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Institut vernetzt innere und äußere Sicherheit

Institut vernetzt innere und äußere Sicherheit

Staatsminister a.D. Heinz Eggert war einst Wegbereiter der Rothenburger Hochschule und sprach ein Grußwort. Foto: Thomas Knaup

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Gründungsakt des SIPS; v.l.n.r.: Prof. Roland Wöller, Landespolizeipräsident Horst Kretzschmar, die Professoren Marcel Schöne und Tom Thieme, Rektor Carsten Kaempf. Foto: Thomas Knaup

Seit nunmehr einem viertel Jahrhundert besteht die Hochschule der Sächsischen Polizei (FH) und hat seit dem 12. Dezember ein eigenes Forschungsinstitut. Anlässlich des Jubiläums und der Gründung des Sächsischen Institutes für Polizei- und Sicherheitsforschung (SIPS) fand im Audimax der Rothenburger Polizeifachhochschule ein Festakt statt.

Rothenburg. Die Hochschule der Sächsischen Polizei (FH) besteht seit nunmehr 25 Jahren. Rektor Carsten Kaempf konnte zu der Feierlichkeit etwa 180 Gäste aus dem In- und Ausland begrüßen. Darunter z.B. auch Staatsminister a. D. Heinz Eggert, der 1994 quasi Gründungsvater dieser höheren Bildungseinrichtung war oder die Prorektorin für Strategie und Entwicklung der Akademie der tschechischen Polizei in Prag. „Es ist mir eine große Freude, so viele Wegbegleiter unserer Polizeifachhochschule an diesem Ort versammelt zu sehen. Sie haben in der 25-jährigen Geschichte unseres Hauses einige Zeilen oder auch ganze Kapitel mitgeschrieben“, betonte Carsten Kaempf.

In seiner Festrede ging Innenminister Prof. Roland Wöller auf die gute Arbeit ein, die in den zurückliegenden 25 Jahren an der Hochschule der Sächsischen Polizei (FH) geleistet wurde. Rund 3.000 sächsische Polizisten haben den damaligen Diplom- und heutigen Bachelor-Studiengang bislang erfolgreich absolviert. Außer den Kommissaren als klassische Absolventen werden an der Fachhochschule auch künftige Polizeiräte und IT-Spezialisten für den Bereich Cyberkriminalität ausgebildet. Vor allem aber gab Minister Wöller den Startschuss für die Gründung des Sächsischen Institutes für Polizei- und Sicherheitsforschung (SIPS). Neben der Durchführung von anwendungsorientierter Polizeiforschung soll die neue Einrichtung vor allem die stärkere Vernetzung von polizeilicher Alltagspraxis sowie Aus- und Fortbildung im Fokus haben. Das SIPS ist dabei Bestandteil der Hochschule der Sächsischen Polizei (FH).

Neben einem dreiköpfigen Verwaltungsstab und wissenschaftlichen Mitarbeitern werden künftig auch hauptamtliche Lehrkräfte wie Professoren und Dozenten sowie studentische Hilfskräfte der Polizeifachhochschule am Institut tätig sein.

Innenminister Wöller hob die Sicherheit der Bürger als Leitmotiv hervor: „Um diese Sicherheit zu gewährleisten, müssen wir uns den Herausforderungen unserer Zeit stellen. Das neue Institut soll Themenfelder wie innere und äußere Sicherheit verflechten sowie praxisorientierte Lösungen für vernetzte Sicherheit in Sachsen erarbeiten.“ Die Gründung des Sächsischen Institutes für Polizei- und Sicherheitsforschung geht dabei auf eine Empfehlung der Kommission zur Überprüfung der Ausbildung an der Hochschule der Sächsischen Polizei (FH) zurück.
Wöller hatte diese Kommission 2018 einberufen, nachdem der Verdacht von Manipulationsvorwürfen an der Fachhochschule bekannt geworden war. Die Kommission empfahl auch die Schaffung einer eigens für Aus- und Fortbildungsfragen zuständigen Polizeidirektion Aus- und Fortbildung. 
Wöller sieht das Institut als logischen weiteren Schritt der Hochschule: „Die Fachhochschule hat ein Vierteljahrhundert mehrere Polizeigenerationen in Sachsen geprägt. Sie erlebt derzeit eine grundlegende Erneuerung hin zu einem Campus 4.0. Dazu investiert der Freistaat Sachsen mehr als 100 Millionen Euro in moderne Infrastruktur und ein zeitgemäßes Studium.“

Prof. Claudius Ohder, ein namhafter Kriminologe und Vizepräsident der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, hob ebenso die Bedeutung von wissenschaftlicher Forschung für eine jede höhere Bildungseinrichtung hervor. Rektor Carsten Kaempf merkte an: „Mit der Gründung des Sächsischen Institutes für Polizei- und Sicherheitsforschung (SIPS) rückt die anwendungsorientierte Forschung an unserer Fachhochschule deutlich stärker in den Fokus. Wir haben nun den Auftrag, dieses Institut in den kommenden Monaten und Jahren mit Leben und Inhalt zu füllen. Neben unseren hauptamtlichen Lehrkräften werden künftig auch wissenschaftliche Mitarbeiter sowie studentische Hilfskräfte am Institut tätig sein.“
Die weitere Ausgestaltung des Forschungsinstitutes legte Kaempf in die Hände der Professoren Marcel Schöne und Tom Thieme. Diese werden in Zusammenarbeit mit dem Aufbaustab an der Hochschule die inhaltliche Ausrichtung des Instituts auf spezielle Themen der Sicherheitsforschung vornehmen.
Im Audimax geht es aber auch ohne Festakte in Rothenburg oft dicht gedrängt zu. Doch womit beschäftigt sich der Polizei-nachwuchs in Rothenburg eigentlich während des Semesterbetriebes? Über einen recht skurrilen Vortrag berichtete der Pressesprecher der Hochschule, Thomas Knaup, dem Niederschlesischen Kurier. Marcus Schwarz (32), Entomologe und Wundballistiker am rechtsmedizinischen Institut der Universität Leipzig, trug z.B. kürzlich vor rund 130 angehenden Kommissaren den Stand der Dinge zu seiner „Tatort“-verdächtigen Forschung und seiner täglichen Arbeit vor.

Schwarz ist von Haus aus Forstwissenschaftler und Jäger. Im Bereich der Entomologie, der kriminalistischen Insektenforschung, hat er sich spezialisiert und nun einer von nur etwa einer Hand voll Experten, die bundesweit zur Aufklärung besonderer Fälle als Sachverständige herangezogen werden. Immer dann, wenn bei Leichenfunden eine ungeklärte Todesursache im Raum steht, wird sein Rat gesucht. Zudem hat er sich als Experte zur Erforschung von Schussverletzungen einen Namen gemacht. Der Titel seiner Vorlesung lautete daher „Forensische Entomologie – Was uns Maden verraten.“
Anhand von realen, aufgeklärten Kriminalfällen der jüngeren Geschichte erläuterte er, welchen Aufschluss die Anwesenheit von Insekten und Maden auf oder in einem Leichnam für ihn als Experten bietet. Dabei steht insbesondere die Klärung der Fragen im Raum, ob die Lage des Leichnams nachträglich verändert wurde, also ob der Fundort auch der Ereignis- oder gar Tatort war oder wann und nach Möglichkeit auch woran der Mensch verstorben ist.

Für die Studenten war dieser Vortrag ein freiwilliger Bonus, der auch einmal einen Blick über den Tellerrand erlaubte. Schwarz folgte einer Einladung des Redaktionsbeirates der polizeiwissenschaftlichen Schriftenreihe Rothenburger Beiträge unter Führung von Prof. Henning Schwier, dem Leiter des Fachbereichs II – Recht, Sozialwissenschaften und Sprachen an der Hochschule der Sächsischen Polizei (FH).

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Till Scholtz-Knobloch / 27.12.2019

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