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Stadtlauf fordert 
von allen alles ab

Stadtlauf fordert 
von allen alles ab

Adina Lehmann leidet seit ihrer Geburt unter der Stoffwechselkrankheit Mukoviszidose. Trotz der massiven gesundheitlichen Beeinträchtigung strebt sie nach einer dritten Medaille beim Bautzener Stadtlauf.

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Finanzspritze für die kleinen Läufer vom Evangelischen Kindergarten: In diesem Jahr entlasten EWB und KSK diese Einrichtung von dem zu zahlenden Startgeld. Fotos: RK

Im Gegensatz zu vielen anderen Kindern in ihrem Alter gelangt Adina Lehmann schnell an ihre sportliche Leistungsgrenze. Nichts desto trotz geht die Zehnjährige Anfang September beim Bautzener Stadtlauf erneut an den Start. Dabei wird das Rennen für die unter Mukoviszidose leidende Schülerin zu einer echten Herausforderung.

Bautzen. Der Puls schlägt unnormal hoch. Aufgrund der verschleimten Lunge fällt das Atmen doppelt so schwer. Es dauert nicht lange bis der anfängliche Sprint in eine gemütliche Joggingeinlage übergeht. Adina, Viertklässlerin der Montessori-Grundschule, hat diese Erfahrung bereits zweimal auf der 1.200 Meter langen Strecke gemacht, die den Schülern in den Altersklassen U 8 bis U 12 vorbehalten ist. Dennoch wagt sie am 9. September einen dritten Anlauf. Wenn sich Bautzen bewegt, möchte auch sie mit von der Partie sein und für ihre Bildungseinrichtung alles geben. Papa Peter ist sehr stolz auf seine willensstarke Tochter. „Seit längerem habe ich darüber nachgedacht, Adinas Schicksal öffentlich zu machen, damit gesunde Schüler, die sich vor dem Stadtlauf drücken – und davon gibt es nach wie vor reichlich –, sehen, wer hier so alles antritt.“

Die Veranstalter rechnen wie in den Vorjahren mit mehr als 1.000 Mädchen und Jungen. Noch bis zum 4. September haben die Schulen Zeit, ihre Teilnehmerlisten dem ausrichtenden MSV Bautzen 04 zu übermitteln. Zudem werden zahlreiche Erwachsene ihre Kondition unter Beweis stellen, darunter auch Polen und Tschechen. 2016 überquerten 326 Teilnehmer der Hauptläufe die Ziellinie. Wie viele es diesmal sind, zeigt sich in wenigen Tagen.

Fest steht: Nach dem Bambini-Lauf der Kitas, für den 10.00 Uhr der Startschuss fällt, sind die Schüler an der Reihe. Für sie geht es gestaffelt nach Geschlecht und Altersklasse ab 10.15 Uhr auf die Piste. 13.30 Uhr folgt der Familien-Lauf. Daran schließen sich das wertungsfreie Walking und die beiden Hauptläufe an, die über 5,5 beziehungsweise 9,3 Kilometer führen. Wie gewohnt führt das Rennen durch Bautzens grüne Lunge. Dazu gibt die Stadt in Absprache mit der ausführenden Firma ausnahmsweise die noch immer im Bau befindlichen Schilleranlagen für ein paar Stunden frei. Am Rande gibt es für alle Kleinen Kinderschminken und eine Hüpfburg.
Indes soll ein Teil der Einnahmen aus dem Bratwurst-, Steak- und Getränkeverkauf erneut einem guten Zweck zugute kommen. In diesem Jahr hat die Leiterin des Evangelischen Kindergartens, Rhena Wilinski, allen Grund zur Freude. Auf dem Areal der auf natürliche Bewegung ausgerichteten Kita ist angedacht, einen vorhandenen Bolzplatz zu verbessern und mit einem weiteren Tor zu versehen. Bislang existiert dort nur eins, was wiederum eine Fußballpartie zweier Mannschaften schlichtweg unmöglich macht. Das Startgeld für die Einrichtung in Höhe von 300 Euro haben die Kreissparkasse (KSK) sowie die Energie- und Wasserwerke Bautzen (EWB) übernommen. Im nächsten Jahr werde eine andere Schule oder Kita von den Zuschüssen profitieren, erklärte Cheforganisatorin Ines Pröhl kürzlich bei einem Pressegespräch.

Zurück zum Lauf: Ab 8.30 Uhr erfolgt in einem Zelt vor dem Haus der Sorben die Ausgabe der Startnummern. „In diesem Rahmen sind gegen eine zusätzliche Gebühr von drei Euro kurzfristig noch Nachmeldungen für die Hauptläufe möglich“, heißt es in einer Information an die Medien. Nach dem Zieleinlauf erhalten die Starter eine Medaille. Darüber hinaus können sie sich nicht nur ihre Urkunde sofort ausdrucken lassen. Die erzielten Ergebnisse gehen in die Wertung eines renommierten Läufercups ein. Zudem bekommen die besten Schulen über das ausgezahlte Preisgeld einen Teil ihrer Startgebühren zurückerstattet.

Das ist Ansporn genug für Adina. Zweimal Edelmetall hat sie bereits erkämpft. Nun soll in Kürze Stadtlauf-Medaille Numero drei ihr Kinderzimmer schmücken. Groß vorbereiten auf die Laufveranstaltung wird sich die Zehnjährige nicht. Momentan besteht ihr Tagesablauf daraus, dreimal über mehrere Stunden hinweg kräftig zu inhalieren, um den Schleim besser abhusten zu können. Das wirkt sich zwangsläufig auch auf den Unterricht in der Schule aus. „Dort versuche ich, gut mitzuhalten“, meinte die junge Bautzenerin. „Da ich im letzten Schuljahr oft krank war, muss ich die vierte Klasse wiederholen. Leider sind viele meiner Freunde jetzt woanders. Doch beim Stadtlauf sehe ich sie wieder.“ Vielleicht wird auch ihre damalige Mitschülerin und beste Freundin Lydia mit vor Ort sein, die für Adina das sportliche Vorbild schlechthin ist. „Sie war die Beste von uns und Erste beim letzten Stadtlauf.“ Bei dem sollte es möglichst nicht regnen und auch nicht zu kalt sein. „Dann bestünde eine erhöhte Erkältungsgefahr für unsere Tochter“, betonte Papa Peter. „Und so eine Erkältung würde ganz andere Auswirkungen haben als bei Kindern ohne Mukoviszidose.“

Ist das Sportereignis erst einmal abgehakt, hebt ein Flieger samt Adina und Mama Sara Lehmann in Richtung Gran Canaria ab. Während des gestifteten Kuraufenthaltes erwartet die Montessori-Schülerin eine professionelle Physiotherapie. Die salzige Luft gibt dem Mädchen zudem genügend Bewegungsspielraum, um das zu tun, was ihr in der Lausitz aufgrund der Krankheit verwehrt bleibt.

Der MSV hingegen zieht um diese Zeit eine erste Bilanz und plant bereits für den Jubiläumslauf. 2018 soll in der Spreestadt die 25. Auflage über die Bühne gehen. Bis dahin bleibt zu hoffen, dass vorgesehene Arbeiten im Fernwärmenetz pünktlich ihr Ende finden. In den kommenden Monaten soll das Landratsamt angedockt werden.
In diesem Zusammenhang sind Baumaßnahmen auf wichtigen Stadtlaufabschnitten wie der Karl-Marx-Straße oder dem Postplatz notwendig. Auch die Bahnhofstraße bleibt von der Baumaßnahme der EWB nicht verschont.
Und es wäre wünschenswert, wenn Adina Lehmann und die zahlreichen anderen Kinder, Jugendlichen sowie Erwachsenen der Traditionsveranstaltung die Treue halten.

 

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Roland Kaiser / 28.08.2017

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