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Ein Dorf kämpft für eine neue Wache

Ein Dorf kämpft für eine neue Wache

Ortsvorsteherin Sylvia Michel und die Kameraden der Baruther Ortswehr ringen seit Jahren um ein zeitgemäßes Gerätehaus. Fotos: RK

Von einer separaten Umkleide mit Waschmöglichkeit außerhalb der Fahrzeughalle können die Feuerwehrleute in Baruth derzeit nur träumen. Doch an diesem Punkt hört ihre Wunschliste noch nicht auf. Die Gemeinde Malschwitz wollte nach Jahren unzähliger Versprechungen zur Tat schreiten und Abhilfe schaffen. Doch auch dieser Anlauf scheint zum Scheitern verurteilt zu sein.

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Die Truppe um Ortswehrleiter Andreas Lehmann bemängelt schon seit Jahren unter anderem die beengten Zustände in der Fahrzeughalle. Dort müssen sich die Floriansjünger obendrein umziehen, was den heutigen Ansprüchen an ein Gerätehaus zuwiderläuft.

Malschwitz. Das Dach ist undicht. Feuchtigkeit hat sich im Mauerwerk eingenistet. Die Fahrzeuggarage beherbergt nicht nur das Löschauto, sondern auch die Umkleidespinde der Kameraden – und das auf engstem Raum. Seit über zwei Jahrzehnten machen die Ba- ruther Feuerwehrleute immer wieder auf mehrere Unzulänglichkeiten aufmerksam und darauf, dass ihr Domizil eine zeitgemäße Verjüngungskur benötigt. Mehrere Anläufe dafür gab es bereits. Nun aber droht auch der neueste Vorstoß ins Leere zu laufen. Die Einsatzkräfte sind sauer und selbst Ortsvorsteherin Sylvia Michel ringt um Fassung. „Mit Handschlag haben uns Vertreter der Landespolitik und auch des Kreises immer wieder versichert, sich für die Realisierung der Baumaßnahme einzusetzen.“

Schenkt man indes den Ausführungen der Gemeindeverwaltung Glauben, wird ausgerechnet vonseiten des Landratsamtes das Vorhaben nun torpediert. Hintergrund ist der: Die Kommune hatte in ihren Etat die benötigten Gesamtkosten für einen Neubau samt Garagenstellplatz und Sozialbereich bereits eingestellt – insgesamt rund 900.000 Euro verteilt auf zwei Jahresscheiben. „Zur Umsetzung des Projektes hätten wir eine Kreditaufnahme benötigt“, erklärte Bürgermeister Matthias Seidel auf Anfrage. „Das Rechts- und Kommunalamt lehnte jedoch bei der Vorprüfung des Haushalts diese ab.“ Dabei beließ es der Bürgermeister jedoch nicht: „Wenn die Kreditaufnahme nicht genehmigt wird, würde der gesamte Haushalt nicht genehmigt werden. Wir hätten an dieser Stelle eine Maßnahmenliste einreichen und beschließen müssen, wie wir die Fehlbeträge decken wollen. Indem wir den Haushaltsplan im Vorfeld eingereicht haben, sind wir den Schritt zuerst gegangen.“ Fest stehe: „Neben dem Gerätehaus müssen noch weitere Maßnahmen aus dem Etat gestrichen werden.“ Nach überstandener Zwangsverwaltung zählt Malschwitz laut seinen Angaben mittlerweile zu den Kommunen im Landkreis mit den niedrigsten Schulden. Daher ging er auch davon aus, dass die Kreisverwaltung die Ambitionen der Kommune unterstützen wird. „Das strikte Neuverschuldungsverbot macht uns hier jedoch zu schaffen.“ Als wenn das bezogen auf künftige größere Investitionen nicht schon schlimm genug wäre, setzte Matthias Seidel noch einen drauf: „Bei der derzeitigen Haushaltssituation ist es fraglich, wann überhaupt solche möglich sind.“ Obendrein mache sich die Corona-Krise bereits bemerkbar. Erste Steuerausfälle seien Realität.

Hingegen vertritt die Kreisverwaltung eine andere Auffassung. „Der Etat wurde nicht abgelehnt. Die Gemeinde wurde auf die Voraussetzungen für Kreditaufnahmen nach der Sächsischen Gemeindeordnung hingewiesen. Laut Haushaltsentwurf ist die Finanzierung von Investitionen aus vorhandenen Mitteln möglich“, betonte Behördensprecherin Cynthia Thor. Die in der Vergangenheit von der Kommune erwirtschafteten Abschreibungen sollen offenbar dafür herangezogen werden.

Sylvia Michel dürfte vor dem Hintergrund aus dem Kopfschütteln nicht mehr herauskommen. Sie erinnert sich noch an den Tag, als sie den planerischen Entwurf für den Neubau auf den Tisch gelegt bekam. Ein helles Gebäude mit veränderter Raumaufteilung. Seitdem verbindet sie damit die Hoffnung, einen Dorfgemeinschaftsraum unter dem Dach des Feuerwehrdepots zu erhalten. Da es im rund 450-Seelen-Dorf Baruth keinen Gasthof mehr gäbe, bleibe nur diese eine Möglichkeit für verschiedene Anlässe und Zusammenkünfte. Einen geeigneten Treffpunkt würden die Kameraden allein schon deshalb benötigen, da pro Jahr bis zu sechs Ausbildungsmaßnahmen durchgeführt werden, an denen auch die Floriansjünger der dazugehörigen Standortwehren Dubrauke, Buchwalde und Rackel teilnehmen – insgesamt 67 aktive Frauen und Männer sowie acht Jungen und Mädchen im Nachwuchsalter.

Eines ist ebenso Fakt: Selbst wenn die 14 aktiven Kameraden aus Baruth mit Abstand eine der ältesten Ortswehren im Landkreis Bautzen bilden, wollen sie deshalb nicht automatisch in historisch anmutenden Verhältnissen ihrem Ehrenamtsjob nachgehen. „Mit der Ausstattung lässt sich niemand hinterm Ofen hervorlocken“, spielte Sylvia Michel auf die Feuerwehrjugend an, die im benachbarten Rackel ihre Ausbildung bestreitet. „Dass der Nachwuchs danach zu uns in den Ort zurückkehrt und die Reihen der Baruther Wehr verstärkt, darauf können wir nur hoffen.“ Eine Gewissheit gibt es nicht.

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Ein Indiz für feuchtes Mauerwerk: Salpeter hat sich an zahlreichen Stellen des Gerätehauses ausgebildet. Laut Experten besteht beim Vorhandensein von Salzausblühungen eine Gefahr für die Bausubstanz.

Vielmehr wird bereits befürchtet, dass die Angelegenheit mit dem Gerätehaus ausgesessen werden könnte und unterm Strich gar nichts passiert. Dabei müsse doch gerade in Baruth, wo in den kommenden Jahren eine moderne Oberschule aus dem Boden gestampft werden soll, eine gut ausgerüstete Einsatztruppe da sein, so die 64-jährige Ortsvorsteherin. Mit Blick auf das fast bezugsfertige Feuerwehrgerätehaus in Kleinbautzen fügte sie verärgert hinzu: „Das dort ist eine überdimensionale Geschichte, die von oben aufdoktriert wurde.“ Für sie steht fest: „Wenn die Feuerwehr in Baruth stirbt, verschwindet ein Großteil des gesellschaftlichen Lebens.“ Gemeint ist damit die Organisation beziehungsweise Unterstützung verschiedener Veranstaltungen im Dorf, zu denen unter anderem das populäre Hexenbrennen, das Maibaumstellen, das Kinder- und das Herbstfest sowie die Absicherung des Weihnachtsmarktes zählen. Kampfeslustig schob Sylvia Michel deshalb hinterher: „Wir nehmen nicht alles hin, wir kümmern uns.“

Noch sind längst nicht alle Messen gelesen. Vielleicht reicht auch schon eine Spendenaktion aus, um den Stein ins Rollen zu bringen. Für alles weitere gibt es Fördertöpfe, auf deren Anzapfen auch schon die Kameraden selbst immer wieder gedrängt haben. Die Mitgliederzahlen seien dabei nur ein Beweis dafür, dass ein Neubau in Baruth keine „tote“ Investition darstellt, sondern für die weitere Zukunft notwendig ist, heißt es in einem von Ortswehrleiter Andreas Lehmann vorgelegten Papier, in dem die Vorstellungen seiner Kameraden aufgelistet sind. Aus diesem geht auch hervor, dass der Steigerturm möglichst zukünftigen Generationen erhalten bleibt. Er dient sowohl zum Trocknen der Schläuche als auch für Übungszwecke und ist das Wahrzeichen des Baruther Feuerwehrgerätehauses.

Dieses war Anfang der 1970er Jahre in Eigenarbeit von den damaligen Floriansjüngern errichtet worden. Außer dem Einbau eines Sanitärbereiches, der 1995 erfolgte, wurden an dem Bestandsgebäude seitdem keine größeren Sanierungsmaßnahmen vorgenommen.

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Roland Kaiser / 20.06.2020

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