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Olaf Hais inszeniert Disneydrama neu

Olaf Hais inszeniert Disneydrama neu

Darstellerin Fiona Piekarek-Jung brachte Regisseur Olaf Hais selbst auf die Idee, die Rolle zu übernehmen. Fotos: DSVT

Bautzen. Das Theaterstück wird noch nicht sehr vielen Bautzenern bekannt vorkommen. Es feierte im Februar seine Premiere; doch nach nur vier Vorstellungen war erst einmal Schluss. Aus personellen Gründen konnte das Zwei-Personen-Stück nicht bis zum Ende der Spielzeit aufgeführt werden.

Aber es sollte nicht in der Schublade verschwinden, obwohl einer der Darsteller, Diego Carlos Seyfarth, inzwischen das Deutsch-Sorbische Volkstheater in Richtung seiner alten Heimat Peru verlassen hat. Nun stand Regisseur Olaf Hais, der auch das Erfolgs-Stück „Tschick“ in Bautzen inszenierte, vor einem Problem: „Es entstand die seltene Konstellation, in der es als die günstigste Variante galt, wenn ich selbst seine Rolle übernehme.“ Seine Partnerin im Stück, Fiona Piekarek-Jung, bestärkte ihn darin.

Nun schlüpft der Schauspieler, der auch durch Charakterrollen wie Egon Olsen im Sommertheater oder dem sehr authentischen Richter in Schirachs Erfolgsstück „Terror“ bekannt ist, selbst in die männliche Hauptrolle und ist sich seiner Doppelaufgabe bewusst: „Es ist eine ganz schöne Herausforderung. Aber der Mensch wächst ja bekanntlich mit seinen Aufgaben. Ich springe jetzt also in das von mir geschaffene Gerüst. Trotzdem braucht jeder Schauspieler ein Korrektiv von außen. Da bin ich sehr auf den Teamgeist meiner Kollegen angewiesen,“ erklärt der Regisseur und Schauspieler.

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Ab Donnerstag, 10. November, 19.30 Uhr, wird „Träume werden Wirklichkeit“ von Autor Christian Lollike nun wieder im Burgtheater zusehen sein – allerdings werden sich einige Schwerpunkte etwas verschieben. Bereits nach der Premiere Anfang des Jahres polarisierte das Stück die Zuschauer. Die Handlung trägt teilweise sehr skurrile Züge:

Zwei Personen, A und B, möchten ausbrechen aus ihrer festgefahrenen Lebensbahn. Ihnen fehlt etwas: ein Sinn im Leben – ein ich. Sie spüren, dass sie etwas ändern müssen, um glücklich zu werden. Mit Entsetzen stellen sie fest, dass sie sich keine andere Welt mehr vorstellen können als die, die ihnen von Disney suggeriert wurde. Sie fassen einen Entschluss: Sie schaffen sich ihr eigenes „Disneydrama“.

„Christian Lollike vertritt die Auffassung, dass wir depressiv werden, wenn wir versuchen, Träume zu leben, die gar nicht lebensfähig sind. Er setzt die elementaren Erfahrungen unserer Kindheit in Beziehung zum Heute und kratzt damit an den Glaubenssätzen und Grundfesten der erwachsenen Persönlichkeit“, sagt Olaf Hais.
„Der Autor schafft eine sehr intelligente und bizarre Verbindung zwischen unseren innersten Seelenlandschaften und den großen weltpolitischen Auseinandersetzungen unserer Zeit, die uns streckenweise überfordern. Gleichzeitig beweist er, dass man über Depression durchaus auch Lachen kann. Das auf die Bühne zu bringen, ist sehr reizvoll.“

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Vor kurzem haben die Proben wieder begonnen. „Wie schon vor der Premiere im Februar haben wir wieder wenig Zeit. Wir beginnen, anders als sonst, mit reinen Textproben – ohne Bühnenbild. Wir lassen quasi die fertige Inszenierung im Kopf neu erstehen und besprechen Änderungen, die wir dann später umsetzen werden. Das spart Zeit und wir können uns gemeinsam mit der Souffleuse auf die Textarbeit konzentrieren. Am Ende haben wir nur ein paar Endproben, in denen sich dann alles „zusammenschieben“ muss. Aber ich bin drin im Stoff, weiß wie ich meine beiden Hauptdarsteller sehen wollte. Die Grundgeschichte bleibt natürlich erhalten – auch und besonders in ihren ernsten Momenten. Aber ich hoffe, dass wir die skurrilen und komödiantischen Momente weiter ausbauen können, so dass ein echtes Wechselbad der Gefühle entsteht.“, so Olaf Hais.

„Die Inszenierung soll das Publikum zum Nachdenken anregen, wie die Medienwelt uns heutzutage beeinflusst,“ so der Schauspieler mit der markanten Stimme. „Die Disneyfizierung unserer Gesellschaft schreitet unaufhörlich voran. Scheibchenweise in Salami-Taktik. Selbst beim Betreten eines Schreibwarenladens kann uns eine pink-rosarote Einkaufswand erschlagen. Industriell hergestellte Kultur raubt dem Menschen die Fantasie, übernimmt das Nachdenken für ihn, speist ihn mit Trivialitäten ab. Oft ein Tschernobyl des Geistes – aber verteufelt gut gemacht“.

Das Stück greift diese Thesen immer wieder auf und – es behauptet: Es gibt eine Alternative zu unseren derzeitigen kapitalistischen Gesellschaftsverhältnissen. Hochaktuell. „Eine psychologische Studie über die Auswirkungen unserer infantilisierenden, medialen Umwelt auf unsere Ich-Entwicklung. Skurril, humorvoll – am Ende voller Hoffnung“, schließt Olaf Hais ab.

Cornelia Fulk / 30.10.2016

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