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Die Feuerwehrfrauen von Bischofswerda

Die Feuerwehrfrauen von Bischofswerda

Nicole Holz, Manja Krengel und Rebecca Mütterlein gehören zur aktiven Abteilung der Freiwilligen Feuerwehr Bischofswerda. Gemeinsam mit ihren männlichen Kameraden rücken sie zu Bränden, Unfällen oder anderen Rettungseinsätzen aus. | Foto: kk

Bischofswerda. Vor 150 Jahren, als die Freiwillige Feuerwehr (FF) Bischofswerda ins Leben gerufen wurde, wären Frauen beim Löscheinsatz undenkbar gewesen. Heute ist es selbstverständlich: Drei Feuerwehrfrauen zählt die FF Bischofswerda in der aktiven Abteilung.
 
Der Löscheinsatz am Gasthof Schönbrunn vor wenigen Wochen war wie jeder andere zuvor. Für Rebecca Mütterlein und Nicole Holz gab es aber nach zwölf Jahren im aktiven Dienst bei der Freiwilligen Feuerwehr Bischofswerda eine Premiere. Zum ersten Mal löschten die beiden 28-Jährigen als reines Frauenteam unter Atemschutz. Bei vielen anderen Einsätzen zuvor hatten sie immer einen ihrer 46 männlichen Kameraden an der Seite.

Ein Beobachter hätte den Unterschied nicht bemerkt. Mit Stiefel, Hose, Jacke, Helm, Handschuhen, Atemmaske und der Pressluftatmer auf dem Rücken sind die Frauen und Männer der aktiven Abteilung bei der Bischofswerdaer Feuerwehr auch nicht auseinander zuhalten. Für Nicole, Rebecca und Manja Krengel ist das kein Problem. Sie gehören zum Team, nehmen an Lehrgängen und Diensten teil und absolvieren selbstverständlich auch die verschiedenen Feuerwehreinsätze. In diesem Jahr war schon alles dabei: Brand, Tragehilfe beim Rettungsdienst oder die technische Hilfeleistung bei Unfällen. Beim Alarm unterscheidet ebenfalls niemand ob Frau oder Mann ausrücken. Besetzt werden die Fahrzeuge in der Reihenfolge des Eintreffens der Aktiven.

Die Feuerwehr begleitet die drei Frauen schon ein Leben lang. Die Bischofswerdaerinnen Nicole Holz und Rebecca Mütterlein begannen bereits mit neun und acht Jahren auf eigenen Wunsch in der Jugendfeuerwehr. „Von Anfang an haben wir uns auf den aktiven Dienst gefreut“, sagt Rebecca. Manja Krengel stieg erst später ein und startete mit 16 Jahren direkt in der aktiven Abteilung. Wie alle begannen auch die drei jungen Mädchen als Truppfrauen und erlernten schrittweise bei Lehrgängen und im Einsatz die wichtigen Handgriffe. Heute sind alle drei Atemschutzgeräteträger und tun als Löschmeisterin Holz, Hauptfeuerwehrfrau Mütterlein und Oberfeuerwehrfrau Krengel ihren Dienst in Bischofswerda.

Im zivilen Leben gehen die drei Damen ganz normalen Berufen nach. Rebecca arbeitet im Schichtdienst als Heilerziehungspflegerin. Nicole ist Gastronomin und hat ebenfalls Früh- und Spätdienste. Manja ist Laborleiterin im Quarzwerk Hohenbocka und kann deshalb nur an den Wochenenden in Bischofswerda bei Einsätzen dabei sein. „In der Woche rücke ich mit der Freiwilligen Feuerwehr Grünewald aus“, erklärt sie. Diese Doppelmitgliedschaft nutzt beiden Wehren.

Den Feuerwehrmännern stehen die Drei in nichts nach. Befindlichkeiten gäbe es keine, zumal sich alle schon lange kennen. „Unsere Kameraden trauen uns auch viel zu“, sagt Nicole Holz. „Sie sind stolz auf uns“, ergänzt Manja Krengel. „Und für genügend Körperkraft während des Einsatzes sorgt das Adrenalin“, sagt Rebecca schmunzelnd. Beim Einsatz selbst bleibt auch keine Zeit zum Nachdenken. „In diesem Moment funktioniert man, konzentriert sich auf die Situation und überlegt, was man alles dabei haben muss“, sagt Rebecca Mütterlein, deren Onkel Wehrleiter in Bischofswerda ist. Wirklich geredet wird über den Einsatz erst im Feuerwehrdepot. Nur bei extrem belastenden Situationen erscheint das Kriseninterventionsteam vor Ort. Glücklicherweise seien solche Sachlagen selten.    

Die Freizeit der drei Frauen wird nicht nur wegen der verschiedenen Einsätze von der Feuerwehr bestimmt. Sie trainieren auch für den Feuerwehrsport. Für andere Hobbys ist da keine Zeit mehr. Zumal Rebecca und Nicole mit Feuerwehrmännern liiert sind.
Aktuell dreht sich bei der FF Bischofswerda alles um das 150-jährige Jubiläum. Das Programm steht. Jeder weiß, wann er mithelfen muss und die Dienste beim Ausschank von Kaffee und Kuchen am Nachmittag, Cocktails und Bier am Abend sind eingeteilt. Bleibt nur zu hoffen, dass Gäste und Feuerwehrleute das Fest genießen können und kein Alarm dazwischen funkt. Und selbst wenn, wüsste jede und jeder, was zu tun ist – es wäre auch nicht das erste Mal das Feuerwehrleute eine Party vorzeitig verlassen.

 

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Katrin Kunipatz / 25.04.2016

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