Wenn Corina Metzner am 1. August ihren Lebensmittelmarkt in Schirgiswalde eröffnet tut sie das trotz der Unternehmenspolitik der sächsischen Regierung und nicht wegen. Denn die Steine, die ihr in den Weg gerollt wurden, hätten sich im Nochtener Findlingspark nicht verstecken müssen.
Dass sie es tut, daran lässt sie keinen Zweifel. "Der 1. August steht", sagt sie und lächelt. Das war alles andere als sicher, als sie begann, sich mit diesem Gedanken zu tragen. Im März erfuhr sie, dass der Betreiber des derzeitigen Lebensmittelmarktes in den Ruhestand gehen wolle. Eine gute Ausgangsposition für sie, aus der Arbeitslosigkeit heraus zu kommen, dachte sich Corina Metzner und entschied sich, selbständig zu werden.
Die nötige Starthilfe dafür wollte sie gern über einen Existenzgründerzuschuss des Arbeitsamtes erhalten.
Doch die Sachbearbeiterin sagte nein. "Das gehe gar nicht, dass ich ein Geschäft aufmache, meinte sie zu mir, und war total dagegen", erinnert sich Corina Metzner. Grundsätzliche Ablehnung sei ihr entgegen geschlagen, Informationen zu Fördermöglichkeiten habe sie gar keine erhalten. "Ich musste mich mühsam selbst durchfragen und telefonieren", erzählt sie.
Ihr nächster Versuch war das Programm "Gründungsberatung" aus der Mittelstandsrichtlinie. Das Problem: Die Beratung musste sie komplett vorfinanzieren. Geld, das sie dringend für das Geschäft benötigt hätte. Schließlich kam Corina Metzner auf die Idee, eine Förderung für die 52-jährige Verkäuferin zu beantragen, die andernfalls arbeitslos geworden wäre. Ein offenbar verwegener Gedanke. Denn auch hier lehnte die Agentur für Arbeit ab. Die Frau sei problemlos vermittelbar, Förderung gebe es darum nicht.
Wo andere aufgegeben hätten, suchte die junge Frau weiter nach einer Lösung. Und schließlich fand sie sie - in ihrer Familie und einer regionalen Bank, die bereit war, den nötigen Kredit zu gewähren. "Meine Mutter hat ihr Haus als Sicherheit gegeben, meine Schwiegereltern haben ganz viel unterstützt", erzählt Corina Metzner.
"Ohne diese Hilfe hätte sie ihre Pläne wohl vergessen können", bestätigt ihr Berater Torsten Menzel. Für die Eröffnung am 1. August hat Corina Metzner bereits den "Kaffeesachsen" engagiert und eine Weinverkostung organisiert. Ab zehn Uhr wird gefeiert. "Die Leute sollen auch sehen, dass da was los geht", meint sie und lacht.
Zuvor allerdings muss noch das Geschäft im ehemaligen Schleckermarkt eingerichtet werden. "Ich werde zusätzlich zu den Lebensmitteln Drogerieartikel anbieten. Denn da gibt es ja nun gar nichts mehr im Ort", sagt sie.
Was sie außerdem tun wird: den Service ihres Vorgängers fortführen. Dort konnten die Kunden einkaufen, bezahlen und bekamen später die vollen Taschen nach Hause geliefert. Corina Metzner geht sogar einen Schritt weiter. Bei ihr kann man telefonisch bestellen und bekommt die Ware ins Haus. Innerhalb der umliegenden Orte, bis Neukirch, Sohland und Weifa. "Alles, was auf dem Weg liegt", verspricht sie und lacht. Denn das Lachen konnte ihr keiner nehmen. Nicht einmal die Förderpraxis im Freistaat.
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