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Netto plant neuen Markt nahe dem Stadtzentrum

Netto plant neuen Markt nahe dem Stadtzentrum

Der bisherige Netto-Markt an der Horkaer Straße ist zu klein geworden und kann an diesem Standort auch nicht erweitert werden.

Rothenburg. Die Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung (GMA) sieht durch den geplanten Neubau eines größeren Netto-Marktes in Rothenburg keine nachteiligen Auswirkungen auf den bestehenden Einzelhandel in der Stadt und ihrer unmittelbaren Umgebung. Das entsprechende Gutachten wurde im Auftrag des Investors erstellt und ist Bestandteil der Unterlagen, die gegenwärtig im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens „Umsetzung Lebensmittelmarkt Uhsmannsdorfer Straße“ im Rothenburger Rathaus zur allgemeinen Einsichtnahme ausliegen.

Netto baut. Größer, „luftiger“ und kundenfreundlicher sollen die neuen Märkte werden. Nicht überall stoßen die Baupläne auf ungeteilte Begeisterung – in Königswartha (Landkreis Bautzen) gibt es heftige Proteste gegen den geplanten Neubau eines Netto-Marktes auf dem Gelände des früheren Rittergutes. Umfangreiche Abbruchmaßnahmen Denkmal geschützter Bausubstanz sind dort im Vorfeld erforderlich.

In Rothenburg hingegen ist die Fläche schon bereitet: Die ehemalige Likörfabrik, die sich einstmals auf dem entsprechenden Grundstück zwischen Uhsmannsdorfer- und Grabenstraße befand, ist bereits abgerissen. Das Areal präsentiert sich als gepflegte Grünfläche. Einzig markantes Objekt ist ein Betonmast, auf dem ein Storchennest thront. „Es soll in Absprache mit der benachbarten Grundschule umgesetzt werden, da es den Kindern auch zu Beobachtungszwecken dient“, heißt es im Vorentwurf des Bebauungsplanes. Erhalten bleibt demnach auch die Hainbuchenhecke, die das (künftige) Einkaufsmarkt-Grundstück von dem der Schule abgrenzt.
Doch was löst den Bauboom der Marktkette, die sich selbst als „der Markendiscount“ bezeichnet, aus? „Ein Teil der Bestandsimmobilien muss dringend erneuert werden. Einerseits, um den eigenen hohen Ansprüchen an Nachhaltigkeit und dem sinnvollen Umfang mit Ressourcen gerecht zu werden. Andererseits, um den gestiegenen Erwartungen an eine moderne Einkaufsstätte nachzukommen“, heißt es in einer eigens herausgegebenen „Expansionsbroschüre“ des Unternehmens. Und weiter: „Ist die Bestandsentwicklung am ursprünglichen Standort nicht möglich, wird ein Wechsel angestrebt. Höchste Priorität hat dabei die verbrauchernahe Lage.“

Alternativer Text Infobild

Auf dieser Fläche zwischen Uhsmannsdorfer- und Grabenstraße soll der neue Markt entstehen.

Rothenburg kann als geradezu exemplarisch für diesen Kurs gelten. „Mit 792 Quadratmetern Verkaufsfläche ist der gegenwärtige Markt deutlich kleiner als ein durchschnittlicher Netto-Markt“, stellt die GMA in ihrer Analyse fest. Auch der erzielte Umsatz bleibe wesentlich hinter dem Durchschnitt zurück. Der neue Markt hingegen soll mit 1200 Quadratmetern für Netto-Verhältnisse ungewöhnlich groß werden und laut GMA ein Drittel mehr Umsatz generieren. Dies gehe laut „Auswirkungsanalyse“ jedoch nicht zu Lasten des ortsansässigen Einzelhandels: „Vielmehr wird eine Versorgungslücke geschlossen.“ Möglich sei, dass der Edeka an der Horkaer Straße etwas Umsatz „abgeben“ müsse, doch auch dies sei nicht bestandsgefährdend. Potenzial sieht die Studie hingegen bei jenen Käufern, die – auch aus Horka und Hähnichen – bislang nach Niesky zum Einkaufen fahren.
Und die Stadt Rothenburg erhofft sich von der Verlagerung „eine Belebung der Innenstadt“, wie Bürgermeisterin Heike Böhm (SPD) im städtischen Amtsblatt erklärt.

Bleibt die Frage: Was wird aus dem alten Markt? Der B-Plan-Entwurf sieht dafür zwei Möglichkeiten: Eine Nachnutzung durch eine Handelseinrichtung (allerdings nicht mehr als Lebensmittelmarkt), oder den Rückbau. Nicht ganz unwahrscheinlich ist allerdings auch, wie die Erfahrung zeigt, dass die leere „Markthülle“ jahrelang ungenutzt vor sich hin gammelt. Im eingangs erwähnten Königswartha zum Beispiel gibt es zwei leer stehende frühere Märkte, mit dem „alten“ Netto würde ein dritter hinzukommen. Und auch in Rothenburg selbst – Stichwort Penny – weiß man, wovon die Rede ist.

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Uwe Menschner / 26.09.2016

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