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Neuer Einkaufsmarkt in Königswartha wirft viele Fragen auf

Neuer Einkaufsmarkt in Königswartha wirft viele Fragen auf

In dem in den 80er Jahren als Konsum gebauten Markt verkaufte Penny bis 2011 Lebensmittel. Seitdem steht das Gebäude mit einer Fläche von 700 Quadratmetern leer. | Foto: kk

Lebensmittel kauft man in Königswartha aktuell bei zwei Lebensmittel-Discountern. Einer liegt nah am Neubaugebiet, der andere verkehrsgünstig in der Mitte der Ortslage Königswartha. Nun soll ein neuer Markt im alten Ortskern gebaut werden. Nicht alle im Ort begrüßen diese Idee.
 
Königswartha. Angespannt ist die finanzielle Situation im Gemeindehaushalt Königswartha schon seit Jahren. Da tat es gut, als ein Investor kam und anbot der Gemeinde eine Fläche abzukaufen, um darauf einen Einkaufsmarkt zu bauen. Dass dann einige der stark sanierungsbedürftigen, teilweise unter Denkmalschutz stehenden Gebäude abgerissen werden müssten, nahm man in Kauf.

Der Gemeinderat segnete das Vorhaben ab. Ein eingereichtes Bürgerbegehren wurde mit dem Verweis auf formale Fehler abgelehnt. Zwei Gemeinderäte, die Bedenken äußerten, wurden überstimmt. Der neue Bürgermeister Swen Nowotny steht hinter dem Vorhaben. Unterstützt von der Mehrheit der Gemeinderäte wird das Projekt jetzt durchgezogen. Die meisten vorgebrachten Einwendungen, Bedenken und Hinweise, die Träger öffentlicher Belange und verschiedene Bürger im Rahmen der Öffentlichkeitsbeteiligung vorbrachten, wurden nicht berücksichtigt.

In der vergangenen Woche wurden nun Tatsachen geschaffen. Ein Gebäude, aus dem zu Jahresbeginn ein Optiker, ein Bestatter, ein Schuhmacher, eine Änderungsschneiderei und zuletzt eine Mieterin ausziehen mussten, ist bereits abgerissen. Eine 85 Jahre alte Dame, die seit 60 Jahren auf dem Gutshof lebt und laut Zusage des Erstvermieters bis an ihr Lebensende dort wohnen darf, wehrt sich vor Gericht gegen den Räumungsbescheid. Eine Entscheidung ist noch nicht in Sicht. Bis Ende Juli sollen die streitenden Parteien ihre Vorschläge für eine Einigung schriftlich beim Gericht vorlegen.

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Ein Streit der in den Augen von Gemeinderätin Annemarie Rentsch (Parteifreie Wähler) nicht sein müsste. Sie, Gemeinderat Peter Klemmer und andere Königswarthaer argumentieren, dass es in Königswartha schon genügend leer stehende Märkte gäbe und ein neuer Markt gar nicht gebraucht würde. „Nach der Eröffnung des neuen Marktes stünde der erst 2008 gebaute Netto nahe der Schule leer“, befürchtet Rentsch. Das Argument der dringend benötigten größeren Verkaufsfläche kann sie nicht nachvollziehen, denn eine Erweiterung sei am aktuellen Standort möglich.

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Auf dem ehemaligen Gutshofgelände soll der neue Einkaufsmarkt entstehen. Der Eigentümer hat bereits mit dem Abriss begonnen. Eine alte Dame wohnt immer noch hier. | Foto: kk

Auch fürchtet sie um den „diska“ an der Neudorfer Straße. Der Markt ist für die Bewohner des nahen Neubaugebietes günstig erreichbar. Würde er im Zuge des neuen Nettos geschlossen – schließlich gehören Netto und diska zur gleichen Unternehmensgruppe – müssten die überwiegend älteren Königswarthaer weitere und für Fußgänger nicht ungefährliche Wege auf sich nehmen. Bereits geschlossen sind der ehemalige Schlecker an der Neudorfer Straße und der Penny an der Hermsdorfer Straße. Trist wirkt vor allem das Gelände rund um den ehemaligen Penny. Als Konsum war das Gebäude in den letzten Jahren der DDR gebaut worden. Bis vor einem Jahr gab es hier noch ein kleines Lokal, dessen Inhaberin schließlich auch auszog.

Doch nicht nur die vorhandenen und künftigen Bauruinen machen Annemarie Rentsch Sorgen. Die gesamte Verkehrssituation rund um den neuen Markt ist nicht bis zu Ende gedacht. Die Verkehrswacht sieht hier vor allem für Linksabbieger von und auf die Bundesstraße 96 Probleme. Auch für Fußgänger sei es nicht ungefährlich die Bundesstraße zu überqueren, eine Ampel gibt es nicht und ist auch nicht vorgesehen.

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Katrin Kunipatz / 26.07.2016

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