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Landrat Harig macht Pendeln einträglicher

Landrat Harig macht Pendeln einträglicher

Landrat Michael Harig gibt sich zuversichtlich, bis spätestens 2019 eine einheitliche Nahverkehrsregion von Meißen bis Görlitz zu schaffen. Foto: Landratsamt Bautzen

Vielen Bahnreisenden ist bei dieser Nachricht sicherlich ein Stein vom Herzen gefallen. Landrat Michael Harig hat einen Fahrplan vorgelegt, bis wann die Verkehrsverbünde Oberlausitz-Niederschlesien und das Dresdener Pendant Oberelbe (VVO) zu einem verschmelzen sollen. Redakteur Roland Kaiser hakte nach.

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Die Trilex-Triebwagen durchqueren auf der Strecke Görlitz – Dresden zwei Tarifgebiete mit unterschiedlichen Konditionen. Foto: PR

Herr Harig, momentan sind Sie in einer ganz besonderen Mission unterwegs – und zwar als Vorsitzender der ZVON-Verbandsversammlung und seit Jahresbeginn in gleicher Funktion beim Zweckverband Oberelbe. Landespolitiker haben Ihr Vorpreschen begrüßt, ist dieses ihres Erachtens doch bereits seit Längerem überfällig. Welche Signale empfangen Sie aktuell aus Dresden, dass Sie so zuversichtlich sind, bereits im nächsten Jahr, spätestens aber 2019, eine Fusion beider Verkehrsverbünde realisiert zu bekommen?

Michael Harig: Dresden ist nicht das Problem, weder die Staatsregierung noch die Verbandsmitglieder des ZVOE. Vorbehalte gibt es insbesondere in Görlitz, also bei den Mitgliedern des ZVON in Stadt und Landkreis. Diese Vorbehalte muss man aber verstehen. So ist die Region Görlitz eine, die nicht wie alle anderen in Sachsen direkt an ein Ballungszen-trum grenzen. Die Grenzsituation, verbunden mit größeren Schwierigkeiten die wirtschaftlichen Brüche der 90-iger Jahre zu kompensieren, führt zu einer höheren Sensibilität. Hier braucht es Vertrauen und einen öffentlich-rechtlichen Vertrag, in dem das festgeschrieben ist, was dem ZVON und seinen Mitgliedern wichtig ist. Gleiches gilt natürlich für die Kollegen im ZVOE.

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Welche Hürden sind auf diesem doch eher steinigen Weg noch zu nehmen?

Michael Harig: Wie bereits erwähnt, ist das grundsätzliche Einverständnis des Kreistages und des Stadtrates in Görlitz erforderlich. Auch die Landräte in Meißen und Pirna einschließlich des Dresdener Oberbürgermeisters werden sich von ihren Gremien legitimieren lassen müssen. Es braucht also eine gute Vorbereitung und auch soziale Verantwortung. Die Mitarbeiter der Geschäftsstellen, insbesondere der des ZVON, müssen sich in dem Prozess wiederfinden.

Viele Pendler machen sicherlich drei Kreuze, sobald das Unterfangen von Erfolg gekrönt ist. Weshalb wird eine Fusion seit Jahren so sehnsüchtig erwartet?

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Michael Harig: Der Landkreis Bautzen hat hier eine besondere Situation. Seit der Kreisgebietsreform geht die Verbund- und Tarifgrenze quer durch den Landkreis. 60 Prozent der Einwohner sowie der Fläche leben im beziehungsweise sind VVO-Gebiet. Das hat durch die damit verbundenen Unterschiedlichkeiten mit dem Anspruch auf gleiche Lebensbedingungen recht wenig zu tun. Der Raum Dresden ist für uns das relevante Oberzentrum. Wenn wir wollen, dass die Menschen im Landkreis wohnen bleiben, obwohl sie in Dresden arbeiten, benötigen wir vernünftige Alternativen zum Individualverkehr.

Jetzt steht natürlich die Frage im Raum, welche Prioritäten wird ein vereinter Nahverkehrsverbund setzen. Steht der ländliche Raum möglicherweise vor einer weiteren Ausdünnung der Infrastruktur oder gibt es viel mehr Bestrebungen, um neue Möglichkeiten für Bahn- und Busreisende zu schaffen?

Michael Harig: Die erste Priorität besitzt die Harmonisierung des Tarifes, auch im Bereich der Einzelfahrscheine. Die Zielnetze und die Verkehrsverträge sind von einem geplanten Zusammengehen nicht negativ betroffen. Ich rechne durch eine Gesamtschau auf den Verkehrsraum Ostsachsen bei Bus und Bahn eher mit Verbesserungen.

Ein Teil Ihrer Verwaltung wird bald selbst an Bahngleisen residieren dürfen. Wie kommen die Arbeiten im Bautzener Bahnhofsgebäude voran?

Michael Harig: Der Mietvertrag ist unterschreiben. Ich vertraue auf die Leistungsfähigkeit des Investors und Vermieters, so dass es über die Bauvorbereitung hinaus schon bald zu konkreten Bauarbeiten kommen wird.

Mal in die Glaskugel geschaut: Inwieweit können Sie sich vorstellen, dass Bahnreisende das Haus irgendwann wieder so nutzen, wie es noch in Görlitz beziehungsweise Dresden oder eventuell bald von neuem in Weißwasser der Fall ist?

Michael Harig: Davon bin ich überzeugt. Schon durch die Tatsache, dass mehrere hundert Menschen in dem Gebäude arbeiten werden, werden sich Händler und Unternehmen finden, die in der Bahnhofshalle und der Peripherie Dienstleistungen anbieten. Bautzen wird nicht nur städtebaulich gewinnen, sondern auch funktionell.

Wird ein geeinter Verkehrsverbund auch das Dresdener S-Bahn-Netz endlich bis in die Lausitz erweitern?

Michael Harig: Erst mal langsam: Zunächst müssen die Voraussetzungen für eine Einigung geschaffen werden. Die Verkehrsorganisation wird gemeinsame Aufgabe sein. Die Distanz Görlitz – Bautzen beträgt reichlich 100 Kilometer. S-Bahn-Verkehr ist zwar attraktiv, kann aber durch den Takt und die relativ vielen Halte schnellfahrende Züge behindern. Hier sind die Fachleute gefragt. Es geht bei allen Überlegungen nicht um die Strukturen oder das eine oder andere Produkt. Mir geht es um den Fahrgast und eine bedarfsgerechte Verkehrsorganisation, die auch dauerhaft finanzierbar ist.

Roland Kaiser / 27.03.2017

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