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Cunewaldes Superhirn trifft Töne nicht

Cunewaldes Superhirn trifft Töne nicht

Cunewaldes Spitzenabiturient Philipp Hanisch vor seiner Studentenunterkunft. Foto: RK

Cunewalde. Er ist der Traum eines jeden Mathematikprofessors: Philipp Hanisch aus Cunewalde. Der 19-Jährige brennt für die Rechenkunst. Bereits beizeiten hat das Superhirn seine Leidenschaft für Zahlen, Bits und Bytes entdeckt. Im vergangenen Jahr absolvierte der junge Lausitzer sein Abi mit einem Traumdurchschnitt von 1,0. Redakteur Roland Kaiser traf ihn an seinem Studienort Dresden.

Die Cunewalder sind stolz auf ihren Primus, das ließ sich kürzlich einer Unterhaltung mit dem Bürgermeister entnehmen. Im vergangenen Jahr hatten Sie, Herr Hanisch, gemeinsam mit 190 anderen jungen Frauen und Männern aus ganz Sachsen das Traumabi abgelegt. Ihre Leistungen wurden auch entsprechend vom Kultusministerium honoriert. Wie lebt es sich mit solch einem Titel „Bester Abiturient“?

Philipp Hanisch: Es ist schön, einen solchen Abschluss erreicht zu haben. Allerdings werde ich das niemandem auf die Nase binden. Vielmehr hat das Ganze Vorteile bezüglich eines Stipendiums oder wenn man ein Studienfach wie Medizin anstrebt, das einem Numerus Clausus also einer Zulassungsbeschränkung unterliegt. In dem Fall ist die 1,0 sicherlich die beste Visitenkarte. Was mich betrifft, entdeckte ich recht früh die Leidenschaft für Naturwissenschaften. Deshalb habe ich mich da richtig reingekniet. Alles andere ergab sich von allein.

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Ich gehe davon aus, dass auch Sie sich auf das Abitur intensiv vorbereiten mussten. Wo hatten Sie an anderer Stelle zurückzustecken oder liege ich in diesem Punkt vollkommen falsch?

Philipp Hanisch: Natürlich wollte ich das Beste draus machen. Weil ich bereits ein Ziel vor Augen hatte. Meine Familie verzeiht es mir hoffentlich, dass ich anders als meine Schwester kein Mediziner werden möchte (schmunzelt). Ich mag Zahlen und was mit ihnen zusammenhängt. Deshalb entschloss ich mich für ein Informatikstudium. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich mich während der Schulzeit in irgendeiner Form zurücknehmen musste. Im Gegenteil. Nach dem Unterricht kickte ich sogar einige Zeit für die Herrenmannschaft der SG Motor Cunewalde. Außerdem spielte ich Tennis oder ging zum Karatetraining. Das mag zwar manchmal etwas stressig gewesen sein. Trotzdem bekam ich alles irgendwie unter einen Hut. Und da ich um meine Leidenschaft für die Mathematik wusste, auf der so vieles aufbaut, konnte ich entspannter die Prüfung auf mich zukommen lassen. Im Übrigen werden ja zwei Drittel der notwendigen Punkte für die Traumnote 1,0 bereits im Vorfeld vergeben. Ich habe daher versucht, richtig aufzupassen und geschickt Chancen für gute Noten zu nutzen. Hätte ich allerdings Musik nicht rechtzeitig abgewählt, wäre es schwieriger geworden, einen derartigen Abschluss hinzubekommen. Ich kann nicht singen, muss ich ehrlich zugeben. Auch der Schulsport machte mir erstaunlicherweise ein wenig zu schaffen. Unterm Strich konnte ich jedoch 895 von insgesamt 900 möglichen Punkten holen. Diese Zahl wiederum entspricht dem erzielten Notendurchschnitt auf meinem Abiturzeugnis.

Gab es eigentlich Mitschüler in Ihrem Umfeld, die hin und wieder gern von Ihnen profitieren wollten?

Philipp Hanisch: Nein, Ich denke nicht. Das liegt auch an meinem Charakter. Wissen Sie, ich bin eher ein bisschen introvertiert. Das bedeutet, ich habe zwar relativ wenige, dafür aber recht enge Freunde. Demnach bestand nicht wirklich die Gefahr, ausgenutzt zu werden. Nur einmal, daran kann ich mich noch genau erinnern, musste ich für mehrere Leute eine Aufgabe absolvieren. Das war in der zehnten Klasse. Irgendwie hatte keiner auf dem Schirm, das es sich um eine Gruppenarbeit handelt, in die sich alle einbringen sollten.

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Jetzt haben Sie sich für ein Informatikstudium entschlossen. Wo sehen Sie sich in ein paar Jahren und was möchten Sie in der Zeit unbedingt erreicht haben?

Philipp Hanisch: Ich werde in einer Wachstumsbranche Geld verdienen können. Auf jeden Fall habe ich Respekt vor meinen Eltern und meiner Schwester, die für Medizin brennen. Aber ich sehe in der Informatik meine Zukunft. Drei Bereiche gibt es, die mich interessieren. Dazu zählt zum einen die Unternehmensberatung in punkto IT-Ausstattung. Zum anderen hätte ich die Chance, in die Forschung zu gehen. Ein weiterer Schwerpunkt wäre die Softwareprogrammierung. Fakt ist: Nach zehn Semestern muss ich mich für irgendeine Sache entscheiden.

Wie Sie sich Ihre berufliche Laufbahn vorstellen, darüber haben Sie gesprochen. Wie steht es jedoch um das Privatleben von Philipp Hanisch?

Philipp Hanisch: Da ist es so, dass ich seit drei Jahren in einer festen Beziehung lebe. Meine Freundin wird demnächst zu mir nach Dresden ziehen und dort ein Lehramtsstudium aufnehmen. Fest steht für uns beide, dass wir auch künftig Familie und Freizeit vor Erfolg und Geld stellen. Und: Abgesehen von einem möglichen Auslandsstudium möchte ich gern hier zu Lande meinen Lebensmittelpunkt behalten. Ich bin eben sehr heimatverbunden.

Ein 1,0-Abitur in Sachsen ist kein Geschenk

Nach wie vor ist die Abi-Traumnote 1,0 etwas ganz Besonderes. Die Landespolitik nimmt sie stets zum Anlass, den betreffenden Abiturienten eine erhöhte Aufmerksamkeit zu schenken. Im vergangenen Jahr wurden von den sachsenweit rund 10.000 Abiturienten, die ihre Prüfung ablegten, 191 Schüler im Landtag von Kultusstaatssekretär Frank Pfeil und Landtagspräsident Matthias Rößler empfangen und mit einer Ehrenplakette aus Meißner Porzellan geehrt. Zum Vergleich: 2015 schafften 170 junge Frauen und Männer den traumhaften Abschluss.

Neben Philipp Hanisch aus Cunewalde erhielten 23 weitere Lausitzer diese Auszeichnung. Sie absolvierten ihre Schulausbildung am Schiller-Gymnasium (1) bzw. Melanchthon-Gymnasium (2) in Bautzen, am Goethe-Gymnasium (1) in Bischofswerda, am Sauerbruch-Gymnasium (2) in Großröhrsdorf, am Lessing-Gymnasium (2) in Hoyerswerda, am Christlichen Johanneum-Gymnasium (2) in Hoyerswerda, am Lessing-Gymnasium (2) in Kamenz, am Kant-Gymnasium (1) in Wilthen, am Scholl-Gymnasium (3) in Löbau, am Schleiermacher-Gymnasium (1) in Niesky, am Oberland-Gymnasium (1) in Seifhennersdorf, am Landau-Gymnasium (3) in Weißwasser und am Weise-Gymnasium (3) in Zittau.

Kultusministerin Brunhild Kurth damals: „Die Schüler, aber auch ihre Eltern können stolz auf diesen hervorragenden Abschluss sein.“ Dahinter stecke viel Kraft, Zeit, Fleiß und Disziplin. All das werde den Jugendlichen bei ihrem weiteren Lebensweg hilfreich sein.

Gleichzeitig stellte sie klar: „Ein 1,0-Abitur in Sachsen ist kein Geschenk. Das sächsische Abitur hat eine hohe Qualität, an der wir nicht rütteln werden. Wir messen uns nicht an der Quote der Spitzenzeugnisse, sondern an den Rückmeldungen von der Wirtschaft und den Universitäten – dort ist das sächsische Abitur anerkannt.“

 

Roland Kaiser / 02.05.2017

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