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Spreebrücke: Nun ist Ihre Meinung gefragt

Spreebrücke: Nun ist Ihre Meinung gefragt

Sie verdeutlichten gegenüber Medienvertretern ihre Visionen von einem neuen Tor zur Altstadt: auf dem Podium Theaterintendant Hillmann, Stadtsprecherin Laura Ziegler, OB Ahrens, Brückenbauer Drews und Architekt Ehrlich (v.l.).

Ab jetzt gilt es: Die Spreestädter dürfen seit dieser Woche ihre Meinung zum anvisierten Brückenbauprojekt im historischen Zentrum von Bautzen kundtun. Offen bleibt, ob sich an diese Art der Beteiligung ein Bürgerentscheid anschließen wird.

Bautzen. Die Rathausmannschaft hat Fakten geschaffen. Via eingerichtetem E-Mail-Kontakt und Gästebuch auf der Internetseite der Stadt können sich die Bautzener ab sofort zu einer Vision äußern, deren Realisierung mittlerweile nicht nur mehr die Verwaltungsspitze entgegenfiebert. Unter der Rubrik „Spreequerung“ lässt sich zudem ein Video aufrufen, das die Möglichkeiten von einer Entwicklung im Westen der Altstadt verdeutlicht. Umfangreiche Informationen rund das Ganze ab. „Die Bürgerinnen und Bürger sind ausdrücklich dazu aufgefordert, ihre Meinung – aber auch eigene Vorstellungen und Ideen – zu äußern. Es geht uns jetzt vor allem darum, herauszufinden, inwieweit sie das Bauvorhaben mittragen oder nicht“, sagte in dem Zusammenhang Stadtsprecherin Laura Ziegler. Die ersten haben das Angebot bereits dankend angenommen. So lassen sich im Gästebuch zustimmende und ermunternde Wortmeldungen genauso finden wie kritische Anmerkungen.

Nach wie vor offen ist derweil, wie eine Flussquerung am Ende genau aussehen könnte. Fest steht jedoch schon: Die von Dresdener Studenten entwickelte Idee einer Spannbandbrücke wird keinesfalls realisiert. Zu schwierig in der Umsetzung und damit zu teuer, sind sich inzwischen Verwaltung und Stadtrat einig. Deshalb wurden Bautzener Spezialisten an Bord geholt, die in den zurückliegenden Wochen und Monaten Alternativvorschläge erarbeiteten. Und diese präsentierten sie kürzlich nicht nur den Bürgervertretern, sondern auch Journalisten aus nah und fern.

In einem Punkt, der vielen hierzulande wichtig erscheint, zeichnet sich immer mehr ab, dass Bautzen lediglich einen Bruchteil der Gesamtsumme zu schultern hat, die sich aktuell irgendwo zwischen zehn und zwölf Millionen Euro einnorden lässt. Letztendlich bildet die Spreequerung dann auch nur einen Teil der Investition. Um in dem Zuge für die Spreestadt eine sinnvolle Entwicklung zu erreichen, soll parallel zum Bau der Brücke der in unmittelbarer Nachbarschaft befindliche Schliebenparkplatz erweitert und eine Bürgerwiese zum Grillen, Chillen und Feiern verwirklicht werden. Auf der anderen Flussseite hingegen warten das Langhaus und der Burgwasserturm, in dem zu seiner Zeit Räuberhauptmann Karasek eingesessen haben soll, auf eine Verjüngungskur. In dem Kontext ist der Bau eines Aufzuges und einer Treppenanlage angedacht, um die vor Ort existierenden Höhenlagen an die Brücke barrierefrei anzubinden.

Selbst ein Panoramarestaurant und eine Sky-Bar mit einem Rundumblick aus luftiger Höhe auf die Dächer der Altstadt und das Bautzener Umland schwebt dem Team um Architekt Carsten Ehrlich vor. Das hatte sich seit Jahresbeginn eigene Gedanken zum Thema Spreequerung gemacht und war dabei zu bemerkenswerten Planungsansätzen gelangt, die allen voran Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer ins Staunen versetzten. Prompt hat er wiederholt angekündigt, der Kommune bei der Realisierung des Vorhabens unter die Arme zu greifen. „Ich bin mit dem Oberbürgermeister und dem Landrat in intensiven Gesprächen“, ließ der 45-Jährige über seinen Regierungssprecher mitteilen. „Diese Spreequerung bietet eine riesige Chance für Bautzen, für den Tourismus und kann zum neuen Wahrzeichen für die Stadt werden.“

Ein Großteil der Flächen rund um die Ortenburg, die seit Jahrzehnten auf eine Sanierung und Wiedernutzbarkeit warten, gehören dem Freistaat sowie dem Landkreis. „Ich bin optimistisch, dass Stadt, Landkreis und Freistaat gemeinsam eine Lösung finden, die wirtschaftlich vertretbar ist“, stellte indes Landrat Michael Harig in Aussicht. Und er schob hinterher: „Wir sind sehr daran interessiert, dass es zu einer Brückenlösung kommt.“ Die scheint dringend notwendig zu sein und das nicht nur, um die künftig zu erwartenden Besucherströme im westlichen Teil des historischen Zentrums optimaler als bisher lenken zu können. Schon jetzt sind, 2020 wegen der aktuellen Virus-Krise ausgenommen, jährlich bis zu 100.000 Menschen in dem Bereich unterwegs. Auch der Bau des Puppentheaters war von Beginn an an die Auflage geknüpft, dass die Errichtung eines zweiten Zugangs zur Ortenburg erfolgt. Bisher lässt dieser auf sich warten. Im schlimmsten Fall führt das zum Erlöschen der Betriebserlaubnis für das Theater, befürchten Eingeweihte mittlerweile.

Bis zum Beginn der Gesamtbaumaßnahme könnten allerdings laut Rathausangaben noch bis zu vier Jahre ins Land gehen. „Nun stehen die nächsten Schritte an. Finanzielle Mittel, die im städtischen Haushalt eingeplant sind, werden eingesetzt, um weitere Planungsleistungen auszuschreiben. Dann wird unter anderem die favorisierte Fachwerkbrückenkonstruktion weiter optimiert. Gegebenenfalls werden weitere Varianten untersucht“, ließ Laura Ziegler wissen. Ausdrücklich wies die Expertenrunde darauf hin, dass die bisher veröffentlichten Visualisierungen vorläufigen Charakter haben. Die reine Bauzeit sei letztendlich kürzer, schätzte Carsten Ehrlich ein. Wohl auch, weil die Denkmalpflege bereits durchblicken ließ, dem Unterfangen keine Steine in den Weg legen zu wollen. Der Landeskonservator, an den sich Planer und Stadtverwaltung in den letzten Wochen mit den jeweils aktuellen Planungsständen wandten, unterstütze die Möglichkeit einer Ankunft im Langhaus. Neben der Erschließung historischer Gebäude bringe diese Option einen weiteren entscheidenden Vorteil. So führe die 120 Meter lange Spreequerung bei einer Ankunft im Langhaus vom Protschenberg ausschließlich über unbebaute Bereiche. Damit dürfte ein weiteres Argument der Brückengegner, das bislang immer wieder einmal zur Sprache kam, entkräftet sein.

Was bleibt also unterm Strich festzustellen? Die Menschen in Bautzen haben es weiterhin selbst in der Hand, wie es mit ihrer geliebten und der von ihnen verehrten Altstadt weitergeht. Ganz klar ist: Die Besucherströme werden in dem Bereich zunehmen, sobald sich die Kommune ein neues touristisches Markenzeichen verpasst. Davon wiederum können Gewerbetreibende profitieren und mit ihnen auf eine andere Art und Weise die Anwohner. Sie dürfen auf weniger Fahrzeugverkehr vor ihren Haustüren hoffen, denn mit der Spreequerung und dem gleichzeitigen Ausbau des Schliebenparkplatzes werden sprichwörtlich zwei weitere Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Inwieweit im Vorfeld ein Bürgerentscheid notwendig wird, darüber müsste letztendlich der Stadtrat entscheiden. Mehrere Anläufe dafür gab es bereits. Dieser würde auf jeden Fall aus Kosten- und Organisationsgründen mit der Bundestagswahl im nächsten Jahr zusammenfallen.

Roland Kaiser / 25.07.2020

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