oder ?



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