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Tunnelsanierung geht über drei Jahre

Tunnelsanierung geht über drei Jahre

An den Eingängen zum Tunnel, wie hier auf der Westseite, sollen Schranken installiert werden, um die Einfahrt bei Gefahren auszuschließen. Foto: Till Scholtz-Knobloch

Das Landesamt für Straßen und Verkehr nimmt für reduzierte Belastungen durch Umleitungsverkehr eine längere Bauzeit und höhere Kosten in Kauf. Dafür geht es bis vor kurzem noch undenkbare Wege.

 

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Am Königshainer Tunnel wird gearbeitet, damit der Autofahrer nicht dauerhaft in die Röhre schaut. Foto: Till Scholtz-Knobloch

Region. Lange ist darüber spekuliert worden, jetzt steht es fest: Der Tunnel Königshainer Berge im Zuge der Bundesautobahn 4 wird von 2022 bis 2024 umfassend saniert. 37 Millionen Euro nimmt der Freistaat Sachsen in die Hand, um das 3,3 Kilometer lange Bauwerk zwischen den Abfahrten Nieder- Seifersdorf und Kodersdorf auf den neuesten technischen Stand zu bringen. Der Niederschlesische Kurier beantwortet die wichtigsten Fragen dazu.

Warum ist die Tunnelsanierung erforderlich?

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Als der Tunnel Königshainer Berge von 1996 bis 1999 gebaut wurde, galten technische Richtlinien und Sicherheitsanforderungen, die nicht mehr dem heutigen Stand entsprechen. Das bedeutet keineswegs, dass der Tunnel in seinem jetzigen Zustand unsicher ist. „Ein Tunnel hat generell Nachteile gegenüber der offenen Strecke hinsichtlich von Licht, Luft und Fluchtmöglichkeiten, die durch technische Maßnahmen ausgeglichen werden müssen“, so Wolfram Damm, Referatsleiter für Verkehrstechnik im Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv). Und die Erkenntnisse, welche Ausstattung ein Bauwerk wie der Tunnel Königshainer Berge für eine optimale Sicherheit benötigt, unterliegen einer ständigen Entwicklung. Einen Knackpunkt bildete der schwere Brand vom Pfingstsonntag 2013: Trotz sofort eingeleiteter Sperrung konnten immer noch Fahrzeuge in den brennenden Tunnel einfahren, da es keine bauliche Absperrung gab. In der Konsequenz gehört der Aufbau von Schrankenanlagen vor den Portalen zum Maßnahmenpaket der bevorstehenden Sanierung.

Das ist eine Maßnahme – was sind die Anderen?

Das Lasuv hat als Aufgabenträger des Freistaates Sachsen einen umfangreichen Katalog abzuarbeiten. Deshalb können hier nur die wichtigsten und für die Sicherheit relevantesten Maßnahmen genannt werden. Dazu zählen: Verschluss der offenen Querschläge zwischen beiden Röhren durch Tore (für die Einsatzkräfte) und Türen (als Fluchtmöglichkeit); Einbau von begehbaren Notrufkabinen; Einbau zusätzlicher Rauchsensoren; Einbau eines Lautsprechersystems für dringende Warnhinweise; Austausch des bisherigen analogen gegen ein digitales Videosystem.

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Ebenso gehört dazu die Verkürzung der Abstände zwischen den Kameras; Verbesserung der Fluchtwegbeleuchtung; Austausch der Verkehrszeichenbrücken (die Neuen sind mit LED-Leuchten ausgestattet); Anbringen einer hellen, reflektierenden Wandbeschichtung – „diese verbessert durch stärkere Kontraste die Wahrnehmbarkeit anderer Fahrzeuge“, so Wolfram Damm. Hinzu kommen die Neuverlegung von „etwa 100 Kilometern“ Kabeln und noch vieles mehr.

Wurde denn nicht schon in der Vergangenheit ständig am Tunnel „herumsaniert“?

Hier muss zunächst zwischen tatsächlichen Sanierungsarbeiten und den turnusgemäß vorgeschriebenen Wartungen unterschieden werden. „Es genügt nicht, dass die Sicherheitseinrichtungen eingebaut sind; sie müssen auch zuverlässig funktionieren. Dafür führen wir Überprüfungen und Wartungen durch“, erklärt Wolfram Damm. Es gibt Halbjahres- und Jahreswartungen, die auch mit Sperrungen verbunden sind. Doch tatsächlich hat es auch schon so genannte „vorgezogene“ Sanierungsarbeiten gegeben, insbesondere infolge des Brandes vom 18. Mai 2013. Dazu zählten der Komplettaustausch der Lüfter, der Aufbau des BOS-Funkes für Behörden und Rettungsorganisationen sowie die Erneuerung der Stromversorgung.

Wie sollen die Belastungen für Autofahrer und Anwohner reduziert werden?

Das Lasuv hat sich – entgegen ursprünglicher Planungen – dafür entschieden, den Tunnel Königshainer Berge unter Gegenverkehrsbetrieb zu sanieren. Das heißt: Während die eine Röhre gebaut wird, fließt der Verkehr in beiden Richtungen durch die andere Röhre. Die anderen Varianten wären die halbseitige Sperrung jeder Richtung und der „Ein-Richtungs-Verkehr“ durch den Tunnel bei Führung der anderen Fahrtrichtung über eine Umleitung gewesen. „Diese Entscheidung wurde trotz deutlich höherer Kosten und längerer Bauzeit getroffen, um die Belastung durch Umleitungsverkehr so gering wie möglich zu halten“, erklärt Isabel Siebert, Pressesprecherin des Lasuv. Freilich hat diese Medaille auch eine Kehrseite: Zur Ertüchtigung der beiden Tunnelröhren für den Gegenrichtungsbetrieb sind umfangreiche bauliche und sicherheitstechnische Anpassungen nötig, die allein mit 5,6 Millionen Euro zu Buche schlagen. Und: Ganz ohne Vollsperrungen und Umleitungen geht die Sanierung trotzdem nicht über die Bühne.

Wie ist der Zeitplan, und wann gibt es Vollsperrungen?

Als erstes erfolgt von April bis Oktober 2022 die bloße Ertüchtigung der Südröhre für den Gegenrichtungsbetrieb. Behinderungen gibt es in dieser Phase nur in Fahrtrichtung Görlitz durch die Sperrung einzelner Fahrstreifen. In Spitzenbelastungszeiten werden auch die Umleitungsstrecken genutzt. Durch diese vorbereitende Maßnahme schafft das Lasuv die Voraussetzung dafür, dass ab dem April 2023 die Sanierung der Nordröhre erfolgen kann, die dann für den Verkehr gesperrt wird. Zur Inbetriebnahme der Südröhre für den Gegenrichtungsbetrieb ist ebenfalls im April 2023 eine zweiwöchige Vollsperrung des gesamten Tunnels erforderlich. Eine weitere zweiwöchige Vollsperrung gibt es zum Abschluss des Bauabschnitts im Oktober 2023.
Derselbe Ablauf wiederholt sich dann im Jahre 2024 analog mit der Sanierung der Südröhre. Auch hier sind jeweils zweiwöchige Vollsperrungen zu Beginn und zum Abschluss der Bauarbeiten erforderlich. Im November 2024 sollte alles überstanden sein und der Tunnel für weitere 15 bis 20 Jahre störungsfreien Betrieb zur Verfügung stehen.

Und wie sieht es mit den Umleitungen aus?

Die offiziellen Umleitungsstrecken führen wie auch schon bei den bisherigen Tunnelsperrungen von Nieder Seifersdorf aus in Richtung Norden zur Jänkendorfer Kreuzung in Niesky und von dort über die B 115 nach Kodersdorf sowie in Richtung Süden bereits ab Weißenberg in Richtung Reichenbach, über die B6 und die Ortsumfahrung Görlitz zu den Anschlussstellen Görlitz bzw. Kodersdorf. Die Ampel an der Jänkendorfer Kreuzung soll dann – anders als bei der letzten Sperrung – tatsächlich für einen flüssigen Verkehr sorgen, wie Andreas Biesold, Leiter der Lasuv-Niederlassung Bautzen, versichert. Viel Hoffnung auf bauliche Lärmschutzmaßnahmen kann den Anwohnern nicht gemacht werden, da diese bei einer nur temporären Belastung – wie eben im Zuge einer Umleitung – vom Gesetzgeber nicht vorgesehen sind. Eine Reduzierung der Lärmbelastung durch Geschwindigkeitsbegrenzungen ist aber durchaus möglich.

Uwe Menschner / 21.08.2019

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