07.03.2012
ODERWITZ
Gerichtstermin im Säurefall noch offen
STEFFEN LINKE

Birgit K. hofft, dass es mit dem Gerichtsprozess recht schnell geht, um innerlich einen Abschluss zu finden. | Steffen Linke

Ein Verhandlungstermin im Säurefall von Oderwitz ist zurzeit noch völlig offen – aller Voraussicht nach kommt der Prozess aber  in diesem Jahr zu Stande. Im November 2010 hatte eine damals unbekannte Person Schwefelsäure auf Gesicht und Körper von Birgit K.,  Geschäftsführerin eines Autohauses in Oderwitz, geschüttet ("Alles Lausitz" berichtete). Die Tatverdächtige wohnt in der Nachbarschaft des Opfers und soll aus Eifersucht gehandelt haben. 

Viele Einwohner in und um Oderwitz können es kaum fassen. Denn die mutmaßliche Täterin ist seit einigen Tagen wieder auf freiem Fuß, weil die Staatsanwaltschaft Görlitz während ihrer sechsmonatigen Untersuchungshaft keine Anklage erhoben hat. Till Neumann, Sprecher derStaatsanwaltschaft Görlitz, sieht jedenfalls "keine Panne" bei der eigenen Behörde. Denn gerade in Fällen der Schwerkriminalität sollte "Gründlichkeit vor Schnelligkeit" gehen. Zwei Gutachten würden krankheitsbedingt noch fehlen. Zum einen das zur objektiven Gefährlichkeit der Tat, ob es sich um versuchten Mord oder um schwere Körperverletzung handelt. Zum anderen ist laut Bundesgerichtshof noch ein Gutachten zur Schuldfähigkeit in diesem emotional sehr "aufgeladenen" Fall zwischen der Tatverdächtigen und der Geschädigten zwingend erforderlich. In beiden Fällen droht der mutmaßlichen Täterin ein Freiheitsentzug von drei bis zu 15 Jahren.
ANZEIGE



Sollten sich keine neuen Tatverdachtsmomente ergeben, bleibt die mutmaßliche Attentäterin aber bis zum Urteil auf freiem Fuß. Des Volkes Entrüstung über die Verfahrensweise  lässt  sich laut Till Neumann "juristisch nicht beantworten." Der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Görlitz rechnet auf jeden Fall in diesem Jahr mit einem Verhandlungstermin, möchte sich aber auf kein Datum "festnageln lassen".

Das Opfer Birgit K. wühlt die ganze Sache sehr auf. Der 19. November 2010 sei dadurch wieder richtig nah gerückt. "Es war der schlimmste Tag in meinem Leben. Ich versuche zwar stundenweise zu arbeiten, muss aber auch immer wieder zur Therapie. Ich kann noch nicht so, wie ich das gern möchte", sagt sie. Die Narben würden nach wie vor sehr schmerzen – ganz verstärkt bei der Behandlung.  Wahrscheinlich werden sich ihre Therapien noch lange hinziehen.

Birgit K. ist nach eigener Aussage nicht mehr die Person, "die ich zuvor war. Es funktioniert nicht, an das alte Leben anzuknüpfen." Kraft und Hilfe, "um wieder nach vorn zu blicken", geben ihr ihre Familie, ihr Sohn, Bekannte und Freunde. Die Geschäftsfrau hofft, dass es mit dem Gerichtsprozess recht schnell geht, um "innerlich einen Abschluss zu finden." Bis dahin muss Birgit K. damit leben, dass die mutmaßliche Täterin ihre Nachbarin ist. Die beiden wohnen nur circa 350 Meter Luftlinie voneinander entfernt!

Kommentare zu

Die in Kommentaren geäußerten Meinungen stimmen nicht unbedingt mit der Haltung der Redaktion überein.

Ich hoffe und wünsche, dass die Täterin in Kürze eine angemessene Strafe bekommt. Und das Opfer dies-
bezüglich endlich mit dieser Sache abschließen kann.
Schließlich wird sie in medizinischer Hinsicht noch
oft genug an die Sache erinnert werden.

Das Schlimmste für das Opfer ist, wenn sich die Auf-
klärung des Verbrechens ewig hinzieht und der
Täter ewig nicht bestraft wird. Das ist aber
auch für den Täter nicht gut, wenn die
Strafe nicht auf dem Fuße folgt.

Wenn der Täter erst nach Jahren vor Gericht steht,
dann weiß er doch oft gar nicht mehr, warum er
die Tat begangen hat und weshalb
er j e t z t bestraft werden soll.

Zumal sich möglicherweise ein Gutachter finden
lassen wird, der feststellt, dass die Täterin im
Moment der Tat schuldunfähig gewesen war.

Und dann geht die Sache sowieso aus
>wie das Hornberger Schießen


WAS MEINEN SIE? SCHREIBEN SIE IHRE MEINUNG



Sicherheitscode:

Bitte geben Sie oben
stehenden Code hier ein*:


*Pflichtfelder

Mit dem Absenden Ihres Kommentars willigen Sie ein, dass der angegebene Name, Ihre Email-Adresse und die IP-Adresse, die Ihrem Internetanschluss aktuell zugewiesen ist, von uns im Zusammenhang mit Ihrem Kommentar gespeichert werden. Die Email-Adresse und die IP-Adresse werden natürlich nicht veröffentlicht oder weiter gegeben. Weitere Informationen zum Datenschutz bei alles-lausitz.de finden Sie hier. Bitte lesen Sie unsere Netiquette.




Wetter

Für die Wettervorschau benötigen Sie den freien Adoble Flash Player, den Sie hier laden können.

Meistgeklickt


Tillich: "Sachsen setzen nicht auf Platz, sondern auf Sieg!"
Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich ist auf Wahlkreistour. Bei einem Aufenthalt in Bautzen beantwortete er Redakteurin Katrin Kunipatz Fragen... mehr

Großer Wohnungsdeal in Görlitz-Königshufen
Auf dem Görlitzer Wohnungsmarkt hat sich unlängst eine größere Transaktion vollzogen: Die Westgrund AG mit Sitz in Berlin hat 536 Wohneinheiten in... mehr

Stausee wird aus dem Weltall überwacht
Der Stausee Quitzdorf steht unter vielfältiger Beobachtung: Neben dem Monitoring der Blaualgenentwicklung durch Probennahme hilft jetzt auch ein ... mehr

Tragischer Verkehrsunfall zwischen Schiedel und Milstrich
Am Freitagvormittag hat sich zwischen Kamenz und Wittichenau ein tragischer Verkehrsunfall ereignet. Bei Milstrich waren ein Kleintransporter und ein... mehr

Die Greifvögel hautnah erleben
Herzlich willkommen. Die Greifvogelwarte Oberlausitz öffnet am Sonntag, 24. August, zum vierten Mal in diesem Jahr ihre Tore... mehr

Deutsche Waffen ins Krisengebiet?
mit 10 Kommentaren

In der "Umfrage der Woche" wollen wir wissen, wie Sie über aktuelle Themen denken. In der vergangenen Woche wollten wir von Ihnen wissen... mehr

Tillich: "Sachsen setzen nicht auf Platz, sondern auf Sieg!"
mit 1 Kommentar

Sachsens Ministerpräsident Stanislaw Tillich ist auf Wahlkreistour. Bei einem Aufenthalt in Bautzen beantwortete er Redakteurin Katrin Kunipatz Fragen... mehr

Großer Wohnungsdeal in Görlitz-Königshufen
mit 1 Kommentar

Auf dem Görlitzer Wohnungsmarkt hat sich unlängst eine größere Transaktion vollzogen: Die Westgrund AG mit Sitz in Berlin hat 536 Wohneinheiten in... mehr

Größter Wunsch: Fahrzeug für Ausflüge mit Marie
mit 65 Kommentaren

Die Familie möchte mit der schwerstkranken Marie mehr Ausflüge machen und braucht dafür Hilfe. Ideal wäre ein Fahrzeug... mehr

Waldmensch Öff! Öff! zu Gast in der Olaf Schubert-Show
mit 56 Kommentaren

Der Smalltalk zwischen diesen beiden Typen kann ja heiter werden. Jürgen Wagner,  alias Waldmensch Öff! Öff!... mehr


Anzeige
Neue Kommentare

Polizeimeldungen

Schiedel / Milstrich:
Tragischer Verkehrsunfall zwischen Schiedel und Milstrich
Am Freitagvormittag hat sich zwischen Kamenz und Wittichenau ein tragischer Verkehrsunfall ereignet. Bei Milstrich waren ein Kleintransporter und ein

Schirgiswalde-Kirschau, OT Kirschau:
Straßensperrung nach Unfall in Kirschau
Nach einem Verkehrsunfall am Donnerstagmorgen mussten Verkehrsteilnehmer in Kirschau bis gegen 09:50 Uhr erhebliche Einschränkungen in Kauf nehmen. Am

Schleife, Gartenstraße:
Mann bei Wohnhausbrand leblos aufgefunden
Im Zuge eines Wohnhausbrandes in Schleife ist am Montagnachmittag ein Mann leblos aufgefunden worden. Anwohner hatten gegen 11:30 Uhr einen dumpfen

Löbau:
Tötungsdelikt in Löbau
Ein 50 Jahre alter Mann ist in der Nacht vom 16. auf den 17. August2014 in Löbau Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Nach dem Ergebnis der

Sohland an der Spree, Schluckenauer Straße:
Zwei Einbrecher auf frischer Tat gestellt
In der Nacht zu Montag hat die Polizei in Sohland an der Spree zwei Einbrecher auf frischer Tat gestellt. Die Männer im Alter von 32 und 35 Jahren


Digitale Ausgabe 23. August 2014

Web 2.0
Folge uns bei