11.02.2012
ALTBERNSDORF
Bürgerinitiative stellt Bodengutachten in Frage
REDAKTION

Wiederholt hatten Anwohner im Umfeld der Eigenschen Trocken- und Umwelttechnik (ETU) GmbH in Altbernsdorf über eventuelle Bodenverunreinigungen durch den Umgang mit festen Abfällen im Unternehmen in den zurückliegenden drei Jahren ihre Besorgnis geäußert.

Deshalb wurde im Dezember 2011 vom Umweltamt des Landkreises Görlitz eine Überprüfung des Bodenzustandes im nahen Umfeld des Anlagenstandortes unter Berücksichtigung der Spezifik der Betriebsweisen der Anlagen durch einen unabhängigen Sachverständigen veranlasst. Die Ergebnisse der untersuchten Bodenproben ergaben keine Anhaltspunkte für schädliche Bodenverunreinigungen im Umfeld des Anlagenstandortes in Altbernsdorf. Ebenso ist eine signifikante Erhöhung der Schadstoffbelastung des Bodens verglichen mit der Situation vor Inbetriebnahme der Anlage zur Zwischenlagerung von Abfällen und zur Behandlung von ausgewählten Abfällen im Jahre 2009 nicht nachweisbar.
ANZEIGE



Für die analytischen Untersuchungen wurden sechs Mischproben aus der obersten Bodenschicht um den Anlagenstandort herum gewonnen. Mit den Laboruntersuchungen wurden dann jeweils die Feststoffgehalte der Schadstoffe Arsen, Blei, Cadmium, Chrom, Kupfer, Nickel, Quecksilber und Zink sowie die organischen Parameter ermittelt. Zur Beurteilung der gemessenen Schadstoffgehalte werden die Vorsorgewerte für Boden nach dem Bundesbodenschutzgesetz der Bundesbodenschutzverordnung herangezogen.

Entsprechend dieser bodenschutzrechtlichen Vorgabe besteht bei einer Unterschreitung der mit den Vorsorgewerten festgelegten Schadstoffgehalte keine Besorgnis einer schädlichen Bodenveränderung. Da für den Parameter Arsen kein Vorsorgewert festgelegt ist, wird hier die regional übliche Hintergrundbelastung (Quelle: umwelt.sachsen.de/lfulg) als Vergleich herangezogen.
Die Wahl der Beprobungspunkte, die Art der Probenahme (Entnahmetiefe, Herstellung von Mischproben) sowie die chemisch-analytischen Untersuchungsmethoden bis hin zum ausführenden Untersuchungslabor erfolgten durch den Gutachter entsprechend den Vorgaben und dem Erfordernis der Vergleichbarkeit mit vorhandenen Ausgangswerten des Oberbodens aus dem Jahr 2009, welche im Zusammenhang mit der Inbetriebnahme der Anlage zur Zwischenlagerung von Abfällen und zur Behandlung von ausgewählten Abfällen im Auftrag der ETU GmbH im Umfeld des Anlagenstandortes von einem Gutachter erfasst und dokumentiert wurden.Aus allen erhaltenen Untersuchungsergebnissen lässt sich ableiten, dass die Messwerte für Arsen im Bereich der Hintergrundbelastung liegen und die anderen Messwerte die Vorsorgewerte für Boden unterschreiten bis auf einen Messwert für Cadmium an einer Probenahmestelle. Dieser eine Messwert liegt übereinstimmend mit dem entsprechenden Messwert aus dem Jahr 2009 nur geringfügig über dem Vorsorgewert, jedoch weit unter dem Besorgniswert. Aus fachlicher Sicht handelt es sich dabei um einen lokalen Einzelbefund, der keine schädliche Bodenveränderung darstellt. Weiterer Untersuchungsbedarf besteht  hier nicht.

Zusammenfassend wird festgestellt, dass ein Einfluss des Anlagenbetriebes der ETU GmbH seit 2009 auf die Beschaffenheit des Oberbodens im Anlagenumfeld nicht erkennbar ist und insgesamt die Besorgnis von schädlichen Bodenverunreinigungen im untersuchten Bereich unbegründet ist.
Nach Einschätzung der Bürgerinitiative "KEIN Giftmüll auf dem Eigen!" hat das Umweltamt damit aber seine Glaubwürdigkeit endgültig verspielt und auch Bernstadts Bürgermeister Lange schätzt die Auswahl des Gutachters als sehr kritisch ein.

Die Sprecherin der Bürgerinitiative "KEIN Giftmüll auf dem Eigen!", Astrid Günther-Schmidt, und Gunter Lange waren gemeinsam im Umweltamt, um sich die Unterlagen zu den ETU-Bodenproben anzuschauen. Entgegen der öffentlichen Ankündigung gewährte die Behörde ihren Auskünften nach lediglich Einsicht in einen Teil der Akten.

Danach stellt sich die Situation für sie wie folgt dar: Im Dezember 2011 nahm ein durch das Landratsamt Görlitz beauftragtes Ing.-Büro Bodenproben rund um das Betriebsgelände der Altbernsdorfer ETU GmbH und erstellte ein Gutachten. Der Untersuchungsauftrag umfasste die Suche im Boden nach diversen Schwermetallen, alles Substanzen, die regelmäßig in den bei der Abfallfirma gelagerten und "behandelten" gefährlichen Abfällen vorhanden sind.

Auf beprobten landwirtschaftlichen Nutzflächen, die in der Hauptwindrichtung liegen, stieg die nachgewiesene Cadmium-Belastung in der Zeit von 2009 bis 2011 um rund 16 Prozent an. Wikipedia vermerkt  zum Stichwort "Cadmium" unter anderem  folgenden Eintrag:  "Cadmium ist als "sehr giftig" und seine Verbindungen von "gesundheitsschädlich" ... über "giftig" ... bis "sehr giftig" eingestuft; außerdem besteht begründeter Verdacht auf krebsauslösende Wirkung beim Menschen.

Eingeatmeter cadmiumhaltiger Staub führt zu Schäden an Lunge, Leber und Niere." Besonders empört sind BI-Sprecherin Günther-Schmidt und Bürgermeister Gunter Lange darüber, dass das vom Umweltamt beauftragte Ing.-Büro bereits im Jahr 2009 im Auftrag der ETU GmbH einen ähnlichen Auftrag erhalten hat und 2011 an der Erstellung des TKK-Antrages auf Errichtung und Betrieb der neuen TKK-"Deponie im Forst" beteiligt war. Die TKK-Deponie Kodersdorf gehört laut Bürgerinitiative zum gleichen Firmenverbund wie die ETU GmbH; beide Unternehmen beschäftigen ihren Informationen nach die gleiche Geschäftsführerin und es gibt, wie Kleine Anfragen laut der Bürgerinitiative belegen, Geschäftsbeziehungen zwischen beiden Firmen."Damit kann das genannte Ing.-Büro von uns nicht als ,glaubwürdig'  unabhängiger Gutachter akzeptiert werden. Vielmehr sind wir besorgt, dass sich ein wirtschaftliches Interesse dieses Gutachter-Unternehmens am Fortbestand von ETU und TKK nicht ausschließen lässt", so der Bürgermeister und die BI-Sprecherin.
Der Eigentümer der landwirtschaftlichen Nutzflächen, auf denen 2009 und 2011 ein "bemerkenswerter" Cadmium-Wert, der auch noch angestiegen ist, nachgewiesen wurde, gehört von Anfang an der Bürgerinitiative "KEIN Giftmüll auf dem Eigen!" an.

Für ihn steht fest: "Die Altbernsdorfer Abfallfirma ist der einzige uns bekannte Ort, der als Cadmium-Emittent in dieser Gegend in Frage kommt. Darum erwäge ich nun, rechtliche Schritte sowohl gegen das Umweltamt als auch gegen das Abfallunternehmen einzuleiten –  auch, um später gegebenenfalls Schadenersatzansprüche geltend machen zu können."

Astrid Günther-Schmidt und Gunter Lange fordern  das Landratsamt jedenfalls auf, "unverzüglich einen tatsächlich neutralen Gutachter mit der Erstellung eines Boden- Gutachtens zu beautragen und den Untersuchungsauftrag insofern zu erweitern, als auch die Straßenränder rund um die ETU GmbH, der Weißbach und Privatgrundstücke in der Nachbarschaft der Abfallfirma in die Analyse einbezogen werden."

Das besagte Thema hält schon seit einigen Jahren die Bürger von Altbernsdorf und der Umgebung in Atem ("Oberlausitzer Kurier" berichtete).


WAS MEINEN SIE? SCHREIBEN SIE IHRE MEINUNG



Sicherheitscode:

Bitte geben Sie oben
stehenden Code hier ein*:


*Pflichtfelder

Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name, Ihre Email-Adresse und die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, von uns im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Die Email-Adresse und die IP-Adresse werden natürlich nicht veröffentlicht oder weiter gegeben. Weitere Informationen zum Datenschutz bei alles-lausitz.de finden Sie hier. Bitte lesen Sie unsere Netiquette.




Wetter

Für die Wettervorschau benötigen Sie den freien Adoble Flash Player, den Sie hier laden können.

Meistgeklickt


Für jeden Ort ein Bürgerpolizist
Die Polizeireform nimmt nach und nach auch im Landkreis Bautzen Gestalt an. Wie Conny Stiehl, Leiter der Polizeidirektion Oberlausitz-Niederschlesien ... mehr

Haus verschwindet
Im Zittauer Stadtteil Ost wird derzeit ein weiterer Wohnblock abgebrochen. Ein Bagger ist dabei, das schon seit Wochen leer stehende Gebäude nach und... mehr

"Kassandra des Ostens" warnt erneut
Sagen sich in der Oberlausitz bald wirklich nur noch die Wölfe und Füchse gute Nacht? Ein im Dezember 2011 erschienenes Zeitungsinterview mit... mehr

Prügel und familiärer Terror
Wegen des Vorwurfs der Beleidigung musste sich eine 62-jährige Ebersbacherin vor dem Löbauer Amtsgericht verantworten. Ihr wurde zur Last gelegt... mehr

Löbau lockte mit Konvent'a und Maschinenhaustagen
Zwei große Ereignisse zogen am vergangenen Wochenende die Menschen aus nah und fern nach Löbau. OberlausitzTV Zum einen die Leistungs- und... mehr

Görlitzer Stadthalle wird in abgespeckter Form saniert
mit 3 Kommentaren

Die Görlitzer Stadthalle wird jetzt doch in einer "abgespeckten" Variante saniert. Der Stadtrat hat auf seiner jüngsten Sitzung dem Vorschlag der... mehr

"Kassandra des Ostens" warnt erneut
mit 2 Kommentaren

Sagen sich in der Oberlausitz bald wirklich nur noch die Wölfe und Füchse gute Nacht? Ein im Dezember 2011 erschienenes Zeitungsinterview mit... mehr

Oybiner Ritterspiele: Claudia Gaebel als "Marte"
mit 1 Kommentar

Claudia Gaebel spielt bei den Oybiner Ritterspielen auf der Naturbühne Oybin in dem Stück "Martes Lied" die Hauptrolle "Marte". Die Darstellerin stand... mehr

Prügel und familiärer Terror
mit 1 Kommentar

Wegen des Vorwurfs der Beleidigung musste sich eine 62-jährige Ebersbacherin vor dem Löbauer Amtsgericht verantworten. Ihr wurde zur Last gelegt... mehr

Umfrage der Woche: Kernkraftwerke abschalten?
mit 100 Kommentaren

In der vergangenen Woche wollten wir von Ihnen wissen, was Sie vom Streik der Gewerkschaft Deutscher Lokführer (GDL) halten? Finden Sie es richtig... mehr


Anzeige
Neue Kommentare
um 13:54 von Lars Michel in
Viele Stars beim Oppacher Brunnenfest

um 14:02 von redaktion in
Viele Stars beim Oppacher Brunnenfest

um 13:47 von Klaus Pfeiffer in
Viele Stars beim Oppacher Brunnenfest

um 19:48 von Thomas Liebsch in
Oybiner Ritterspiele: Claudia Gaebel als...

Webcam Löbau

Polizeimeldungen

Oderwitz:
Raub im Norma-Markt aufgeklärt
Die Polizei hat den Raubüberfall auf einen Norma-Markt in Oderwitz aufgeklärt. Am 19. April gegen 20.00 Uhr hatten zwei Tatverdächtige - eine Frau und

Neißeaue, OT Zentendorf:
Granatenfund nahe Kulturinsel
Als ein Waldbesitzer Dienstagmittag in seinem Forst nach dem Rechten sah, machte er einen ungewöhnlichen Fund: zwei 25 cm lange Werfergranaten

Radeberg:
Bussard griff einen Jogger an
Ein 39-jähriger Jogger betätigte sich am gestrigen Nachmittag sportlich und joggte im Bereich der Kläranlage Radeberg. Dieses missfiel offensichtlich

Zittau / Lohmen:
Öffentlichkeitsfahndung nach EC-Karten-Betrüger
Ein bisher unbekannter Täter entwendete zu einer nicht genau bestimmbaren Zeit vor dem 25.02.2012 die EC-Karte der 34-jährigen Geschädigten. Im

Görlitz:
Einbrüche in Kitas
Als am Montagmorgen die ersten Kinder ihre Tagesstätte auf der Cottbuser Straße aufsuchten, stellten sie fest


Beilagen

Web 2.0
Folge uns bei