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Stadträte fordern Parkkonzept ein

Stadträte fordern Parkkonzept ein

Die Schilleranlagen nach ihrer Fertigstellung: Von den einst 47 Pkw-Stellflächen sind nur noch 24 übrig geblieben. Die Parkplatzsuche wird auch hier zu einem Glücksspiel. Foto: RK

Bautzens Stadträte wollen sich mit der momentanen Parkplatzsituation im Zentrum nicht länger abfinden. Mehrere Bürgervertreter verschiedener Fraktionen regen deshalb die Ausarbeitung eines Parkkonzeptes an. Dieses soll aufzeigen, welcher Bedarf an Stellmöglichkeiten tatsächlich existiert und wie sich größere Parkplätze in Zukunft besser vernetzen lassen. Im Rathaus sieht man dagegen keinen akuten Handlungsbedarf.

Bautzen. Wenn sich Steffi Kröner morgens mit dem Auto von ihrem Heimatdorf aus auf den Weg zur Arbeit in die Spreestadt begibt, schießt ihr so gut wie immer zunächst eine fast schon existenzielle Frage durch den Kopf: Wo werde ich heute rund ums Kornmarktcenter meinen Wagen abstellen können? „Es ist eine Katastrophe in Bautzen zu parken“, beschreibt sie die Situation aus ihrer Sicht. „Die maximale Parkdauer ist in vielen Fällen auf zwei Stunden begrenzt. Freie und kostenlose Stellflächen in den Seitenstraßen sind oft schnell vergeben.“ Gern würde sie sich bequem mit dem Bus zur Arbeit und wieder nach Hause schaukeln lassen. Ein Blick auf den Fahrplan verrät jedoch: Der Heimweg lässt sich auf diese Weise nur bis 18.45 Uhr antreten. Danach fährt nichts mehr. Keine Option für die Malschwitzerin. Auch Philipp Haufe kann davon ein Lied singen. Der junge Mann steuert in seinem fahrbaren Untersatz montags bis freitags vom Oberland aus seinen Bürojob in der Kreisstadt an. Beide verfügen wie viele andere Pendler über keine eigene Mietstellfläche in der Innenstadt.

Alternativen zum Schützenplatz schaffen

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Deshalb müssen sie auf die Möglichkeiten zurückgreifen, die ihnen rund um das historische Zentrum kostenfrei zur Verfügung stehen – oft hunderte Meter vom Arbeitsplatz entfernt. Doch auch dort wird es immer öfter recht eng. Vor allem dann, wenn der Schützenplatz, den Autofahrer seit 2013 aufgrund eines Stadtratsbeschlusses gratis nutzen dürfen, wegen der Herbstkirmes und eines Zirkusgastspiels wochenlang als Veranstaltungsfläche herhält. „In dieser Zeit habe ich ordentlich zu rotieren gehabt und bin trotzdem fündig geworden“, sagt der Neukircher. Sein Tipp: Der Pendlerparkplatz an der Schliebenstraße. Doch selbst dort stellte der 23-Jährige mittlerweile fest, dass es mitunter ganz schön eng wird an manchen Tagen. Vor diesem Hintergrund drängen fraktionsübergreifend mehrere Bürgervertreter darauf, das Areal am Stadtrand so schnell wie es geht zu erweitern. In diesem Zusammenhang haben sie die Idee eines Busshuttles ins Spiel gebracht, um den Pendlerparkplatz entsprechend an die Innenstadt anzubinden. Übereinstimmend vertreten Grünen-Stadtrat Claus Gruhl, Angela Palm von der Linkspartei und FDP-Mann Mike Hauschild die Auffassung, dass in beiden Punkten dringender Handlungsbedarf herrscht. Denn der Status Quo, also der momentane Zustand, könne sich schon in naher Zukunft weiter verschlechtern. Der Wegfall von 23 Parkplätzen in den neugestalteten Schilleranlagen sei nur der Anfang. Nach wie vor gibt es keine Antwort darauf, wie es am Burglehn und auf dem Krone-Gelände weitergeht. Beide Flächen zusammenbetrachtet verfügen über weit mehr als 200 Parkplätze. Und auch am Lauengraben besteht die Gefahr, dass schon bald aufgrund eines geplanten Neubaus mehrere Stellplätze verschwinden.

„Deshalb hat unsere Fraktion auch die Diskussion über einen zweiten Altstadtzugang wieder angestoßen, der dem Handel, der Gastronomie und den Bewohnern des historischen Zentrums unmittelbar zugute kommen würde“, erklärt Steffen Tech. Der Fraktionschef vom BürgerBündnis Bautzen (BBBz) sieht darin, wie inzwischen viele andere auch, eine Verbindungsachse, die sich zu Fuß schnell und problemlos meistern lässt. Das würde dem Parkplatz an der Schliebenstraße durchaus mehr Attraktivität verleihen, sind er und seine Mitstreiter sich einig. Die Initiative trifft zudem den Nerv der Linken.

Stadtübergreifendes Parkkonzept notwendig

Sie bemühen sich seit Längerem darum, die Innenstadt vom Autoverkehr zu entlasten. Deshalb erachten sie die Erarbeitung eines Parkkonzeptes für äußerst notwendig. Unterstützung für einen derartigen Vorstoß haben Liberale, SPD und CDU bereits signalisiert. „Mit dem Beirat für Stadtentwicklung, einigen Stadträten, dem Bauamt und anderen Beteiligten sollte ein gemeinsames Treffen vereinbart werden, um sich der gesamten Problematik sachlich anzunehmen und Lösungswege zu erarbeiten“, wendet sich der SPD-Fraktionsvorsitzende Roland Fleischer in Richtung Rathaus. „Dies bezieht sich im Übrigen nicht allein auf die Parkplatzsituation, sondern auch auf die Verhaltensweise der Besucher, Kunden und Beschäftigen in der Stadt. Es muss attraktiver werden, das Zentrum fußläufig zu erreichen.“ Bezogen auf den Schützenplatz, von dem aus Pendler in nur wenigen Gehminuten zum Kornmarkt, zur Reichenstraße, zum Rathaus und zu anderen wichtigen Anlaufpunkten gelangen, empfiehlt er der Verwaltung, auf der Internetnetseite der Stadt Bautzen bereits frühzeitig auf mögliche Sperrungen des Areals hinzuweisen. „Den Nutzern hilft es, wenn ihnen in solchen Fällen Alternativen aufgezeigt werden. Zudem muss das Ordnungsamt des Öfteren ein Auge darauf werfen, in welcher Weise Autofahrer ihren Wagen auf dem Gelände abstellen.“ Damit spricht er Steffi Kröner aus der Seele. Die Malschwitzerin hätte dort schon so manches Mal einen Platz finden können, wenn die Abstände zwischen den einzelnen Fahrzeugen weniger groß ausgefallen wären, berichtet sie dem Oberlausitzer Kurier. „Vorausgesetzt die Stadt versteht ihr Handwerk, würde sie den Verkehr auf dem Schützenplatz besser ordnen“, fügt sie hinzu. Ungern möchte sie gerade in der nahenden dunklen Jahreszeit einen Fußmarsch von mehr als einem Kilometer zurücklegen. Doch wenn sich erst in der Breitscheidstraße der Angestellten die nächstgelegene kostenfreie Parkgelegenheit bietet, bleibt ihr wohl nichts anderes übrig. André Wucht findet hingegen, die Formulierung „kilometerweit“ sei an dieser Stelle sehr unangebracht und übertrieben. Doch auch er sieht für die bereits erstellte Gesamtverkehrskonzeption Anpassungsbedarf.

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Parkhäuser besser auslasten

Alternativ zu der aktuell geführten Parkplatzdiskussion bringt er das neue und kostenpflichtige Parkhaus der Oberlausitz-Kliniken ins Spiel. In diesem sei eine erhebliche Menge an zusätzlichen Stellflächen entstanden, so der Stadtsprecher.

Der kommunale Eigenbetrieb BBB kann in Zentrumsnähe gleich mit zwei Gebäuden aufwarten, in denen sich Autos über einen längeren Zeitraum unterstellen lassen. Auf seiner Internetseite wirbt das Unternehmen mit Dauerparkplätzen in den Parkhäusern „Am Taschenberg“ und „Centrum“. Für einen Stellplatz entrichten Autofahrer einen kleineren zweistelligen Betrag im Monat. Im Parkhaus „Centrum“ stehen insgesamt 289 Stellplätze zur Verfügung. Momentan haben sich laut Unternehmenssprecherin Diana Liebsch etwa 175 Dauerparker eingemietet. „Am Taschenberg“ seien es derzeit um die 60. „Die monatlichen Einnahmen belaufen sich aktuell auf ungefähr 8.500 Euro“, führt sie in diesem Zusammenhang an. „Demgegenüber stehen jedoch Ausgaben für Strom, Wasser, Sicherheit, Reinigung sowie die technische und bauliche Instandhaltung.“

Rathaus hat es in der Hand

Trotz allem setzen viele der 24.000 Pendler, die täglich in Bautzen ihrem Job nachgehen, und auch Gewerbetreibende offenbar Hoffnungen darauf, dass sich die Lage in der Spreestadt weiter zu ihren Gunsten verbessert. Aus der Sicht mehrerer Stadträte könnte allein schon die viel diskutierte Brötchentaste für eine gewisse Entspannung an der Parkplatzfront sorgen. Sowohl Sozialdemokraten als auch Linke, BBBz und FDP plädieren für deren zügige Einführung, um Autofahrern in der Altstadt für eine bestimmte Dauer kostenloses Kurzparken zu gestatten. „Auch wenn es dazu in der Fraktion unterschiedliche Auffassungen gibt, sind wir uns einig, dass die Brötchentaste zumindest über den Zeitraum von einem Jahr getestet werden sollte“, betont Angela Palm. „Wir haben uns stets für die Brötchentaste eingesetzt, die schon längst zu einer Entlastung hätte führen können“, ist sich Roland Fleischer sicher. Steffen Tech stimmt dem zu: „Die viel diskutierte Brötchentaste ist aus unserer Sicht längst überfällig. Wir haben daher den Vorstoß unterstützt, zeitnah eine kleine Anzahl von Parkautomaten der neuesten Generation aufzustellen, um bereits vor dem flächendeckenden Austausch aller Parkautomaten einen Überblick zu erhalten, wie das kostenfreie Kurzzeitparken angenommen wird und inwieweit es messbare Auswirkungen auf den innerstädtischen Handel hat.“ CDU und Liberale wollen unabhängig davon einen Weg gefunden haben, wie sich recht schnell, unkompliziert und ohne größere Investitionen ein kostenloses, 30-minütiges Parken auf ansonsten kostenpflichtigen Stellflächen im Stadtgebiet einrichten lässt – also auch ohne Brötchentaste. Mike Hauschild sprach gegenüber unserem Blatt davon, in den Stadtrat einen Antrag einzubringen, wonach das kostenfreie Parken per Parkscheibe möglich wird. Sollte der Vorstoß Zustimmung finden, könnten schon in absehbarer Zeit die Weichen im Gremium gestellt werden.

Die bayerische Lösung - so simpel wie genial

Eine interessante Idee kommt diesbezüglich aus Bayern. Die Stadt Volkach hat in der jüngeren Vergangenheit viele Regeln für Kurzzeitparker ausprobiert und ist in diesem Zusammenhang bei einer bestechend einfachen Lösung gelandet: Für vier Euro können die Bewohner eine Saugnapf-Sanduhr erwerben. Wer nur kurz etwas besorgen möchte, hat mit dieser 15 Minuten Zeit. Umständliche Geld- oder Parkautomaten sind nicht mehr nötig.

Wie dem auch sei. Am Ende hat es die Stadt in der Hand, den Forderungen nach einem verkehrsärmeren Zentrum auf der einen und denen nach dem Ausbau von Parkmöglichkeiten auf der anderen Seite gerecht zu werden.
Roland Fleischer: „Ein zu errichtender Parkplatz auf dem Güterbahnhof mit direkter Busanbindung zu einem neuralgischen Punkt in der Innenstadt ist eine Option.“

„In punkto Nahverkehrsanbindung herrscht großer Nachholbedarf“, weiß Claus Gruhl. „Hier sehe ich die Stadtverwaltung in der Pflicht, die das Thema lange nur dem Verkehrsverbund ZVON und Regiobus überlassen hat. Die Machbarkeitsstudie zum Rathenauplatz ist ein Anfang. Die Stadt muss sich jedoch bei der Erschließung des Zentrums durch den ÖPNV, und das wird sicherlich nicht mit den großen Bussen funktionieren, aktiv engagieren.“

„Nahverkehr funktioniert nur gemeinsam mit dem Landkreis, dem ZVON und Regiobus“, schiebt Angela Palm ein. „Linienführung und Taktzeiten sind an die aktuellen Bedürfnisse anzupassen.“

„Unser Weg wären attraktive Parkplätze und intelligent vernetzte Konzepte“, sagt hingegen Mike Hausschild.
Wie so etwas funktionieren kann, beweist die Kommune schon jetzt – und zwar während der Einkaufs- und Erlebnisnacht Romantica Anfang November.

Dann steuern zahlreiche Shuttle-Busse den Lauengraben an und bringen von dort aus Tausende Besucher auch wieder zurück zu ihren Fahrzeugen, die sie zuvor am Stadtrand abgestellt haben. Nicht nur Philipp Haufe würde drei Kreuze machen, wenn es diesen Service in Bautzen tagtäglich gäbe. Mike Hauschild: „Wir stehen auf dem Standpunkt, dass eine Stadt nur attraktiv ist, wenn sie lebt, wenn die Läden nicht leer stehen, wenn die Bürger gern in den Geschäften und Kulturstätten unterwegs sind. Dazu müssen die Bürger erst einmal an ihr gewünschtes Ziel gelangen. Da wir eine Einpendlerstadt sind und der ÖPNV unterentwickelt ist, brauchen wir Autos und diese Parkplätze. Die wiederum sind in ausreichender Anzahl für die Zukunft Bautzens überlebenswichtig.“    

Roland Kaiser / 29.10.2017

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