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Seit fünf Jahren Treff der Familienforscher

Seit fünf Jahren Treff der Familienforscher

Hans Joachim Wergien ist einer der führenden Köpfe der Familienforschung in der Region. Foto: Archiv/fum

Im September 2011 hatten drei Ahnenforscher aus dem Görlitzer Raum die Idee, weitere an der Geschichte ihrer Familien Interessierte aus dem ostsächsischen Raum zu einem Stammtisch einzuladen. Dass daraus eine regelmäßig tagende Institution werden würde, hätten wohl nur die Wenigsten gedacht.

Region. Als Veranstaltungsort wählten die Organisatoren das Schloss Krobnitz aus. Ein Treffpunkt, der wegen seiner zentralen Lage und dank seiner Geschichte den geeigneten historischen Rahmen bot. In der Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut, erwarb 1873 der preußische Ministerpräsident und Kriegsminister Albrecht Graf von Roon dieses Herrenhaus als Alterssitz und letzte Ruhestätte.

Angedacht hatten die Familienforscher einen einmaligen Erfahrungsaustausch zu allgemein interessierenden Themen der Genealogie. Doch das große Interesse der Teilnehmer übertraf die Erwartungen der Veranstalter bei weitem. Aus dem ersten Treffen hat sich inzwischen ein über fünf Jahre wirkendes kontinuierliches, offenes Forum des Erfahrungsaustauschs entwickelt. Oft reichte die Räumlichkeit im Schloss bei mehr als 30 Mitwirkenden gar nicht aus. Es kamen Anfänger, erfahrene Forscher und Interessenten, die mit der Erforschung ihrer Familiengeschichte erst beginnen wollten.

Bei den ersten Stammtischrunden wurde in erster Linie von erreichbaren Ergebnissen ausgegangen. Dazu gaben erfahrene Forscherfreunde ihr Wissen, die Herangehensweise bei der Suche nach Quellen und Daten weiter, erläuterten aber auch die Systematik für eine ergebnisorientierte, oft jahrelange Forschungsarbeit. Schließlich berichteten sie über die Darstellung in Stammtafeln und Familiengeschichten.

Im Erfahrungsaustausch entwickelten sich viele spannende Dialoge über gemeinsame, aber auch ganz verschiedene Erfahrungen, über Probleme und Misserfolge. Zahlreiche Hinweise und mancher Trick für das Suchen und Forschen konnte an andere Interessenten weitergegeben werden. Die Teilnehmer spürten schnell, dass sie im Stammtisch Familienforschung ein hilfreiches und interessantes Forum gefunden hatten, bei dem sie sich austauschen, Antworten und Hinweise auf ihre Fragen bekommen konnten. Diese Möglichkeit hatte es bisher im ostsächsischen Raum nicht gegeben.

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Der Görlitzer Ratsarchivar Siegfried Hoche erläuterte den Familienforschern die im Archiv der Neißestadt vorhandenen reichhaltigen Quellen. Foto: privat

Von Stammtisch zu Stammtisch konnten immer wieder neue Gäste begrüßt werden. Es bildete sich ein Stamm von Forscherfreunden heraus, der das inhaltliche Geschehen der Treffen mitgestaltete. Bald stellte man fest, dass die Kenntnisse über das systematische Herangehen an Familienforschung sehr unterschiedlich ausgeprägt waren. Bei Anfängern fehlten oft grundlegende Kenntnisse und Erfahrungen. So entstand der Gedanke, eine Reihe von Themen auszuwählen und über mehrere Stammtischtermine in Form von Kurzvorträgen darzulegen. Im Mittelpunkt standen solche grundlegenden Themen wie das systematische Herangehen an die Erforschung der Herkunft der Familie – als eine Anleitung für die ersten Schritte. Weiterhin ging es um die Nutzung von Kirchenbüchern als fundamentale Quellen für Familienforscher, die Arbeit mit standesamtlichen Registern sowie den Umgang mit verfilmten Kirchenbüchern der Mormonen als eine regelrechte Schatztruhe bei der Ahnenforschung.

Dabei reifte die Erkenntnis, dass etwa 85 Prozent der Forscherfreunde in der Region ihre Wurzeln im polnischen, schlesischen Raum haben. Oft sind es Orte, die nur wenige Kilometer hinter der deutsch-polnischen Grenze liegen. Hierdurch ergab sich die Frage, wo für die heute polnischen Gebiete noch vorhandene Quellen wie Kirchenbücher und standesamtliche Register zu finden sind. Dazu gibt es unter den Mitstreitern im Forscherkreis bereits umfangreiche Erfahrungen über die Bestände in polnischen Archiven. Einige Teilnehmer fahren seit Jahren nach Breslau in das dortige Staatsarchiv und geben ihre jeweils aktuellen Erfahrungen beim Stammtisch weiter. Von einem der Forscherfreunde wurde sogar eine schriftliche „Anleitung zur Vorrecherche in den polnischen Staatsarchiven“ erarbeitet. Mit diesem Hilfsmittel ist es jetzt möglich, sich schon vor dem Archivbesuch in Polen optimal über die vorhandenen Bestände zu informieren und diese vorab zu bestellen.

Höhepunkte der regelmäßig stattfindenden Treffen waren und sind genealogische Vorträge, die vor Ort in den unterschiedlichsten Einrichtungen der Region durchgeführt werden. Begonnen wurde mit einer Führung durch das Schloss Krobnitz mit Informationen zu seinen ehemaligen Bewohnern und deren Zeit. Bei einem Besuch im Ratsarchiv Görlitz begeisterte Ratsarchivar Siegfried Hoche mit seinem Wissen. Er erläuterte, über welch riesigen Quellenbestand das Archiv verfügt. So sind die vorhandenen Personenstandsregister, Schöppenbücher, Urbarien, Zunftakten und weitere zahlreiche Dokumente ein riesiger Schatz für jeden Familienforscher. Besonders erfreulich ist die Tatsache, dass seit kurzem auch in dieser Sammlung online recherchiert werden kann.
Ein weiterer, sehr lehrreicher Besuch führte die Ahnenforscher der Region in die Forschungsstelle der Mormonenkirche in Görlitz. Extra angereiste, kompetente Mitarbeiter dieser Kirche klärten über die Arbeit mit der weltweit größten genealogischen Datenbank „FamilySearch“ auf. Dieses Portal beinhaltet circa drei Milliarden Personendaten.

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Bei den regelmäßig stattfindenden Treffen der Familienforscher geht es vor allem um Recherchemöglichkeiten. Foto: privat

Weitere Veranstaltungen wurden im Computerkabinett der Volkshochschule Görlitz durchgeführt, um den Forscherfreunden die genealogische Recherche im Internet an praktischen Beispielen zu erläutern. Anhand einer schriftlichen Arbeitsanleitung konnte jeder Teilnehmer im Internet nach Namen, Orten und Dokumenten der eigenen Familie suchen. Andere Themen der Treffen waren unter anderem „Das Lesen und Entziffern alter Schriften“, „Auf den Spuren der Auswanderer“, „Das schriftliche und grafische Darstellen von Forschungsergebnissen“ und „Wie weiter am toten Punkt?“.

2017 wollen die Familienforscher mit ihren Treffen nach Krobnitz zurückkehren. Anstelle des Stammtisches möchte man sich als Arbeitskreis Familienforschung präsentieren und wie bisher viermal im Jahr zusammenkommen (Kontakt unter E-Mail hajowergien@ online.de).

Redaktion / 11.01.2017

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