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Das Licht geht aus, die Krone schließt

Das Licht geht aus, die Krone schließt

Steht nach wie vor zum Verkauf: Die Stadthalle Krone mit mehreren Gewerbeeinheiten und hunderten Parkplätzen. Foto: RK

Bautzen. Sie sind vorerst die letzten, für die sich in der Krone der Vorhang öffnen wird – die Mitglieder des Gala Sinfonie Orchesters Prag. Am Nachmittag des 28. Januars präsentieren die drei Solisten, sechs Tänzer und Tänzerinnen sowie ein Dutzend Musiker im großen Saal ihren Zauber der Operette. Dann wird es auch fürs Publikum Zeit Abschied zu nehmen. Die Tage der Bautzener Stadthalle sind gezählt. Wie der Eigentümer auf Anfrage mitteilte, wird der Spielbetrieb im Anschluss an die Veranstaltung vorerst eingestellt. „Wir werden unter anderem die Heizungsanlage herunterfahren, um so die Betriebskosten zu minimieren“, erklärte Alexander Kin-dermann von der Berliner Onnasch-Gruppe, der das Haus seit vielen Jahren gehört. Ohne eine Unterstützung des benachbarten Hotels, das bereits im vergangenen Jahr den Besitzer wechselte, lasse sich der Spielbetrieb nicht mehr so managen wie einst. Seit Monaten sucht die Gesellschaft aus der Hauptstadt auch für die Krone und die davor befindlichen, rund 220 Parkplätze einen Käufer. „Makler kümmern sich darum“, meinte Alexander Kindermann. „Ich bin mir sicher, dass sich für die beiden Objekte ein Interessent finden lässt.“ Er sehe dabei keine Eile geboten. „Uns läuft ja nichts davon.“ Damit relativierte der Unternehmer seine Aussagen vom vergangenen Jahr. Damals schien ein Verkauf kurz bevorzustehen.

Inzwischen sei jedoch klar, dass am Verkaufspreis nun nicht mehr gerüttelt wird: Eine Zahlung von 2,2 Millionen Euro betrachtet die Onnasch-Gruppe für angemessen. Die Stadt als Kaufkandidat dürfte damit raus aus dem Rennen sein. „Davon gehe ich aus“, meinte Alexander Kindermann. Die Kommune hatte versucht, in den vergangenen Wochen den Kaufpreis weiter zu drücken. Ein Argument, das in diesem Zusammenhang seitens der Rathausspitze wiederholt vorgebracht wurde, lautete, die Krone sei abrissreif und somit müssten von der im Raum stehenden Summe noch einmal 800.000 Euro abgezogen werden. Im Fall eines Umbaus in eine moderne Stadthalle seien rund 15 Millionen Euro zu veranschlagen, schätzte hingegen die Geschäftsführerin der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft WBW, Kirsten Schönherr, ein. Das Wohnungsbauunternehmen verhandelte nach einem Beschluss des Stadtrates zuletzt mit der Onnasch-Gruppe über einen möglichen Kauf. „Aber es ist ja nicht nur die Sanierung, die kostet. Damit die Stadthalle betrieben werden kann, wäre ein jährlicher Zuschuss in Höhe von mindestens 150 000 Euro aufzubringen“, wird sie in der lokalen Tageszeitung zitiert. Das alles will Alexander Kindermann so nicht stehen lassen: „Ich bin mir sicher, wenn jemand die Krone erwirbt, lässt sich diese recht schnell wieder in Betrieb nehmen und das wird dann auch keine zweistellige Millionenbeträge nach sich ziehen.“ Und weiter: „Auf jeden Fall werden die Bautzener merken, dass die Krone als Veranstaltungsstätte fehlt. Wir hatten doch einige Termine dort.“ Lukrativ sei das Areal – ohne Frage. „Es lassen sich sofort Einnahmen erwirtschaften“, betonte der Unternehmer im Gespräch mit dem Oberlausitzer Kurier. Der Parkplatz mit seinen zahlreichen Stellplätzen werfe im Jahr um die 170.000 Euro ab. Die vermieteten Räumlichkeiten im Stadthallengebäude würden noch einmal rund 30.000 Euro einbringen, abzüglich der Betriebskosten für den Saal. Erst kürzlich sei eine 680 Quadratmeter große Fläche in dem Gebäudekomplex neu vermietet worden, hieß es.

Unterdessen machen sich Bautzener wie Utta Winzer, die den Erhalt der Krone befürworten, Gedanken um eine mögliche künftige Finanzierung. Dabei bringt sie das freigegebene SED-Vermögen ins Spiel, aus dem der Freistaat Sachsen rund 58 Millionen Euro erhalten soll. Unserer Zeitung schrieb sie: „Diese Gelder sollen zur Aufarbeitung von DDR-Unrecht genommen werden. Wäre es da nicht an der Zeit, den Ruf Bautzens als Stasiknaststadt zu ändern? Es wäre doch eine Art Wiedergutmachung für die Kommune, wenn der einzige Festsaal der Stadt von diesem Geld gekauft und flott gemacht werden würde.“

Dagegen verlautete aus dem Rathaus: „In der Verwaltung ist die geschilderte Sache noch nicht bekannt.“
Auf die Frage, wie mit den zusätzlichen Geldern verfahren wird, sagte der Sprecher des Sächsischen Finanzministeriums Stephan Gößl: „Diese Mittel sind zu circa 60 Prozent für investive und investitionsfördernde Maßnahmen der öffentlichen Hand im Bereich der wirtschaftlichen Umstrukturierung sowie für investive und investitionsfördernde Maßnahmen zu sozialen und kulturellen Zwecken (etwa 25 Prozent im Bereich der öffentlichen Hand und rund 15 Prozent im Bereich nicht staatlicher Träger, Anm. d. Red.) einzusetzen.“ Ein Termin für die Auszahlung der Mittel stehe allerdings noch nicht fest.


Kaiser fragt nach:
„Krone bietet unverwechselbare Atmosphäre“

Wann haben Sie zuletzt der Stadthalle Krone einen Besuch abgestattet und wie sehr wird Sie Ihnen fehlen? In dieser Frage gehen die Meinung in Bautzen stark auseinander. Fakt ist: Die Stiftung für das sorbische Volk verliert nach der Schließung des Hauses eine wichtige Veranstaltungsstätte. OLK-Redakteur hat sich mit Stiftungsmitarbeiterin Maria Schiemann über die Zeit mit der Krone und eine ohne sie unterhalten.

Wie beurteilt die Stiftung als bisheriger Ausrichter von Veranstaltungen in der Krone deren Schließung?

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Maria Schiemann: Die Krone, wie auch wir Sorben zur Stadthalle gerne sagen, ist seit Jahrzehnten für uns und unsere kulturellen Großveranstaltungen zur Heimat geworden. Im vergangenen November feierten sorbische Studenten, Gymnasiasten und die ältere intellektuelle Generation ihre 143. Schadzowanka – unser alljährliches Treffen mit einem fast zweistündigen Kulturprogramm der jungen Generation und der Möglichkeit des Wiedersehens jener, die in der Lausitz lernen, leben und arbeiten mit jenen, die über weite Teile des Landes verstreut oder ins Ausland abgewandert sind. Eine feste Größe im Kalender sozusagen. Seit es die Krone gibt, wurden die meisten der Treffen dort gefeiert. Das Sorbische National-Ensemble hat zu DDR-Zeiten auch seine Vogelhochzeitsveranstaltungen dort abgehalten. Für uns ist die Schließung nicht nur bedauerlich, sondern auch der unwiederbringliche Verlust eines traditionellen Veranstaltungsortes. Im Übrigen ist der Besuch unserer Veranstaltungen oft auch mit einem Abstecher in der Stadt Bautzen verbunden. Das wiederum bringt den Restaurants, Museen und anderen Sehenswürdigkeiten Zuspruch.

Was bedeutet diese Schließung für die Stiftung?

Maria Schiemann: Für uns heißt dies, dass wir uns so schnell wie möglich nach anderen Möglichkeiten umsehen müssen, um unsere Feste zu feiern. Denn die Tradition beispielsweise der SchadŸowanka wollen wir noch viele Jahre aufrechterhalten.

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Wohin wird die Stiftung mit ihren Veranstaltungen ausweichen und warum?

Maria Schiemann: In den vergangenen Jahren sind wir bereits hier und da mal ausgewichen, beispielsweise als die Krone renoviert oder für andere Zwecke genutzt wurde. Die SchadŸowanka wurde dann in der Mehrzweckhalle „Jednota“ in Crostwitz gefeiert oder auch im Hotel „Stadt Dresden“ in Kamenz. Wir brauchen einen Saal, in den bis zu 500 Leute hineinpassen und der im Kerngebiet liegt.

Welche Erinnerungen haben Sie an die Krone und deren Ausstattung?

Maria Schiemann: Die Krone war für uns bislang der ideale Ort für unsere Festveranstaltungen, der inmitten des Zentrums der, wie viele sagen, „Hauptstadt der Sorben“ liegt. Sie ist gut zu erreichen und weist einen Festcharakter auf. Diesem Anspruch wollen wir uns auch in Zukunft stellen. Da kann keine Turnhalle mithalten. Die Atmosphäre war demzufolge immer ansprechend, die Kleidung elegant, das Programm anspruchsvoll. Zudem ließen sich kleinere Kabarett-Filetstücke oder Jazzmusikeinlagen auch oben in der Bar oder in einem der Nebenräume ermöglichen, früher sogar im Keller. Das Foyer ist bestens geeignet für den Verkauf unserer Produkte wie Bücher und CDs. Die Flure oder auch Treppenaufgänge sind mit Fotos aus dem sorbischen Leben oder der bildenden Kunst verziert. Kurzum: Die Krone hatte etwas, sie bot immer genügend Auslauf und eine unverwechselbare Atmosphäre.

Diskutieren Sie mit und schreiben Sie uns, wie Sie zur Stadthalle Krone stehen! Wir freuen uns über Ihre Zuschrift.
Kontakt: Oberlausitzer Kurier, Karl-Marx-Straße 4, 02625 Bautzen bzw. Redaktion@LN-Verlag.de.

Roland Kaiser / 21.01.2018

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