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Familie Förster pflegt verletzte Wildtiere

Familie Förster pflegt verletzte Wildtiere

Heinz Förster von der Wildtierauffangstation Ebersbach kümmert sich hier liebevoll um einen verletzten Mäusebussard. Foto: Steffen Linke

Seit über 30 Jahren pflegt die Familie Förster am Schlechteberg in Ebersbach-Neugersdorf verletzte Wildtiere, um Mäusebussarde, Feldhasen, Rabenvögel, Greifvögel und Co. wieder gesund in die Freiheit zu „entlassen.“

Ebersbach-Neugersdorf. „1988 haben wir damit angefangen, als wir einen verletzten Mäusebussard gefunden haben. Seither werden es jährlich mehr Tiere, die ich zusammen mit meiner Frau aufziehe und nach Möglichkeit wieder in die Freiheit ,entlasse’. Allen können wir nicht helfen, aber den größten Teil geben wir der Natur zurück“, berichtet er.
Ein recht aktuelles Beispiel: Im Dezember des vergangenen Jahres bekam Robert Eifler einen jungen Mäusebussard mit einem offenen Flügelbruch. „Der Zittauer Tierarzt operierte den Vogel und fragte uns anschließend, ob wir seine weitere Pflege übernehmen würden. Herr Eifler hat in den letzten Jahren schon mehrfach sehr engagiert Wildtiere versorgt, die danach zur weiteren Betreuung zu uns kamen“, erzählt Heinz Förster. Der Mäusebussard mit dem Flügelbruch bekam dann täglich „Physiotherapie“. Das heißt: Seine Flügelmuskulatur wurde durch Übungen allmählich wieder gestärkt, sodass er bald wieder richtig fliegen konnte. Zusammen mit seiner Frau hat Heinz Förster eigens für Vögel mit Flügelbruch eine Lederbandage „entwickelt“, die den Vorteil hat, dass sie der Vogel nicht lösen kann und somit gewährleistet, dass der Verband während der „Leidenszeit“ immer fest sitzt. Damit können sich die Bruchstellen nicht verschieben. Einen zweiten Bussard bekamen die Försters völlig abgemagert. Er hatte eine Verdickung im Kropf und war somit nicht in der Lage, Nahrung herunter zu schlucken. „Auch dieser Vogel ist vom Tierarzt Robert Eifler versorgt worden. Anfangs mussten wir ihn mit einer Sonde Nahrungsbrei verabreichen. Langsam ging die Verdickung zurück und der Vogel konnte wieder normales Futter zu sich nehmen“, schildert er den Werdegang.
An eine schöne tierische Anekdote können sich die Försters auch noch gut erinnern. „Wir hatten einmal ein kleines Rehkitz, dessen Mutter überfahren worden war. Der Jäger hatte nichts dagegen, dass wir es aufziehen wollten. Da es wirklich noch sehr klein war, nannten wir es Floh“, erzählt er.

Seine Frau versorgte Floh nun täglich mit der Flasche. Ihr Gartentor nach der Viehweide stand meistens offen und so konnte Floh sich ziemlich frei bewegen. „Wir gingen auch zusammen auf den Schlechteberg, setzten uns dort auf eine Bank, während Floh auf der Wiese herumsprang. Als meine Frau rief, gingen wir alle drei wieder nach Hause. Einmal hatte sie aber keine Zeit und ich dachte, da gehe ich eben allein mit Floh zum Berg hoch.“ Und er fährt fort: „Das ging auch gut. Als ich aber wieder nach Hause wollte, kam Floh nicht mit. Als ich es meiner Frau berichtete, sagte sie, ,dass ich das nicht machen kann, da das Kitz ja noch seine Flasche brauchte. Sie ging ein paar Schritte auf die Wiese, rief und Floh kam angerannt. Sie war halt seine Bezugsperson.“

Marion und Heinz Förster machen alles, was in ihren Kräften steckt, um den verletzten Wildtieren zu helfen: „Trotzdem können wir einzelne Tierschicksale nicht zu nahe an uns heranlassen. Das ist nicht der Sinn unserer Arbeit. Da müssen wir unsere Interessen zurückstellen. Es sind Wildtiere und das sollen sie auch bleiben.“ 2012 wurden die Försters von der Naturschutzbehörde des Landkreises offiziell zur Wildtierauffangstation ernannt. „Seither bekommen wir unsere Aufwendungen für Tiere, die nur dem Naturschutzrecht unterstehen, vollständig ersetzt. Für Tiere, die außer dem Naturschutzrecht auch noch dem Jagdrecht unterstehen, wie zum Beispiel Feldhasen, Rabenvögel oder Greifvögel, müsste die Jagdbehörde aufkommen, was sie aber nicht macht. Da wäre es wieder Sache des Jägers, in dessen Revier das betreffende Wildtier gefunden wird, für die Kosten aufzukommen“, erläutert er. Denn es sei ja „sein“ Wild.
Die meisten Jäger sind sich aber ihrer Verantwortung für verletztes Wild durchaus bewusst. „Die lassen dann manchmal eine Geldspende hier oder bringen ein Stück Fleisch zu uns“, sagt er. Das Betreiben einer Wildtierauffangstation selbst erfordert eine enge Zusammenarbeit mit der Naturschutzbehörde und der Jagdbehörde. „Wir informieren beide regelmäßig über unseren Tierbestand sowie die Zu- und Abgänge der Tiere“, betont er. Und er fährt fort: „Von der Jagdbehörde erhalten wir Auskunft, welcher Jäger für das Revier, in dem verletztes oder hilfsbedürftiges Wild aufgefunden wurde, zuständig ist. Dieser entscheidet dann, ob er das Tier selber pflegen will oder ob es bis zu seiner Freilassung bei uns bleiben kann. In den letzten 30 Jahren war nur ein Jäger dabei, der den Vogel bei uns abgeholt hat. Alle anderen waren froh, dass sich jemand um die Tiere gekümmert hat.“
Zum Bestand der Wildtierauffangstation in Ebersbach zählen zwei Flugdrahtanlagen für Greifvögel, zwei Gehege und ein kleiner Stall für Kleinvögel. „Sollte die Kapazität mal nicht ausreichen, können wir uns an die Tierparks in Zittau und Görlitz wenden, die uns dann aushelfen würden. Wir wildern auch Greifvögel für Zittau aus, da sie dort nicht so eine gute Möglichkeit haben wie bei uns“, sagt er.
Marion und Heinz Förster haben bei ihrer tierischen Tätigkeit viel dazugelernt und machen heute einiges anders, „als wir es noch vor einigen Jahren getan hätten. Wir tauschen uns mit anderen Tierpflegern aus und auch das Internet hat uns schon bei so manchem Problem weitergeholfen."

Steffen Linke / 25.02.2019

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