05.07.2012
KAMENZ
Sechsstädtebund wird 666 Jahre alt
REDAKTION

Gegründet wurde der Sechsstädtebund vor 666 Jahren. Diese historische Darstellung zeigt die Kamenzer Bürgerwehr 1512 beim Kampf gegen Wegelagerer.
Gegründet wurde der Sechsstädtebund vor 666 Jahren. Diese historische Darstellung zeigt die Kamenzer Bürgerwehr 1512 beim Kampf gegen Wegelagerer. | Lessingmuseum
Seit 666 Jahre gibt es den Sechsstädtebund. Es gibt in Deutschland kein Städtebündnis, das auf eine so lange Tradition zurückblicken kann.

Von 1346 bis 2012 spannt sich der Bogen. Das ist für die Archive der beteiligten Städte Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau Anlass, mit einer öffentlichen Tagung an diese gemeinsame Geschichte zu erinnern. Unterstützung erfahren sie dabei von den Kreisarchiven Bautzen und Görlitz. Am Samstag, 30. Juni, berichten Historiker ab 9.00 Uhr im Ratssaal des Kamenzer Rathauses über die Perspektive auf den Sechsstädtebund aus Sicht der jeweiligen Stadtchronik. Alle an der Geschichte des Sechsstädtebündnisses und der Oberlausitz Interessierte sind eingeladen. Den genauen Tagungsablauf kann man der Homepage der Stadt Kamenz entnehmen.
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Begonnen hat alles am 21. August 1346. An diesem Tag schlossen die sechs Oberlausitzer Städte einen Vertrag, der anfänglich einer der Städte den Beistand bzw. das gerichtliche Vorgehen der jeweils anderen bei Mord, Brandschatzung, Raub und ähnlichen Rechtsvergehen sichern sollte. Daraus erwuchs ein Bündnis, das in der Region bald politisch und wirtschaftlich an Einfluss und Ansehen gewann. Die Niederlage Sachsens in den Napoleonischen Kriegen und der im Anschluss abgehaltene Wiener Kongress im Jahre 1815 führten zur Teilung der Oberlausitz und somit auch des Sechsstädtebundes. Während Bautzen, Kamenz, Löbau und Zittau beim Königreich Sachsen verblieben, wechselten Görlitz und Lauban in den Besitz des Königreichs Preußen. Weitere 130 Jahre später – resultierend aus den Ereignissen des Zweiten Weltkrieges – wurde Lauban eine Stadt in der Volksrepublik Polen und Görlitz zudem geteilt, was den östlich der Neiße gelegenen Teil der Stadt ebenfalls zu polnischem Territorium werden ließ. Es ist den besonderen politischen Umständen am Ende des vergangenen Jahrhunderts zu verdanken, dass am 21. Juni 1991 durch die Vereinigung beider deutscher Staaten und dem zusammenwachsenden Europa aus Anlass des Festes zur 770-jährigen Ersterwähnung der Stadt Löbau der Bund in der altehrwürdigen Konventsstadt des Sechsstädtebundes neu belebt wurde.

Heute verfügt der Bund allerdings kaum über politischen Einfluss. Vielmehr sieht er sich als eine gemeinsame Initiative für eine touristische Bewerbung der Region Oberlausitz – aufgrund von Zgorzelec, dem heute polnischen Teil von Görlitz, und Lauban auch über Ländergrenzen hinweg. Neben dem Sport stehen dabei zudem die Bereiche Kunst und Kultur im Mittelpunkt.

Kommentare zu

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

Wenn man die Initiative hinsichtlich touristischer Bewerbung beiseite läßt,ergeben sich kaum Gemeinsamkeiten aller genannter Städte.Der Sechsstädtebund müßte sich neu definieren und erfinden,denn die Grundlagen seiner Entstehung waren ja gerade,Machtpositionen zu schützen gegen von aussen ein-oder angrängende Gegner egal welchen Kalibers,Größe und Himmelsrichtung.Richtig müße es dann heißen,um heutige Machtverhältnisse zu berücksichtigen:"Sechs Städte in einem Bunde",was letztlich aber auch sowas ist,als wolle man Feuer und Wasser zu einer neuen Energieform verschmelzen.Einstein macht alles möglich.

Die heutige Situation macht den Sechsstädtebund zu einem Papiertiger und somit ist er Geschichte.Denn Lauban würde ja schon allein den Verteidigungsfall begründen.


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