Ein Verhandlungstermin im Säurefall von Oderwitz ist zurzeit noch völlig offen – aller Voraussicht nach kommt der Prozess aber in diesem Jahr zu Stande. Im November 2010 hatte eine damals unbekannte Person Schwefelsäure auf Gesicht und Körper von Birgit K., Geschäftsführerin eines Autohauses in Oderwitz, geschüttet ("Alles Lausitz" berichtete). Die Tatverdächtige wohnt in der Nachbarschaft des Opfers und soll aus Eifersucht gehandelt haben.
Viele Einwohner in und um Oderwitz können es kaum fassen. Denn die mutmaßliche Täterin ist seit einigen Tagen wieder auf freiem Fuß, weil die Staatsanwaltschaft Görlitz während ihrer sechsmonatigen Untersuchungshaft keine Anklage erhoben hat. Till Neumann, Sprecher derStaatsanwaltschaft Görlitz, sieht jedenfalls "keine Panne" bei der eigenen Behörde. Denn gerade in Fällen der Schwerkriminalität sollte "Gründlichkeit vor Schnelligkeit" gehen. Zwei Gutachten würden krankheitsbedingt noch fehlen. Zum einen das zur objektiven Gefährlichkeit der Tat, ob es sich um versuchten Mord oder um schwere Körperverletzung handelt. Zum anderen ist laut Bundesgerichtshof noch ein Gutachten zur Schuldfähigkeit in diesem emotional sehr "aufgeladenen" Fall zwischen der Tatverdächtigen und der Geschädigten zwingend erforderlich. In beiden Fällen droht der mutmaßlichen Täterin ein Freiheitsentzug von drei bis zu 15 Jahren.
Sollten sich keine neuen Tatverdachtsmomente ergeben, bleibt die mutmaßliche Attentäterin aber bis zum Urteil auf freiem Fuß. Des Volkes Entrüstung über die Verfahrensweise lässt sich laut Till Neumann "juristisch nicht beantworten." Der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Görlitz rechnet auf jeden Fall in diesem Jahr mit einem Verhandlungstermin, möchte sich aber auf kein Datum "festnageln lassen".
Das Opfer Birgit K. wühlt die ganze Sache sehr auf. Der 19. November 2010 sei dadurch wieder richtig nah gerückt. "Es war der schlimmste Tag in meinem Leben. Ich versuche zwar stundenweise zu arbeiten, muss aber auch immer wieder zur Therapie. Ich kann noch nicht so, wie ich das gern möchte", sagt sie. Die Narben würden nach wie vor sehr schmerzen – ganz verstärkt bei der Behandlung. Wahrscheinlich werden sich ihre Therapien noch lange hinziehen.
Birgit K. ist nach eigener Aussage nicht mehr die Person, "die ich zuvor war. Es funktioniert nicht, an das alte Leben anzuknüpfen." Kraft und Hilfe, "um wieder nach vorn zu blicken", geben ihr ihre Familie, ihr Sohn, Bekannte und Freunde. Die Geschäftsfrau hofft, dass es mit dem Gerichtsprozess recht schnell geht, um "innerlich einen Abschluss zu finden." Bis dahin muss Birgit K. damit leben, dass die mutmaßliche Täterin ihre Nachbarin ist. Die beiden wohnen nur circa 350 Meter Luftlinie voneinander entfernt!
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bezüglich endlich mit dieser Sache abschließen kann.
Schließlich wird sie in medizinischer Hinsicht noch
oft genug an die Sache erinnert werden.