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Oberlausitzer fangen Monster in der Stadt

Oberlausitzer fangen Monster in der Stadt

Kleine Monster sind überall in der Stadt unterwegs. Sichtbar sind sie nur für die Eingeweihten, die das Spiel Pokémon Go auf ihr Handy geladen haben. Dieser Plüsch-Glumanda ist nur fürs Foto auf den Briefkasten am Postplatz geklettert. | Foto: kk

Ein Wort ist in aller Munde – Pokémon. Ein neues Spiel, von dem die Amerikaner – so die Berichterstattung der Werbeabteilung des Entwicklers – total begeistert sind, steht jetzt auch für deutsche Handynutzer zur Verfügung. Der Oberlausitzer Kurier verrät, was sich hinter Pokémon Go verbirgt.

Bautzen/Landkreis. Sie heißen Traumato, Vulpix und Fukano. Manche ähneln einem vierbeinigen Tier, andere einer Fledermaus und für andere gibt es in der wirklichen Welt keine Entsprechung. Was sie eint, ist ihre Niedlichkeit und die Sammelwut, die sie bei Menschen zwischen zehn, zwanzig und sogar dreißig Jahren auslösen. Die Rede ist von Pokémon. Fantasiewesen, die 1996 in Japan das Licht der Computerspielwelt erblickten. Das Wort Pokémon ist die Verkürzung des englischen Wortes Pocket Monster, was übersetzt Taschenmonster bedeutet.

In den vergangenen Jahren fristeten sie ein eher zurückgezogenes Leben auf kleinen Pappkarten. Vor allem Grundschüler tauschen Pokémon-Karten fleißig untereinander. Deren Eltern beobachten die Freizeitbeschäftigung eher verständnislos und können über die unglaubliche Vielzahl der Taschenmonster eigentlich nur den Kopf schütteln. Immer geht es darum die verschiedenen Pokémon zu sammeln, zu trainieren und weiterzuentwickeln. Einige Generationen von Schülern haben um die Jahrtausendwende viel Zeit am Gameboy verbracht, um die über 700 Wesen einzufangen. Und jetzt sind die Pokémon auf den Bildschirmen zurück.

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Seit knapp elf Tagen gibt es das Spiel Pokémon Go fürs Handy. Auch in Bautzen sieht man nun immer häufiger Menschen – vor allem Jugendliche – die selbst beim Laufen durch die Stadt den Blick immer wieder auf den kleinen Bildschirm ihres Telefons richten, stehen bleiben und hektisch über das Display wischen. Die Insider erkennen sich, treffen sich etwa am gleichen Pokéstop beim Herunterladen von für das Spiel nötigen Gegenständen oder an den Arenen, wo die kleinen Monster gegeneinander kämpfen. Vor allem aber sind die Spieler unterwegs – zu Fuß oder mit dem Rad. Per GPS wird ihr Standort ermittelt und die Bewegungen werden auf dem virtuellen „Spielfeld“ dargestellt, das ziemlich exakt den Straßen und Wegen in der wirklichen Welt entspricht.  

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So sieht Bautzen in pokémonisch aus. Die Bildschirmaufnahme zeigt die Arena an der Wendischen Straße. | Foto: Screenshot

„Das Spiel motiviert einen wirklich zu laufen“, sagt Marie. „Mein Freund, der sonst nach der Arbeit geschafft war und kaum Lust hatte rauszugehen, fährt jetzt mit dem Rad und spielt Pokémon Go.“ Die 20-Jährige ist Friseurin und gerade in der Mittagspause. Mit Pokémon Go hat sie erst vor wenigen Tagen angefangen. „In meinem Freundeskreis spielen eigentlich alle“, sagt sie. Spaß macht es vor allem in den Städten, weil es dort viel mehr Pokéstops gibt. Schön findet sie, dass man auch Sehenswürdigkeiten kennenlernt. So sind in Bautzen am Rathaus, dem Fenster des Pfarramtes auf der Goschwitzstraße oder am Reichenturm Aufladestationen zu finden, die im Spiel auch so bezeichnet sind.

Selbst wenn man im Spiel nicht mit anderen Spielern interagieren kann, komme man beim Weg durch die Stadt doch auf nette Weise mit neuen Leuten in Kontakt, berichtet Marie. Sie spielt meist auf dem Weg zur Arbeit, selten in der Pause. Und obwohl man sich über die gefangenen Pokémon freut, „ist es ein affiges Spiel“, meint sie. Vor allem sei der Handyakku extrem schnell leer. Besonders ärgert es sie, wenn Freunde, die man selten sieht, bei einem Treffen lieber spielen, als zu reden. Marie und ihr Freund nutzen die gemeinsame Zeit lieber, um Zeit in der Körsetherme zu verbringen oder etwas in Bautzen oder Dresden zu unternehmen.

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Wie intensiv man sich mit dem Handyspiel auseinandersetzt, muss jeder selbst entscheiden. Keinesfalls sollte man darüber die Umgebung aus den Augen verlieren, einen entsprechenden Hinweis erhält der Spieler auch beim Aufrufen der App. Es kann gefährlich werden, wenn man bei der Jagd nach dem nächsten Pokémon, die rote Ampel ignoriert. Tatsächlich gibt es vereinzelt Berichte über Unfälle, weil ein Autofahrer beispielsweise in den USA Pokémon Go spielte. Dass der Griff zum Handy während der Fahrt tabu ist, sollte klar sein. Die Polizei berichtet schon seit Jahren auch in der Oberlausitz von Unfällen, bei denen die Fahrer durchs Handy abgelenkt waren. Gewarnt wird aber nicht nur vor diesen unmittelbaren Auswirkungen. Datenschützer weisen daraufhin, dass der Hersteller Niantic sich erlaubt, die über den Nutzer gesammelten Daten zu speichern und an andere weiterzugeben. Üblicherweise werden diese von anderen Unternehmen zu Werbezwecken ausgewertet.

Katrin Kunipatz / 25.07.2016

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