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Für die neue Äbtissin wäre ein Leben ohne Gott völlig sinnlos

Für die neue Äbtissin wäre ein  Leben ohne Gott völlig sinnlos

Der Lieblingsplatz von Schwester Elisabeth Vateroth im Kloster ist ihr Platz in der Kirche: Hinter ihrem Sitzplatz ist das Relief der Szene nach Jesu Geburt, im Stall von Bethlehem, dargestellt. | Foto: Raphael Schmidt

Ostritz/St. Marienthal. Die 56. Äbtissin des Klosters St. Marienthal bei Ostritz ist Schwester M.  Elisabeth Vaterodt. Am vergangenen Samstag wurde sie in einer feierlichen Benediktion in ihr neues Amt eingeführt –  im „Oberlausitzer Kurier“ gewährt sie einen kleinen Einblick in ihr Leben.

Gummistiefel braucht Schwester Elisabeth Vaterodt nicht, als sie am 14. Mai, eine Woche vor ihrer Benedition als 56. Äbtissin von St. Marienthal, über den Klosterhof eilt. 2010 hätte die Feier auf diesem Gelände nicht stattfinden können. All das, was sie fast 20 Jahre lang als Cellerarin (Wirtschaftsleiterin)  maßgeblich betreut, geleitet und mit aufgebaut hat, war in kurzer Zeit zerstört. „Den Tiefpunkt hatte ich in der Nacht, nachdem das Wasser kam. Wir waren von der Welt abgeschnitten, hatten kein Telefon. Wir wussten nicht, was draußen um uns herum, vor sich ging. Ich saß in meinem Büro und draußen knallten die Bäume gegen die Ufer. Das Wasser rauschte. Es stieg und stieg. Zwei Meter hoch war der Kreuzgang geflutet. Da liefen mir die Tränen: In diesem Augenblick war ich fix und fertig“, sagt sie über diese schwere Nacht.

Und gleich danach, am nächsten Morgen, sieht Schwester Elisabeth die andere, die hoffnungsvolle Seite. „Die Sonne, der Himmel war blau, der Wasserspiegel stand, es hat sich alles wunderbar darin gespiegelt. Wir erhielten schnell Hilfe“. Und da war da noch „das Wunder“. So bezeichnet sie es, dass das maßstabsgerechte Modell von St. Marienthal, das einige Männer in mühevoller Kleinarbeit gebaut hatten, „auf wunderbare Weise überlebt hat. Alles war total zerstört in diesem Raum, das Mobiliar, die Ausstellung. Durch die Stömung wurde das Modell hochgehoben, ein Sessel hat sich darunter geschoben. Das war für mich ein Zeichen, wir brauchen nicht verzagen, es geht weiter“.

Dass sie als kleines Kind Ordensschwester werden wollte, daran erinnert sie sich nicht mehr. Aber 2006, bei einem Heimaturlaub, erinnerte sie eine Frau aus dem Ort, die ihren 100. Geburtstag feierte, daran. Als Jugendliche hatten Brunhilde – wie sie damals hieß – und ihre Freundinnen eigene Vorstellungen: „Man wollte mithalten“. Hätte sie mit 19 Jahren ihren damaligen Freund geheiratet, wäre ihr Leben völlig anders verlaufen. Aber da war sie, die Stimme  Gottes. Und die hat sie in Marienthal gehört. 1984 im Sommer, verbringt sie mit einer Freundin ihren Sommerurlaub im Kloster. „Eines Abends saßen wir am Stationsberg – es war ein wunderschöner Tag – erst haben wir uns eine Weile unterhalten, danach geschwiegen. In diese Stille hinein habe ich die Stimme gehört: ,Wenn du wirklich Gott suchst, dann findest du ihn hier in Marienthal‘. Das war so eine klare Antwort für mich auf alles, was ich bis dahin quasi an innerlichen Einladungen empfunden hatte. Ab diesem Abend war es für mich ganz klar“. Am nächsten Tag ging Brunhilde zu Äbtissin Pia Walter, meldete sich an und wurde zu Ordensschwester Elisabeth.

Nun ist sie selbst Äbtissin und es gibt Dinge, die für sie nicht verhandelbar sind. Das ist vor allem Gott. Er ist für sie „die Hauptsache, der Mittelpunkt. Ich könnte mir ein Leben ohne Gott nicht vorstellen. Für mich wäre ein Leben ohne Gott völlig sinnlos. Bereits als Kind habe ich darüber nachgedacht: Was wäre, wenn Gott nicht ist? Ich habe es mir versucht vorzustellen, es geht nicht. Die Natur und ihre Gesetze, das sind ja keine Zufallsprodukte. Und der Mensch hat es schon schwer, die Gesetzmäßigkeiten zu erforschen, die dahinterstehen. Aber er erkennt Gesetze. Dann müsste man eingestehen, dass es einen Gesetzgeber, eine ordnende Kraft, einen ordnender Geist gibt. Das zu verleugnen, das ist schon schwer“. Darunter, dass offenbar immer mehr Menschen ohne Gott und Glauben auszukommen scheinen, leidet die Ordensfrau, es treibt sie um.

In der Freizeit ist Schwester Elisabeth in der Natur unterwegs. Sie geht im Garten oder im Neißetal spazieren. Sie fotografiert gern, vor allem „die Tierwelt interessiert mich, da sehe ich eine lebendige Verbindung zur Schöpfung. Am Foto sehe ich mitunter erst, wie schön diese Pflanze, das Motiv ist. Man kann immer nur einen kleinen Ausschnitt festhalten. Das Ganze im Zusammenhang kann man mit einem Bild eh nicht erfassen“, sagt sie und bezieht dies offenbar nicht nur auf Fotos.
Obwohl sie, wie sie sagt, noch nie ein sportlicher Typ gewesen ist, hat sie sich vom Freundeskreis, der anfragte, was man ihr zur Benediktion schenken könne, eine Tischtennisplatte mit Schlägern und Bällen gewünscht. Das klinge aus ihrem Mund, wie sie sagt, „etwas kurios. Aber das schafft Gemeinschaft“, sagt sie. Ein Raum dafür ist bereits gefunden.

Raphael Schmidt / 29.05.2016

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