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Ein Programm für 
alle Gewichtsklassen

Ein Programm für 
alle Gewichtsklassen

Nicole Jäger präsentiert im Gerhart-Hauptmann-Zittauer Zittau ihr Kabarettprogramm „Ich darf das, ich bin selber dick.“ Foto: Veranstalter

Anfang 2016 landete Nicole Jäger aus Hamburg mit ihrem Buch „Die Fettlöserin – Eine Anatomie des Abnehmens“ einen Spiegel-Bestseller. Die 34-Jährige gastiert nun mit ihrem Programm „Ich darf das, ich bin selber dick“ am 6. Januar, um 19.30 Uhr, im Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau. Zwischenzeitlich brachte Nicole Jäger mal 340 Kilogramm auf die Waage! Unser Redakteur Steffen Linke sprach mit ihr.

Machen Sie doch die Besucher einmal in wenigen Worten auf Ihren Auftritt im Zittauer Theater neugierig.

Nicole Jäger: Wenn man mal über all das lachen möchte, was man sich sonst nur zu denken traut, wenn man lachen möchte, wo man sonst nur lästert und wenn man einfach mal keinen Bock hat auf Berührungsängste in Sachen Körperlichkeit, Gewicht, Diätwahn und Sex, dann ist man enorm gut aufgehoben in meinem Publikum. Das Programm richtet sich an Menschen aller Gewichtsklassen. Oh und ja, ich sehe natürlich wie immer exorbitant gut aus (lacht).

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Wie viel eigene Erfahrungen stecken in Ihrem Programm?

Nicole Jäger: Ich würde sagen, grob geschätzte 117 Prozent eigene Erfahrung.

Inwieweit nehmen Sie sich im Programm auch selbst auf die Schippe?

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Nicole Jäger: Ich glaube fest daran, dass Wahrheit ein sehr heilsamer Akt und Humor die Medizin ist. Wer nicht über sich selbst lachen kann, der hat schon verloren.
Insofern fange ich bei mir mit dem Lachen an und schaue dann erst auf alles andere. Aber so wie ich mich auf die Schippe nehme, bekommen auch alle anderen ihr – Achtung! Das ist ein richtig mieses Wortspiel – Fett weg! (lacht)

Verraten Sie doch bitte unseren Leserinnen und Lesern, wie viel Mal Sie in welchen Zeiträumen auf die Waage steigen?

Nicole Jäger: Maximal einmal in der Woche, immer freitags, immer morgens, vor dem ersten Kaffee und nach dem Duschen. Immer nackt und meine Haare trage ich dabei offen.

Wie viel wiegen Sie zurzeit?

Nicole Jäger: Handbreit über 160 Kilogramm.

Sie haben einmal 340 Kilogramm gewogen. In welchem Alter war das?

Nicole Jäger: In welchem Alter endete das, müsste meine Antwort wohl lauten. Daher: Mitte 20.

Aus welchen Gründen hatten Sie damals diese 340 Kilogramm auf den Hüften?

Nicole Jäger: Essen?! Übergewicht ist keine Krankheit, sondern ein Symptom und zwar eines dafür, dass emotional etwas nicht stimmt.Es gibt weder den einen Auslöser noch den ominösen Moment, in dem man morgens aufsteht und plötzlich fett ist. Das ist ein schleichender Prozess. Und er hat viel damit zu tun, sich zu vernachlässigen, sich nicht genug zu lieben und zu glauben, nicht(s) wert zu sein, um nur ein paar Gründe zu nennen. Am Ende muss man dann nur noch zu viel das Falsche und das am besten unregelmäßig essen, zwischendrin ein wenig hungern und sich oft genug anhören, man würde es eh nicht schaffen und sei nichts wert. Dann schafft man es sehr rasch auf viel Gewicht.

Wie sind Sie damals mit diesem Gewicht im Alltag zurechtgekommen? Sie müssen doch bei der kleinsten Bewegung nach Luft „geschnappt“ haben.

Nicole Jäger: Alltag? Welcher Alltag denn? Wenn man über 300 Kilogramm wiegt, dann bleibt nicht mehr viel übrig vom Leben. Jeder Schritt ist eine Herausforderung und nebenher kämpft man mit Schmerzen, Ängsten und Selbstablehnung – und isst... Ich glaube „um Luft schnappen“, ist da das kleinste Problem.

Gab es denn in dieser Zeit überhaupt die passende Kleidung für Sie? Oder waren das Spezialanfertigungen?

Nicole Jäger: Ich musste nicht in der Zeltabteilung einkaufen, nein. Es gibt durchaus Kleidung. Gut, die sieht nicht gerade schön aus, aber das ist nicht sonderlich maßgeblich. Es ist ja nicht so, dass ich abends dann noch auf den Opernball gegangen wäre.

Sind Sie wegen Ihrer Körperfülle gehänselt worden?

Nicole Jäger: Aber ja!

Ab wann kam für Sie der Punkt abzunehmen? Und war das eine große Überwindung für Sie?

Nicole Jäger: Ich war mit fünf Jahren das erste Mal auf Kur.Bis ich 25 war, habe ich alle Diäten gemacht gehabt, die Sie sich vorstellen können. Sagen Sie es mir, wann habe ich angefangen? Mit 5? Mit 15? Mit 25? Gestern? Ich war mein ganzes Leben lang auf Diät. Das war nicht – auch hier wieder – das eine Mal. Es waren hunderte Male.
Mitte 20 war ich dann so schwer, dass ich morgens aufwachte und dachte, ich würde noch heute sterben. Das war für mich ein Punkt, an dem ich dachte, dass ich irgendwas anders machen müsste. Nicht „anfangen“, sondern umdenken.Keine Diäten mehr, keine Experimente mehr, kein hungern oder nur fressen. Anders. Irgendwie. Und oh ja, das ist eine riesen Überwindung. Denn am Ende hat es etwas damit zu tun gehabt, einzusehen, versagt zu haben.

Sie haben Ihr Gewicht von 340 Kilogramm um beeindruckende 170 Kilogramm reduziert. Wie und über welchen Zeitraum haben Sie das geschafft?

Nicole Jäger: Ich bin nun im achten Jahr der Abnahme, steuere die minus 180 Kilogramm Marke an und habe es vor allem mit Essen geschafft. Und Bewegung natürlich. Es ist eine Fehlannahme, dass man dicken Menschen das Essen wegnehmen sollte, damit sie abnehmen.
Das Gegenteil ist der Fall. Regelmäßig essen, nach seinen eigenen Bedürfnissen, angepasst an den eigenen Lifestyle, genießen statt zu essen, bis der Magen schmerzt und einen guten Rhythmus finden. Und „nebenbei“ daran arbeiten, dass man sich nicht mehr für das Allerletzte hält. Abnehmen hat bei weitem nicht nur etwas mit essen bzw.nicht essen und Sport zu tun. Es ist Arbeit auf allen Ebenen und vor allem an und mit sich selbst.

War es für Sie schwer durchzuhalten? Hatten Sie auch manchmal Heißhunger?

Nicole Jäger: Klar gibt es Zeiten, in denen es mal leichter und mal schwerer ist. Ein Kilo wiegt ein Kilo. Egal ob Sie davon 10 oder 200 abnehmen müssen und ist daher immer gleich schwer. Heißhunger habe ich nur dann, wenn ich es dazu kommen lasse, was nur sehr selten der Fall ist.

Wie hat sich durch diese radikale Gewichtsabnahme Ihr Leben verändert?

Nicole Jäger: Es gibt nichts, was sich nicht geändert hat. Abgesehen von meinem Freundeskreis, der ist – gottlob – noch immer derselbe. Ich habe nun überhaupt erst ein Leben.
Es gibt einen großen Unterschied zwischen leben und existieren. Ich lebe, arbeite, liebe, mache Dummheiten und geilen „Scheiß“. Es ist alles dabei, wie bei jedem von uns. Alles ist einfach nur besser als noch vor acht Jahren.

Nehmen Sie sich denn vor, noch weiter abzunehmen?

Nicole Jäger: Ich habe gar nicht damit aufgehört. Ich nehme nicht mehr so schnell ab wie noch vor sieben oder acht Jahren. Das ist aber zum einen normal und zum anderen auch nicht nötig. Mein Gewicht sinkt stetig. Das ist die Hauptsache und ja, es gibt noch einiges, was weg soll an Gewicht.

Wo haben Sie denn Ihre frühere Kleidung hingetan?

Nicole Jäger: In den Müll.

Sie selbst arbeiten seit als Ernährungscoach in Ihrer Praxis in Hamburg. Welche eigenen Erfahrungen können Sie in diesem Job weitergeben?

Nicole Jäger: Meine ganze Arbeit als Abnehmcoach basiert auf meiner eigenen Erfahrung. Ich gebe nicht allein banale Lebensmittelkenntnisse weiter. Wenn wir ehrlich zu uns sind, wissen wir doch im Regelfall, was wir falsch machen. Wir bekommen dennoch allein die Kurve nicht und hier setzt meine Arbeit an.
Weil ich all die Situationen, all die Lügen, aber auch all die Ängste und Befürchtungen aus eigener Erfahrung kenne. Ich kenne aber auch die andere Seite der Medaille und weiß, dass man es schaffen kann, wenn man sein Ziel kennt.
Ich suche mit meinen Klienten zusammen den jeweils eigenen Weg.

Karten für die Veranstaltung gibt es unter anderem im Gerhart-Hauptmann-Theater Zittau und im Internet unter www.fettloeserin.de

Redaktion / 18.12.2016

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